Rathfriland

Nordirische Kleinstadt

Rathfriland (irisch Ráth Fraoileann, etwa „Ringfeste von Fraoile“)[2] ist eine Kleinstadt (market town) in der Grafschaft Down in Nordirland.

Rathfriland
irisch Ráth Fraoileann
Rathfriland village. - geograph.org.uk - 1420523.jpg
Koordinaten 54° 14′ N, 6° 10′ WKoordinaten: 54° 14′ N, 6° 10′ W
Rathfriland (Nordirland)
Rathfriland
Traditionelle Grafschaft County Down
Einwohner 2472 (Stand: 2011)[1]
Verwaltung
Post town NEWRY
Postleitzahlen­abschnitt BT34
Vorwahl 028
Landesteil Nordirland
Historische Grafschaft County Down
District Armagh City, Banbridge and Craigavon
Civil Parishes Drumballyroney
Drumgath
Britisches Parlament South Down (Wahlkreis, Vereinigtes Königreich)
Northern Ireland Assembly South Down (Wahlkreis, Nordirland)

GeographieBearbeiten

Rathfriland liegt auf einem Hügel in einer sumpfigen Senke zwischen den Bergen Slieve Croob und Banbridge – nördlichen Ausläufern der Mourne Mountains – etwa 11 km nordöstlich von Newry und 43 km südwestlich von Belfast. Mit dem Nachbardorf Hilltown, etwa 4 km südlich, besteht eine historisch enge Verbindung.

GeschichteBearbeiten

Auf dem Hügel, über welchen der Ort sich heute erstreckt, befand sich einst der Hauptsitz der Familie Mac Aonghusa (anglisiert Magennis), der gälischen Herrscher von Uíbh Eachach (Iveagh). Sie beherrschten die Gegend seit 1136 und waren 1541 auch von König Heinrich VIII. mit diesem Lehen betraut worden.[3][4] Sie errichteten im späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert die Burg Rathfriland Castle, welche während der Rebellion von 1641 zerstört wurde. Der Ort selbst wurde erst danach gegründet. König Karl II. vergab das Lehen an Alderman Richard Hawkins aus London, welcher die Burgruine abtragen ließ, um Baumaterial zu gewinnen.[5] Daraus wurde unter anderem ein Gasthof errichtet, welcher heute noch an der Ecke The Square und Newry Street steht.[6]

Ab 1764 errichtete Theodosia Hawkins-Magill (später Theodosia Meade), an welche der Ort mittlerweile gefallen war, auf Empfehlung von Henry Waring ein Markthaus, um den Handel mit Leinen zu fördern. Das Vorhaben war nur mäßig erfolgreich, doch der Torfabbau bot den Einwohnern weiterhin eine Lebensgrundlage.[5] Auf Karten aus dem Jahr 1776 sind um den Ortskern bereits neue befestigte Wege und Wohnhäuser mit Gärten verzeichnet.

1831 umfasste der Ort 447 Gebäude an fünf größeren Straßen. 1834 berichtete der Gelehrte John O’Donovan von „30 Pubs im Ort“. Für 1841 werden 2.183 Einwohner und drei Kirchen angegeben. Im Markthaus fand ein Wochenmarkt sowie alle zwei Monate ein regionaler Markt statt. Auch die lokale und regionale Gerichtsbarkeit tagte im Markthaus. Eine Leinenmanufaktur war größter Arbeitgeber im Ort.[7][8]

Seit den frühen 2000er Jahren erlebt Rathfriland einen moderaten Aufschwung, welcher sich auch in steigenden Einwohnerzahlen niederschlägt. Die 1994 gegründete Rathfriland and District Regeneration Company hat daran erheblichen Anteil. Sie erreichte unter anderem an der Einrichtung einer Vorschule und öffentlicher Gemeinschaftsgärten. Auch die Umwandlung der denkmalgeschützten Kerzen- und Seifenfabrik (Chandler’s House) in ein Gemeindehaus mit mehreren Wohneinheiten geht auf sie zurück.[9]

NamensherkunftBearbeiten

Alte englische Dokumente schrieben den Ortsnamen häufig als Rathfylan oderr Rathfrilan.[10] Ältere irische Namensvarianten waren Corr an tSeanbhaile ('Hügel des alten Gehöfts') oder Corr an tSeanbhealaigh (‘Hügel der alten Straße‘). Im 19. und 20. Jahrhundert verwendete die irischsprachige Bevölkerung auch die Namen an Mullach (‘Die Anhöhe’) und Mullach Rátha Fraoileann (‘Die Anhöhe von Rathfryland’).

ReligionBearbeiten

Bei der Bevölkerungszählung 2011 gaben 55 Prozent der Bewohner an einer protestantischen Glaubensrichtung anzugehören, während 40 Prozent sich als katholisch identifizierten.[11] Im Ort gibt es 6 Kirchen:

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Rathfriland ist seit 2016 mit Armstrong in British Columbia, Kanada verpartnert. Die Partnerschaft geht auf Catherine O’Hare Schubert zurück, welche 1835 in Rathfriland geboren wurde und 1851/52 nach Amerika auswanderte. 1862 erreichte sie als erste weiße Frau British Columbia auf dem Landweg und wirkte von 1882 bis zu ihrem Tod 1918 bedeutend in Armstrong.[12]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Der Fußballverein Rathfriland Rangers F.C. spielt in der vierten Liga, welche die höchste Amateurliga Nordirlands ist.[13] Es existieren weitere Sportvereine für Fußball, Bowling und Angeln.

Reste der Südwand der alten Burg sind noch immer erhalten. 1977 wurde darin ein „unansehnlicher, [mittlerweile] stillgelegter“ Wasserturm errichtet.[14] Eine Freimaurerloge unterhält die 1891 von Alexander Whelan errichtete Rathfriland Masonic Hall.[15] Ebenso gibt es ein Verbindungshaus des Oranier-Ordens im Ort. Der Menhir von Barnmeen steht etwa 2 km westlich des Orts.

 
Die Markthalle von Rathfriland aus den 1760ern. Die beiden Anbauten links und rechts kamen 1951 hinzu.
 
Die Orange Hall von Rathfriland.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

MedienBearbeiten

Seit 1940 erscheint in Rathfriland The County Down Outlook, eine Wochenzeitung welche heute zur Alpha Newspaper Group gehört.[16]

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

In Rathfriland gibt es ein Bürgerzentrum mit Sporthalle und Fitnessstudio, eine öffentliche Bücherei, ein Postamt sowie ein Ärztehaus.

BildungBearbeiten

Im Ort gibt es zwei Grundschulen sowie seit 1961 eine weiterführende Schule:

  • Iveagh Primary School
  • St Mary’s Primary School
  • Rathfriland High School

VerkehrBearbeiten

Die Überlandstraße A25 verläuft durch den Ort und führt in Richtung Südwesten nach Newry sowie in Richtung Osten nach Castlewellan und Newcastle.

Von 1880 bis 1955 war Rathfriland über die nahe gelegene Ballyroney Railway Station an das Eisenbahnnetz angebunden.[17] Busse von Translink fahren mehrmals täglich von und nach Banbridge, Downpatrick, Newry und Newcastle.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Raymond Russell: Key Statistics for Settlements, Census 2011. In: Northern Ireland Assembly. 5. Oktober 2015, abgerufen am 1. August 2020 (englisch).
  2. M. Ó Mainnín, G. Toner: Place-Names of Northern Ireland Volume One. County Down I. Newry and South-West Down. Institute of Irish Studies, The Queen's University of Belfast, Belfast 1992, ISBN 0-85389-432-9, S. 126.
  3. Peter and Aidan Sands: Parish of Drumgath. In: The Diocese of Dromore Past and Present. Abgerufen am 1. August 2022 (englisch).
  4. John Patrick Montaño: The Roots of English Colonialism in Ireland. Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-19828-8, S. 345.
  5. a b Peter J. Rankin: Historic buildings, groups of buildings, areas of architectural importance in Rathfriland and Hilltown. Ulster Architectural Heritage Society, Belfast 1979, S. 6.
  6. Rathfriland, County Down. In: PlacenamesNI.org. Abgerufen am 29. Juli 2022 (englisch).
  7. Samuel Lewis: A topological dictionary of Ireland. Hrsg.: S. Lewis & Co. Volume 2. London 1837, S. 497 f.
  8. Charles Knight: The Imperial Cyclopaedia. Hrsg.: Charles Knight. Vol. I – The Geography of the British Empire. London 1850, S. 1020.
  9. Chandler's House renovation to revitalise Rathfriland’s village square. In: Architectural Heritage Fund. 5. Oktober 2021, abgerufen am 2. August 2022.
  10. Placenames Database of Ireland: Rathfriland/Ráth Fraoileann (see archival records)
  11. Census 2011 Population Statistics for Rathfriland Settlement. In: nisra.gov.uk. 2011, abgerufen am 1. August 2022 (englisch).
  12. Roger Knox: Armstrong extends Irish ties. In: Vernon Morning Star. 5. Oktober 2014, abgerufen am 2. August 2022 (englisch).
  13. Rathfriland Rangers. In: The Northern Amateur Football League. Abgerufen am 1. August 2022 (englisch).
  14. Inquiry into Building a United Community. In: Northern Ireland Assembly. 9. Oktober 2014, abgerufen am 2. August 2022 (englisch).
  15. Masonic Halls with Websites. In: Union Masonic Lodge No. 23. Abgerufen am 2. August 2022 (englisch).
  16. County Down Outlook, The. In: MediaLive. Abgerufen am 1. August 2022 (englisch).
  17. Irish Railways (pdf). In: railscot.co.uk. Abgerufen am 1. August 2022 (englisch).
  18. Jeannine Baker: Australian Women War Reporters: Boer War to Vietnam. NewSouth, 2015.