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Rainer Kirsch

deutscher Schriftsteller und Lyriker
Sarah und Rainer Kirsch, 1964 (Sarah links, Rainer in der Mitte)

Rainer Kirsch (* 17. Juli 1934 in Döbeln, Kreishauptmannschaft Leipzig; † 4. September 2015 in Berlin[1]) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

 
Das Grab in Berlin-Mitte im August 2016

Kirsch studierte nach seinem Abitur an der Klosterschule Roßleben seit 1953 Geschichte und Philosophie in Halle (Saale) und Jena. 1957 wurde er relegiert, 1958 aus der SED ausgeschlossen. Danach arbeitete er als Hilfsarbeiter in einer Druckerei, als Chemiearbeiter und in der Landwirtschaft.

Seit 1960 war er freischaffender Schriftsteller und veröffentlichte erste Gedichte. Von 1963 bis 1965 studierte er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Er gilt als ein Vertreter der Sächsischen Dichterschule.

1960 bis 1968 war er mit der Schriftstellerin Sarah Kirsch verheiratet. 1966 wurde er wegen seiner Werke in den Formalismusstreit einbezogen. 1973 wurde er nach Auseinandersetzungen um seine Gegenwartskomödie Heinrich Schlaghands Höllenfahrt zum zweiten Mal aus der SED ausgeschlossen.[2] Nach der friedlichen Revolution in der DDR wurde er 1990 Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, im selben Jahr auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Kirsch war außerdem Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste

Kirsch trat als Autor von Lyrik, Dramen, Erzählungen sowie mit Essays, Hörspielen und Kinderbüchern hervor. Zudem schuf er zahlreiche Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Russischen (Ossip Mandelstam, Anna Achmatowa, Sergei Jessenin, Wladimir Majakowski, Daniil Charms, Jewgeni Jewtuschenko, Wladimir Wyssozki, Maxim Gorki), dem Georgischen, dem Englischen (John Keats, Percy Bysshe Shelley) und dem Französischen (Molière, Edmond Rostand).

Familie

Der Bruder von Rainer Kirsch war der Altphilologe Wolfgang Kirsch (1938–2010), bis 1992 Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und verheiratet mit Gertraude Clemenz-Kirsch.[3]

WerkeBearbeiten

  • mit Sarah Kirsch: Berlin-Sonnenseite. Deutschlandtreffen der Jugend in der Hauptstadt der DDR Berlin 1964. mit Fotos von Thomas Billhardt. Neues Leben, Berlin (Ost), 1964.
  • mit Sarah Kirsch: Gespräch mit dem Saurier. Gedichte, mit farbigen Tafeln von Ronald Paris. Neues Leben, Berlin (Ost) 1965.
  • Heinrich Schlaghands Höllenfahrt. Komödie. Henschel, Berlin (Ost) 1973.[4]
  • Wenn ich mein rotes Mützchen hab. Kinderbuchverlag, Berlin (Ost) 1974.
  • Das Land Bum-Bum. Libretto zur Kinderoper von Georg Katzer. 1974.
  • Kopien nach Originalen. Drei Porträts & eine Reportage. (= RUB. 586). Reclam, Leipzig 1974; Lizenz-Ausgabe: Quartheft 40 bei Klaus Wagenbach, Berlin-West 1974; 2. veränderte Auflage (nachdem sich der porträtierte Logik-Professor Franz Loeser beim Ideologiechef im Politbüro der SED, Kurt Hager, über die „Verletzung noch näher zu bestimmender Rechtsgüter“ beschwert hatte und später aus der DDR ausgereist war, ersetzte ihn der Autor durch den Verhaltensforscher Günter Tembrock).[5]
  • Die Perlen der grünen Nixe. Ein mathematisches Märchen. mit Spielbeilage: Wer sagt zuerst „Hundert“. illustriert von Ruth Knorr. Junge Welt, Berlin (Ost) 1975. (6. Auflage. 1988, ISBN 3-7302-0396-7)
  • Das Wort und seine Strahlung. Über Poesie und ihre Übersetzung. Aufbau-Verlag, Berlin/ Weimar 1976.
  • Der Soldat und das Feuerzeug. Märchenkomödie für Erwachsene. illustriert von Lothar Scharsich. Eulenspiegel, Berlin (Ost) 1978.
  • Vom Räuberchen, dem Rock und dem Ziegenbock. Kinderbuchverlag, illustriert von Hans Ticha. Berlin (Ost) 1978.
  • Auszog das Fürchten zu lernen. Prosa, Gedichte, Komödie. Rowohlt Verlag, Reinbek 1978; auch in: Wolfgang Mieder (Hrsg.): Grimmige Märchen. Prosatexte von Ilse Aichinger bis Martin Walser. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-88323-608-X.
  • Amt des Dichters. Aufsätze, Rezensionen, Notizen 1964–1978. mit einem Frontispiz von Roger Melis. Hinstorff, Rostock 1979.
  • Ausflug machen. Gedichte. Hinstorff, Rostock 1980.
  • Der kleine lila Nebel. illustriert von Johannes K. G. Niedlich. Edition Holz im Kinderbuchverlag, Berlin (DDR) 1985.
  • Ordnung im Spiegel. Essays, Notizen, Gespräche. (= RUB. Band 1091). Reclam, Leipzig 1985. (2. Auflage. Reclam, Leipzig 1991, ISBN 3-379-00672-6)
  • Sauna oder die fernherwirkende Trübung. Erzählungen. Hinstorff, Rostock 1985.
  • Kunst in Mark Brandenburg. Gedichte. Hinstorff, Rostock 1988, ISBN 3-356-00151-5; Hanser, München 1989, ISBN 3-446-15361-6.
  • Anna Katarina oder Die Nacht am Moorbusch, eine sächsische Schauerballade nebst dreizehn sanften Liedern und einem tiefgründigen Gespräch. illustriert von Renate Totzke-Israel. Hinstorff, Rostock 1991, ISBN 3-356-00296-1.
  • Die Talare der Gottesgelehrten. Kleine Schriften. (= mdv Lindenblatt). Mitteldeutscher Verlag, Halle 1999, ISBN 3-932776-86-0.
  • Werke (Band I-IV). Eulenspiegel, Berlin 2004, ISBN 3-359-01494-4:
    • Band 1: Gedichte & Lieder.
    • Band 2: Erzählungen & Porträts.
    • Band 3: Stücke & Libretti.
    • Band 4: Essays & Gespräche.
  • Der Menschenfeind. Komödie von Molière, nachgedichtet von Rainer Kirsch. Eulenspiegel, Berlin 2009, ISBN 978-3-359-02221-3.
  • Werke (Band V-VIII). Eulenspiegel Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-359-01344-0:
    • Band 5: Nachdichtungen.
    • Band 6: Nachdichtungen.
    • Band 7: Stückübertragungen.
    • Band 8: Stückübertragungen.

HörbuchBearbeiten

HerausgeberBearbeiten

  • Rainer Kirsch (Hrsg.): Peter Hacks, Verehrter Kollege. Briefe an Schriftsteller. Eulenspiegel, Berlin 2006.

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Rainer Kirsch mit 81 Jahren gestorben. (Memento vom 4. September 2015 im Webarchiv archive.is)
  2. Roland Berbig (Hrsg.): Stille Post: inoffizielle Schriftstellerkontakte zwischen West und Ost. 2005, ISBN 3-86153-349-9, S. 384.
  3. Joachim Jahns: Die Kirschs oder Die Sicht der Dinge. Leipzig 2016, ISBN 978-3-928498-71-5.
  4. Rainer Kirsch: Heinrich Schlaghands Höllenfahrt. bei henschel-schauspiel.de (PDF) (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  5. Quellen: Rainer Kirsch. Kopie nach Original auf eckhard-ullrich.de; SED: Die meisten Genossen denken wie ich. In: Der Spiegel. 32/1984; u. a.