Raoul Retzer

österreichischer Schauspieler

Raoul Retzer (eigentlich Raoul Richard Karl Pollitzer, * 22. Mai 1919 in Wien; † 8. August 1974 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler.

LebenBearbeiten

Retzer stand bereits als Fünfjähriger auf der Bühne und spielte am Burgtheater und am Volkstheater. Nur zwei Jahre später, im Jahre 1926, gab er unter dem Pseudonym Janko seinen Einstand beim Film in Der Rastelbinder. Als Retzer 1929 zusammen mit seinem älteren Bruder, Kurt Retzer, für Karl Schönherrs Karrnerleut’ eine Kostümprobe absolvierte und dabei extemporierte, wurde ihm von sämtlichen Darstellern des Volkstheaters eine große Zukunft prophezeit.[1]

Während des gesamten Zweiten Weltkriegs war er Soldat. Danach setzte er seine Schauspielerlaufbahn als Erwachsener fort, zunächst im Salzburger Laterndl an der Stiege, Kabarett und Kleinkunstbühne (Itzlinger Hauptstraße 46), wo er ab dem Tag der Eröffnung, 25. Juli 1946, bis zur konkursbedingten Schließung im Oktober selben Jahres unter Erich Hüffel auf der Bühne stand. Zurück in Wien, trat über Jahre in der Revuebühne Casanova (Dorotheergasse 6–8) unter Oskar Posché auf, ab September 1950 im Simpl unter Martin Klein-Viggo.

Ab 1952 spielte Retzer beim Film. Oft ungenannt, fungierte er in einer immensen Anzahl von Klein- und Kleinstrollen, meist in Komödien unter der Regie von Franz Antel. Retzer verkörperte vor allem Knechte, Dienstmänner und Polizisten, manchmal Gauner. Er wirkte in ähnlicher Funktion auch in zahlreichen Fernsehfilmen und Serien mit. 1962 sorgte er am Rande der Dreharbeiten zu dem Film Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett für einen Eklat, als er während eines Festessens offenbar aus Eifersucht auf Harald Juhnke einschlug.[2]

Trotz sehr vieler Engagements beim Film, Fernsehen und Theater war Retzer im Moment seines Todes (dritter Herzinfarkt) so sehr verarmt, dass sein langjähriger Regisseur Antel unter den Kollegen für Retzers Beerdigung sammeln ging: 76 Spender stifteten insgesamt 23.350 Schilling.[3] – Raoul Retzer wurde auf dem Hütteldorfer Friedhof in Wien (1-G54) begraben.

FilmografieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 488.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hinter den Kulissen. (…) Zwei begabte Theaterkinder. In: Neues Wiener Journal, Nr. 12.693/1929 (XXXVII. Jahrgang), 24. März 1929, S. 28, Spalte 3 f. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj
  2. Franz Antel: Verdreht, verliebt, mein Leben. Almathea, Wien 2001, ISBN 3-85002-464-4, S. 141.
  3. profil, Nr. 5/1974.