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Ransomware

Computervirus mit Erpresserischen Absichten

Beispiel eines Erpresserschreibens bei Ransomware:

Your personal files are encrypted!

Your important files encryption produced on this computer: photos, videos, documents, etc. Here is a complete list of encrypted files, and you can personally verify this.

Encryption was produced using a unique public key RSA-2048 generated for this computer. To decrypt files you need to obtain the private key.

This single copy of the private key, which will allow you to decrypt the files, located on a secret server on the Internet; the server will destroy the key after a time specified in this window. After that, nobody and never will be able to restore files…

To obtain the private key for this computer, which will automatically decrypt files, you need to pay 300 USD / 300 EUR / similar amount in other currency.

Click Next to select the method of payment.

Any attempt to remove or damage this software will lead to immediate destruction of the private key by server.

Meldung des CryptoLockers

Ransomware (von englisch ransom für „Lösegeld“), auch Erpressungstrojaner, Erpressungssoftware, Kryptotrojaner oder Verschlüsselungstrojaner, sind Schadprogramme, mit deren Hilfe ein Eindringling den Zugriff des Computerinhabers auf Daten, deren Nutzung oder auf das ganze Computersystem verhindern kann. Dabei werden private Daten auf dem fremden Computer verschlüsselt oder der Zugriff auf sie verhindert, um für die Entschlüsselung oder Freigabe ein Lösegeld zu fordern.

Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus ransom, dem englischen Wort für Lösegeld, und ware, entsprechend dem für verschiedene Arten von Computerprogrammen üblichen Benennungsschema (Software, Malware etc.). Im zweiten Quartal 2012 gab es laut Kindsight Security etwa 123.000 neue Varianten.[1]

Inhaltsverzeichnis

HistorieBearbeiten

Die Idee geht auf das Jahr 1989 zurück, als der Schädling AIDS TROJAN DISK mit Hilfe einer infizierten Diskette Daten verschlüsselte. Der Virus behauptete, eine Lizenz sei abgelaufen, und nannte den Namen eines Unternehmens, bei dem der Lizenzschlüssel erworben werden kann. Das Vorgehen war somit nicht unmittelbar als Erpressung erkennbar. Der Autor dieses Schädlings, Joseph Popp, konnte überführt werden und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die er wegen einer psychischen Erkrankung jedoch nicht antreten konnte. Er kündigte an, das erpresste Geld an die AIDS-Forschung zu spenden. Einer der ersten Angreifer, der Ransomware zur Verbreitung über das Internet einsetzte, ist der Trojaner TROJ_PGPCODER.A, für dessen Entschlüsselung mehrere hundert US-Dollar gefordert wurden.

Im polizeilichen Kriminalitätsbericht des Landes Sachsen-Anhalt von 2011 wird ein Fall beispielhaft erwähnt. Ein Täter hatte 831 Computer in diesem Bundesland mit einer Erpressungssoftware infiziert.[2]

Inzwischen sind kostenpflichtige sowie kostenfreie Baukastensysteme, sogenannte Crimeware-Kits, in Untergrundforen aufgetaucht, mit deren Hilfe Ransomware erstellt werden kann.[3]

2016 ist der Kryptotrojaner Locky aufgetaucht, welcher zehntausende PCs und unter anderem das Fraunhofer-Institut in Bayreuth infizierte.[4] Der Tesla X3-Cryptovirus befiel im Februar 2016 u. a. Rechner des Rathauses in Rheine.[5] Vom 1. Dezember 2015 bis zum 29. Februar 2016 wurden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts 156 Anzeigen wegen Angriffen durch Ransomware erstattet, die Dunkelziffer wird weit darüber vermutet.[6] Betroffen waren 113 Firmen und Einrichtungen, unter denen sich etliche Kliniken sowie das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf befanden, welches im Dezember 2015 einen Angriff erlitt.[6][7]

Im März 2016 wurde KeRanger gefunden, eine Variante eines Kryptotrojaners für OS X.[8] Anfang Juni 2016 informierte das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie darüber, dass auch Smartphones durch Ransomware betroffen sein können, insbesondere falls diese mit Security-Apps versehen sind, die Sicherheitslücken enthalten, wie sie vom Fraunhofer-Institut in sämtlichen der sieben exemplarisch getesteten Anwendungen gefunden und dem jeweiligen Hersteller zur Behebung gemeldet wurden.[9]

Im Mai 2017 befiel WannaCry unter anderem mehrere global tätige große Unternehmen in sehr kurzer Zeit; es wurden über 230.000 Computer in 150 Ländern infiziert. Aufgrund dieser Ausmaße bezeichnete das Europäische Polizeiamt den Ausbruch als noch nie da gewesenes Ereignis. Neben der üblichen Verbreitung durch E-Mail-Anhang besitzt WannaCry Wurm-Eigenschaften und versucht, weitere Rechner über Sicherheitslücken in Betriebssystemen aktiv und ohne Nutzerzutun zu infizieren. Die auf aktuellem Update-Stand (April bei Microsoft) befindlichen Systeme seien nicht betroffen gewesen. Bestimmte Datei- und Druckerdienste müssen freigegeben sein, womit WannaCry die Ausbreitung vor allem in Unternehmens-internen Datennetzen mit teilweise lange fehlerbehafteten Rechnersystemen gelang.

Vorgehen der SchädlingeBearbeiten

Ransomware kann auf den gleichen Wegen wie ein Computervirus auf einen Computer gelangen. Zu diesen Wegen zählen präparierte E-Mail-Anhänge, die Ausnutzung von Sicherheitslücken in Webbrowsern oder über Datendienste wie Dropbox.

 
Screenshot der deutschsprachigen Version des Erpresserbriefs von Locky
 
Bildschirmfoto von Goldeneye Ransomware im Dezember 2016

So werden etwa E-Mails versandt, die vorgeben, eine im Anhang befindliche ZIP-Datei enthalte eine Rechnung oder einen Lieferschein über bestellte Ware.[3] Auch wird manchmal behauptet, das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, die GEMA oder Microsoft habe illegale Aktivitäten auf dem Computer festgestellt und diesen daraufhin gesperrt.[10]

Ein befallener Computer kann auf unterschiedliche Weise blockiert werden.

Blockade des SystemsBearbeiten

Einfachere und harmlosere Erpressungsversuche äußern sich nur in einem Hinweisfenster, das bei jedem regulären Systemstart erscheint und nicht geschlossen werden kann. Auch der Taskmanager wird blockiert. Unerfahrene PC-Benutzer wissen nicht, wie sie diese Blockade beenden können. Es scheint nur den Ausweg zu geben, das Lösegeld zu zahlen, indem beispielsweise eine Paysafecard oder Ukash-Karte gekauft wird.[11] Der Betrag wird dem Erpresser gutgeschrieben, indem man die Gutscheinnummer des Bezahlsystems am befallenen PC eingibt, wodurch sie dem Täter elektronisch mitgeteilt wird. Als weitere anonyme Bezahlmethode wird die Kryptowährung Bitcoin eingesetzt.

Verschlüsselung von DokumentenBearbeiten

Besonders bösartige Varianten der Ransomware haben ein größeres Schadpotenzial: Sie verschlüsseln Dateien auf dem Computer; vorzugsweise Dateien, für die anzunehmen ist, dass sie für den Besitzer des Computers sehr wichtig und möglicherweise unwiederbringlich sind. Auf Windows-Systemen beginnt Ransomware in der Regel daher im Ordner Eigene Dateien und bevorzugt dort mit Office-Anwendungen erstellte Dokumente, sowie u. a. auch E-Mails, Datenbanken, Archive und Fotos.[10] Ohne Entschlüssel-Passwort hat der Benutzer keinen Zugriff mehr auf ihre Inhalte. Im Gegensatz zu Spyware werden hier also keine großen Datenmengen verschoben.

Um die von der Ransomware verschlüsselten Daten wieder entschlüsseln zu können, wird der geschädigte Benutzer von dem Eindringling aufgefordert, ein Lösegeld zu bezahlen, damit er eine Software zur Entschlüsselung bzw. das benötigte Passwort erhalte. Mitunter wird er dazu zunächst zu einer gesonderten Kontaktaufnahme mit dem Ransomware-Erzeuger aufgefordert, beispielsweise per E-Mail an eine bestimmte E-Mail-Adresse, über den Aufruf einer bestimmten Webseite oder über eine Formularmaske. Häufig drohen die Kriminellen, dass bei einer Kontaktaufnahme mit der Polizei sämtliche Daten vernichtet würden.

Der befallene Computer kann durch die Schadsoftware noch weiter manipuliert und überwacht sein; er darf daher nicht für weitere Arbeiten, insbesondere nicht für Tätigkeiten, die ein Passwort benötigen, verwendet werden. Das Lösegeld vom betroffenen Rechner aus per Onlinebanking zu überweisen ist als grobe Fahrlässigkeit zu werten.

In einigen Fällen ist die Möglichkeit der Entschlüsselung der verschlüsselten Dateien von Seiten des Angreifers gar nicht vorgesehen, so dass diese Dateien unwiderruflich verloren sind, sofern keine Sicherheitskopie der verschlüsselten Dateien existiert.[10]

Schutz- und GegenmaßnahmenBearbeiten

Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI der Schweiz hat auf ihrer Website Empfehlungen für Privatnutzer sowie für Unternehmen veröffentlicht.[12] Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat eine Situationsanalyse veröffentlicht, in der auch umfangreiche Empfehlungen zu Schutz- und Gegenmaßnahmen aufgeführt sind, sowie die empfohlene Verhaltensweisen im eingetretenen Fall. Die Analyse richtet sich an professionelle Anwender und IT-Verantwortliche in Unternehmen, Behörden und anderen Institutionen.[13] Die Website No More Ransom ist eine Initiative der National High Tech Crime Unit der niederländischen Polizei, Europols europäischem Cybercrime Center und zwei Cyber Security-Unternehmen mit dem Ziel, Nutzer Ransomware zu erklären, ihnen Gegenmaßnahmen zu empfehlen, um eine Infektion wirksam zu verhindern, sowie Opfern von Ransomware bei der Entschlüsselung zu helfen.[14]

Ratschläge für BetroffeneBearbeiten

Erste Maßnahme beim Feststellen eines Befalls des Computers ist, den Computer sofort hart auszuschalten (nicht „Herunterfahren“, sondern vom Strom trennen!) - auch wenn das Ransomware-Fenster dies „verbietet“, damit möglichst viele noch nicht verschlüsselte Dateien unverschlüsselt bleiben. An einem anderen, nicht betroffenen Computer kann dann das weitere Vorgehen recherchiert werden.

Obwohl einer Umfrage 2010 zufolge rund ein Viertel der Opfer ein Lösegeld zahlen würde,[15] rät auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), nicht auf die Forderungen einzugehen. Selbst nach Bezahlung des Lösegelds sei nicht sicher, ob die Daten tatsächlich wieder entschlüsselt würden. Da zudem die Zahlungsbereitschaft des Opfers identifiziert würde, sind weitere Forderungen nicht auszuschließen. Bei einer Zahlung mittels Kreditkarte würden dem Täter darüber hinaus weitere private Informationen zugänglich. Es wird geraten, Anzeige zu erstatten.[16]

Bei den im Zeitraum 2011 bis Februar 2012 weit verbreiteten Schadprogrammen wurde zwar der Zugriff auf die Daten verhindert, es fand jedoch keine Verschlüsselung statt. Handelsübliche Antivirusprogramme konnten einige dieser Schädlinge entfernen. Dazu waren kostenlose Programme, beispielsweise Malwarebytes Anti-Malware oder Avira, ausreichend. Sämtliche Säuberungs-, Entschlüssel- und andere Maßnahmen sind von einem „sauberen System“ aus durchzuführen - niemals „aus dem betroffenen Betriebssystem selbst heraus“.

Teilweise gelingt es Sicherheitsforschern, Ransomware zu knacken und Entschlüsselungswerkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen die verschlüsselten Daten dann wieder entschlüsselt werden können. So ist es beispielsweise im Februar 2016 gelungen, die Verschlüsselung von TeslaCrypt 2 bis zur Version 2.2.0 zu brechen.[17][18] Im April 2016 wurde zeitweilig die Verschlüsselung des Erpressungstrojaners Petya (Version bis Dezember 2016) geknackt. Die Software hack-petya erzeugte einen Schlüssel, mit welchem die Daten wieder entschlüsselt werden konnten.[19]

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Ransomware – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. pc-gesund.de: Der PC Gesund Malware Report 2012: Zusammenfassung: Ransomware – die Malware-Innovation (Memento des Originals vom 22. November 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pc-gesund.de
  2. Ministerium für Inneres und Sport Sachsen-Anhalt Polizeiliche Kriminalstatistik 2011, Pressemitteilung Nr.: 015/2012, 27. Februar 2012
  3. a b PC-Welt Pocket: Erpresserviren aus dem Baukasten, 7/2012, S. 22
  4. Mehr als 5.000 Infektionen pro Stunde in Deutschland. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  5. Westfälische Nachrichten: Virus legt Rathaus in Rheine lahm, Westfalen, Rheine, mas, 2. März 2016
  6. a b Westfälische Nachrichten: Alarm im Internet: Landeskriminalamt warnt vor massiven Cyber-Attacken, Titelseite, Düsseldorf/Münster, Hilmar Riemenschneider, Elmar Ries, 9. März 2016
  7. Westfälische Nachrichten: Der Krieg der Hacker: Cyber-Erpressungen erleben einen neuen Boom / Auch im Münsterland finden die Kriminellen Opfer, Westfalen, Münsterland, Elmar Ries, 9. März 2016
  8. Neue OS X Ransomware KeRanger infiziert via Transmission BitTorrent Client Installer. Abgerufen am 6. März 2016.
  9. Westfälische Nachrichten: Sicherheits-Apps für Android-Geräte können Lücken haben, Service, dpa, 4. Juni 2016
  10. a b c PC-Welt Pocket: Die Erpresserviren kommen, Arne Arnold, Moritz Jäger, 7/2012, S. 24
  11. Heise: Bot erpresst Facebook-Nutzer, 19. Januar 2011
  12. Verschlüsselungstrojaner. In: melani.admin.ch, abgerufen am 30. August 2018.
  13. bsi.bund.de: Ransomware – Bedrohungslage, Prävention & Reaktion, 2016, abgerufen am 29. August 2018 (PDF).
  14. Website No More Ransome
  15. Gulli.com, Umfrage zu Ransomware: Rund ein Viertel würde Lösegeld zahlen, 17. Juli 2010
  16. Westfälische Nachrichten: Hilfe nach Erpressung mit Schadsoftware, dpa, 30. Mai 2016
  17. Dennis Schirrmacher: Verschlüsselungs-Trojaner TeslaCrypt 2 geknackt; Kriminelle rüsten nach. In: Heise Security. Heise Medien GmbH & Co. KG, 5. Februar 2016, abgerufen am 9. Februar 2016.
  18. Dennis Schirrmacher, Jürgen Schmidt: TeslaCrypt 2.0 entschlüsselt. In: Heise Security. Heise Medien GmbH & Co. KG, 5. Februar 2016, abgerufen am 9. Februar 2016.
  19. Helmut Martin-Jung: Erpressungs-Trojaner geknackt: Opfer bekommen Daten zurück. In: Sueddeutsche.de. 12. April 2016, abgerufen am 2. Februar 2018.