Recherches germaniques

wissenschaftliche Fachzeitschrift

Recherches germaniques ist eine internationale Fachzeitschrift für Germanistik, die 1971 in Straßburg von Gonthier-Louis Fink begründet wurde. Die Zeitschrift widmet sich der wissenschaftlichen Arbeit im Bereich der Literatur sowie der Kultur- und Ideengeschichte im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz…). Sie erscheint zweimal im Jahr, sowohl als kostenfrei zugängliche Open-Access-Zeitschrift als auch in gedruckter Form bei der Fondation des Presses Universitaires de Strasbourg. Sie wird von Aurélie Choné herausgegeben.[1]

Recherches germaniques

Beschreibung Wissenschaftliche Fachzeitschrift
Fachgebiet Germanistik
Sprache Französisch, Deutsch
Hauptsitz Straßburg
Erstausgabe 1971
Weblink journals.openedition.org/rg
ISSN (Print)

GeschichteBearbeiten

Die Zeitschrift Recherches germaniques wurde 1971 auf Anregung einer Gruppe von Germanisten des Instituts für Germanistik (Institut d’Études Germaniques) der Université des Sciences Humaines in Straßburg gegründet (ab 1998 Université Marc Bloch, 2009 in die neue Université de Strasbourg integriert). Die Zeitschrift gehört zu den wissenschaftlichen Publikationen der Universität. Der erste Herausgeber war Gonthier-Louis Fink (bis 1997), Spezialist für Literatur und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts.[2]

Zwei Jahre nach Gründung der ebenfalls in Straßburg ansässigen Revue d’Allemagne, die sich vorzugsweise den Gebieten von Kultur, Geschichte und Politik in den deutschsprachigen Ländern widmete, setzte sich Recherches germaniques zum Hauptziel, der wissenschaftlichen Gemeinschaft eine jährlich erscheinende Publikation zur Verfügung zu stellen, die umfangreiche Beiträge auf den Gebieten der deutschsprachigen Literatur-, Ideen- und Kulturgeschichte von der Reformationszeit bis zur Gegenwart publiziert, ohne dabei Beiträge aus dem Bereich der Mediävistik auszuschließen. Gleichzeitig verfolgte die Zeitschrift das Ziel, der französischen und internationalen Germanistik als Austauschforum zu dienen. In der Tat hat sich Recherches germaniques, der Bestimmung einer solchen grenzüberschreitenden Publikation gemäß, zu einem intensiven deutsch-französischen Austauschorgan entwickelt. Gerade in Bezug auf diese binationale Perspektive bestand der wissenschaftliche Beirat der ersten Jahrzehnte vornehmlich aus Experten der angrenzenden Universitäten Freiburg im Breisgau, Basel und Karlsruhe.

Nach vierjähriger Übergangszeit und gemeinsamer Leitung durch Arlette Bothorel, Hildegard Châtellier und Christine Maillard übernahm Letztere 2001 die alleinige Herausgeberschaft. In dieser Funktion wirkte Christine Maillard bis 2013. Nachdem die Zeitschrift bereits in den ersten zwei Jahrzehnten vom CNRS unterstützt worden war, genießt sie seit 2007 erneut dessen wissenschaftliche Anerkennung. Der wissenschaftliche Beirat wurde in diesem Zuge weiter internationalisiert. Ergänzend zu den jährlich erscheinenden Ausgaben publiziert die Zeitschrift seit 2003 auch thematische Sonderhefte, etwa aus Anlass von in Straßburg oder an anderen Universitäten veranstalteten Fachtagungen. Solche Bände, die immer auch internationale Beiträge beinhalten, spiegeln zudem zentrale Tendenzen der in Straßburg verfolgten Forschungsprojekte wider.

Von 2013 bis 2018 gaben Aurélie Choné und Catherine Repussard die nun von den Presses universitaires de Strasbourg publizierte Zeitschrift heraus.[3] Der wissenschaftliche Beirat wurde weiter vergrößert und im Jahre 2014 legte sich die Zeitschrift ein neues Layout zu. Seitdem werden jährlich zwei Bände publiziert: ein Jahrbuch (Varia) und ein thematisches Sonderheft (Hors-série). Seit 2018 liegt die Herausgeberschaft bei Aurélie Choné.

Seit dem 1. Januar 2019 ist Recherches germaniques auch über das geistes- und sozialwissenschaftliche Onlineportal OpenEdition abrufbar. Die verschiedenen Ausgaben können parallel zur Veröffentlichung in gedruckter Form nun als kostenfreies digitales Angebot genutzt werden.[4]

Redaktionelle Ausrichtung und ZielsetzungBearbeiten

Als „Hauptstadt Europas“ und zugleich Universitäts- und Grenzstadt, liegt Straßburg am Schnittpunkt des kulturellen Austauschs zwischen Deutschland und Frankreich. Dieser besonderen geographischen Lage will die Fachzeitschrift als Forum der französischen sowie internationalen Germanistik Rechnung tragen.

Recherches germaniques widmet sich der wissenschaftlichen Arbeit in den Bereichen Literatur, Kultur- und Ideengeschichte des deutschsprachigen Raumes (Deutschland, Österreich, Schweiz…). Die Zeitschrift veröffentlicht Beiträge sowohl von anerkannten Germanistinnen und Germanisten aller fünf Kontinente als auch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Die Artikel verfolgen klassische und neuere Forschungsansätze in der Germanistik, die teilweise transnationale und interdisziplinäre bzw. vergleichende deutsch-französische Perspektiven aufzeigen. Die Beiträge umfassen ein historisches Feld, das vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert reicht.

PublikationsformBearbeiten

Recherches germaniques ist eine Halbjahreszeitschrift für internationale Germanistik und publiziert jährlich ein Sammelheft (Varia) und ein Themenheft (Hors-série). Die auf französisch oder deutsch verfassten Artikel durchlaufen ein Doppelblindgutachten (Double-Blind Peer Review), welches das hohe wissenschaftliche Niveau der Zeitschrift garantiert[5].

PublikumBearbeiten

Recherches germaniques wendet sich an Bachelor- und Masterstudierende, an Doktoranden und Doktorandinnen der Germanistik, Literatur- und Kulturwissenschaft, Kulturgeschichte und Philosophie sowie an Akademikerinnen und Akademiker, die sich für deutschsprachige Literatur, Kultur und Geschichte interessieren[6].

ThemenhefteBearbeiten

Nummer Herausgeber Thema
n°15/2020 Oliver Schlaudt, Françoise Willmann Alfred Sohn-Rethel (1899–1990). Kontroversen um einen materialistischen Philosophen
n°14/2019 Maryse Staiber, Klaus Wieland Modellanalysen zur Lyrik der Frühen Moderne 1890–1930[7]
n°13/2018 Jean-Pierre Brach, Aurélie Choné Ein alchimistischer Roman in Straßburg. Die Chymische Hochzeit des Christian Rosencreutz 1616–2016[8]
n°12/2017 Christine Maillard Die deutschsprachigen Länder und der Iran (19. u. 20. Jhdt.). Alteritätserfahrungen und Identitätssuche[9]
n°11/2016 Catherine Repussard Lebensreform – Antiglobalisierung. Metamorphose der Alternativbewegungen?[10]
n°10/2015 Aurélie Choné, Catherine Repussard Von Tieren und Menschen. Wissen, Repräsentationen, Interaktionen[11]
n°9/2014 Véronique Liard, Christine Maillard Carl Gustav Jung (1875–1961). Ein neuer Zugang zum Gesamtwerk[12]
n°8/2013 Christine Maillard Kunst, Wissenschaften und Psychologie. Über das Rote Buch (1914–1930)[13]
n°7/2012 Aurélie Choné, Catherine Repussard Les mondes germaniques et les « villes-mirages » de la fin du XIXe siècle à nos jours[14]
n°6/2011 Marc Cluet, Monique Mombert Mouvements de jeunesse / Jeunes en mouvements[15]
n°5/2010 Michael Lützeler, Christine Maillard Hermann Broch: Religion, Mythos, Utopie – zur ethischen Perspektive seines Werks[16]
n°4/2009 Emmanuel Béhague, Valérie Carré L'identité collective et sa représentation dans le cinéma, le théâtre et la littérature d'aujourd'hui[17]
n°3/2008 Christine Maillard Interkulturelles Schreiben[18]
n°2/2007 Ruth Vogel-Klein W.G. Sebald – Erinnerung. Übertragungen. Bilder.[19]
n°1/2002 Christine Maillard Sciences, sciences occultes et littérature 1890–1935[20]

Wissenschaftlicher BeiratBearbeiten

  • Thomas Anz – Philipps-Universität Marburg
  • Philippe Despoix – Université de Montréal
  • Marino Freschi – Università di Roma Tre
  • Dirk Göttsche – University of Nottingham
  • Michel Grunewald – Université de Lorraine, Metz
  • Ortrud Gutjahr – Universität Hamburg
  • Ralf Häfner – Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Frédéric Hartweg – Université de Strasbourg
  • Michael Hofmann – Universität Paderborn
  • Uwe Japp – Karlsruher Institut für Technologie
  • Eva Kimminich – Universität Potsdam
  • Florian Krobb – Maynooth University
  • Paul Michael Lützeler – Washington University in St. Louis
  • Christine Maillard – Université de Strasbourg
  • Klaus-Detlef Müller – Eberhard Karls University of Tübingen
  • Rolf G. Renner – Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Gerhard Sauder – Universität des Saarlandes
  • Maryse Staiber – Université de Strasbourg[21]

RedaktionskomiteeBearbeiten

Redaktionssekretär: Alexandre Zeitler, Université de Strasbourg

  • Aurélie Le Née – Université de Strasbourg
  • Sonia Goldblum – Université de Haute-Alsace (Mulhouse)
  • Maxim Görke – Université de Strasbourg
  • Juliette Rupp – Université de Strasbourg[22]

LiteraturBearbeiten

  • Nicole Colin, Corine Defrance, Ulrich Pfeil, Joachim Umlauf (Hrsg.): Lexikon der deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach 1945. Tübingen (Gunter Narr/edition lendemains 28) 2013 (2. Auflage 2015).
  • Élisabeth Décultot: Germanistik (études allemandes) en Allemagne und Germanistik (études allemandes) en France. In: Dictionnaire du monde germanique. Herausgegeben von Élisabeth Décultot, Michel Espagne und Jacques Le Rider. Paris, Bayard 2007, ISBN 978-2-227-47652-3, S. 399–401, 401–404.
  • Alina Timofte: Ein ideales Publikationsgefäß für die internationale Germanistik. Zur aktuellen Ausgabe von "Recherches Germaniques". In: Zeitschrift literaturkritik.de. Band 7, Ausgabe 2016, S. 243–247.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Presses universitaires de Strasbourg : Recherches germaniques. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  2. Von Alina Timofte: Ein ideales Publikationsgefäß für die internationale Germanistik – Zur aktuellen Ausgabe der „Recherches Germaniques“ : literaturkritik.de. Abgerufen am 19. Dezember 2019.
  3. Catalogue des revues – OpenEdition. Abgerufen am 21. November 2019.
  4. Nicole Colin, Corine Defrance, Ulrich Pfeil (bis 1966), Joachim Umlauf: Lexikon der deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach 1945. Tübingen 2013, ISBN 978-3-8233-6693-5.
  5. Bewertungs- und Auswahlkriterien. 15. Januar 2018, abgerufen am 21. November 2019.
  6. Über die Zeitschrift. 15. Januar 2019, abgerufen am 21. November 2019.
  7. Recherches Germaniques hors-série n° 14/2019, Lectures de textes poétiques de la Frühe Moderne 1890–1930 / Modellanalyse. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  8. Recherches germaniques hors-série n° 13/2018, Un roman alchimique à Strasbourg. Les Noces Chymiques de Christian Rose-Cr. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  9. Recherches germaniques hors-série n° 12/2017, Les pays germaniques et l'Iran (XIXe-XXe siècles). Die deutschsprachigen L. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  10. Recherches germaniques hors-série n° 11/2016, De la Lebensreform à l'altermondialisme, Lebensreform – Antiglobalisierung. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  11. Recherches germaniques hors-série n° 10/2015, Des animaux et des hommes, Von Tieren und Menschen. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  12. Recherches germaniques hors-série n° 9, 2014, Carl Gustav Jung (1875–1961). Pour une réévaluation de l'œuvre. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  13. Recherches germaniques hors-série n° 8/2011, Art, sciences et psychologie. Autour du Livre Rouge de C. G. Jung (1914–1930). Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  14. Recherches germaniques hors-série n° 7/2010, Les mondes germaniques et les « villes-mirages » de la fin du XIXe siècle à. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  15. Recherches germaniques hors-série n° 6/2009, Mouvements de jeunesse / Jeunes en mouvements. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  16. Recherches germaniques hors-série n° 5/2008, Hermann Broch: Religion, Mythos, Utopie – zur ethischen Perspektive seines. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  17. Recherches germaniques hors-série n° 4/2007, L'identité collective et sa représentation dans le cinéma, le théâtre et la. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  18. Recherches germaniques hors-série n° 3/2006, Écritures interculturelles. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  19. Recherches germaniques hors-série n° 2/2005, W.G. Sebald – Mémoire. Transferts. Images. Abgerufen am 21. November 2019 (französisch).
  20. Sciences,sciences occultes et littérature (1890–1935): Textes réunis. Université Marc Bloch-Strasbourg 2, Strasbourg, France, Canada, Hongrie 2002 (abes.fr [abgerufen am 21. November 2019]).
  21. Die Teams. 15. Januar 2019, abgerufen am 21. November 2019.
  22. Die Teams. 15. Januar 2019, abgerufen am 21. November 2019.