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Pussycat war eine niederländische Musikgruppe, die in den 1970er Jahren ihre größten Erfolge hatte.

Pussycat
Pussycat bei einer Preisverleihung 1977 (Conamus), v. l. n. r. Toni, Betty und Marianne Kowalczyk. Überreicht durch den Botschafter des Vereinigten Königreichs in Niederlande Sir John Barnes.
Pussycat bei einer Preisverleihung 1977 (Conamus), v. l. n. r. Toni, Betty und Marianne Kowalczyk. Überreicht durch den Botschafter des Vereinigten Königreichs in Niederlande Sir John Barnes.
Allgemeine Informationen
Herkunft Brunssum, Niederlande
Genre(s) Popmusik
Gründung 1975 (aus Sweet Reaction), 1986 als Anycat
Auflösung 1985, 1999
Website Offizielle Website von Pussycat (Memento vom 2. September 2010 im Internet Archive) (englisch)
Letzte Besetzung
Toni Willé (geb. Kowalczyk)
* 26. Juni 1953
Gesang
Betty Dragstra (geb. Kowalczyk)
* 23. Juni 1952
Gesang
Marianne Veldpaus (gesch. Hensen, geb. Kowalczyk)
* 16. Mai 1951
Ehemalige Mitglieder
Gitarre
John Theunissen (1973–1981; † 2015)
Gitarre
Lou Willé (1973–1985)
Schlagzeug
Theo Coumans (1973–1978)
Bassgitarre
Theo Wetzels (1973–1981)
Gitarre
Ferd Berger (1981–1985)
Schlagzeug
Frans Meijer (1981–1985)
Schlagzeug
Hans Lutjens (1978–1981)
Keyboard
Kees Buenen (1981–1985)
Toni Willé als Pussycat, August 2008 in Haldensleben

Inhaltsverzeichnis

Erste JahreBearbeiten

Pussycat entstand 1975 aus der Formation Sweet Reaction mit den drei Schwestern Toni, Betty und Marianne Kowalczyk aus Brunssum in der Provinz Limburg.

Die Schwestern verloren schon sehr früh ihren Vater durch einen Lymphtumor. Die Mutter, Marie Verheijen, heiratete drei Jahre später den polnischen Bergarbeiter Stefan Kowalczyk, der die Kinder adoptierte. „Papa Kowalczyk war ein echter Vater für uns. Er verwöhnte uns alle.“, sagte später seine Tochter Betty. Der Stiefvater förderte das musikalische Talent der Töchter. Zu Sinterklaas kaufte er ihnen akustische Gitarren und bestellte einen Gitarrenlehrer. Kurz darauf traten sie zu Karneval, Partys und Talentwettbewerben als De Zingende Zusjes (die singenden Schwestern) auf. Ihr Repertoire beinhaltete zunächst vornehmlich deutsche Schlager, die auch in Holland beliebt waren. Wenige Jahre später machte sie der Gitarrenlehrer mit dem 18-jährigen Werner Theunissen bekannt, einem Gitarristen der Band The Entertainers, den er über eine Zeitungsanzeige kennengelernt hatte.[1]

Der Mode der 1960er Jahre folgend nannten sich die zu Teenagern herangereiften Schwestern die BG's From Holland, wobei das BG für Beat Girls stehen soll, aber phonetisch gewollt an die zu jener Zeit erfolgreichen Bee Gees erinnert. Sie interpretieren auch Songs der Bee Gees und Stücke der Motown-Musik in einem guten Close-Harmony-Gesang. Ihr Mentor Werner Theunissen schrieb Lieder für sie, beispielsweise Bitte, bitte, liebe mich. Parallel arbeiteten sie in ihren bürgerlichen Berufen, so als Bürokräfte bei der Heerlener Firma DSM.

Toni lernte zu Beginn der 1970er Jahre den Gitarristen Lou Willé kennen, der mit seinen Brüdern die Formation Ricky Rendall and His Centurions bildete. Kurz darauf heirateten sie und Lou entschloss sich fortan, mit den Schwestern, Werner Theunissen und weiteren Musikern (unter anderem von der Gruppe Scum) die Band Sweet Reaction zu gründen. Es wurden drei Singles produziert, die aber kaum erfolgreich waren. Gleichwohl klang in den Stücken Daddy oder Tell Alain bereits der spätere typische Pussycat-Sound durch. Diese Titel blieben auch später im Repertoire der Sängerinnen.

PussycatBearbeiten

Werner Theunissen schrieb weitere Lieder, die mehr und mehr den Gesang der drei Mädchen hervorhoben, nutzte aber auch älteres Material, das noch nie veröffentlicht wurde. So schrieb er das berühmte Lied Mississippi bereits im Jahr 1969, inspiriert von dem Lied Massachusetts der zu dieser Zeit sehr erfolgreichen australischen Gruppe Bee Gees. Da es ein schwermütiges Lied war, das von der Trauer über die leise verklingende, dem modernen Rock ’n’ Roll weichende, Country-Musik handelt, musste er einige Jahre warten, bis er die idealen Interpreten dafür gefunden hatte.

Mit der Gründung der Formation Sweet Reaction legte Theunissen das musikalische Fundament, um dem Song einige Jahre später doch noch zur Geltung zu verhelfen. So sandte die Band ein Demotape mit drei Liedern an die größte Plattenfirma in den Niederlanden, die EMI/Bovema in Heemstede. Der Verlag schloss mit ihr einen Vertrag. Eddy Hilberts wurde ihr Produzent und die Band änderte ihren Namen in „Pussycat“. Im April 1975 wurde Mississippi als Single veröffentlicht und zum größten internationalen Erfolg für Pussycat.[1] Die jungen Frauen gaben ihre Berufe auf und widmeten sich fortan nur noch der Musik. Der Titel erreichte in vielen Ländern die Charts, wurde mit verändertem Text auch auf Deutsch aufgenommen und später von anderen Interpreten gecovert. Die Nachfolgesingles Georgie, Smile oder My Broken Souvenirs erreichten in den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien ebenfalls höhere Chartpositionen.

Bis 1983 wurden weitere Singles und Alben produziert. Da es für die Clubbesitzer und Konzertmanager billiger war, die Begleitmusik als Backing Track vom Band laufen zu lassen und die Tourneen mit zahlreichen Musikern viel Geld kosteten, trennten sich die Schwestern von ihrer Begleitband und traten nur noch zu Dritt auf. 1985 löste sich das Trio auf.

Nach der AuflösungBearbeiten

Marianne führte in Brunssum für einige Jahre eine Kneipe.[1] Lou Willé, geschieden von Toni, ist noch heute Musiker. Toni Willé trat als Solistin auf.

Von 1986 bis 1999 traten die Bandmitglieder gelegentlich als „Anycat“ auf. Danach zogen sich Marianne Hensen (heute Veldpaus) und Betty Dragstra vollständig ins Privatleben zurück.

2007 brachte der niederländische Schlagersänger Dennis Jones alle drei noch einmal als Backgroundsängerinnen für eine niederländische Schlagerversion von Mississippi (im Reggaestil) zusammen. Dies war das erste Mal, dass Pussycat ihr Erfolgslied auch in ihrer Muttersprache sangen.[2]

Die Frontfrau von Pussycat, Toni Willé (bürgerlich Antonia Johanna Cornelia), arbeitete als Solistin weiter und veröffentlichte in den Niederlanden mehrere Alben, vor allem Countrymusik. Sie sang 2001 Duette mit Benny Neyman und hat bis heute als „Toni Willé“ Auftritte, oft in Deutschland. Bei Oldieveranstaltungen tritt sie mit zwei Backgroundsängerinnen unter dem Namen „Pussycat“ auf. Eine der Begleitsängerinnen ist meistens ihre Tochter Kimberly. 2013 gastierte sie mit Mississippi im ZDF-Fernsehgarten.

Ihr Entdecker, Songschreiber und Begleiter Werner Theunissen, starb am 18. Januar 2010 in einem englischen Restaurant an einem Herzinfarkt. Den letzten Song vor seinem Tode (Impressions) schrieb er für Toni Willé, die ihn im November 2012 auf ihrer Single Impressions – Dedicated to Werner Theunissen veröffentlichte.

Der Gitarrist John Theunissen, der nicht mit Werner Theunissen verwandt war, starb am 19. November 2015 im Alter von 66 Jahren.[3]

DiskografieBearbeiten

AlbenBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[4] Anmerkungen
Deutschland  DE Niederlande  NL
1976 First of All
10
(46 Wo.)
4
 Platin

(21 Wo.)
Erstveröffentlichung: April 1976
Produzent: Eddy Hilberts
1977 Souvenirs
28
(8 Wo.)
6
 Gold

(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1977
Produzent: Eddy Hilberts
1978 Wet Day in September
300! 16
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1978
Produzent: Eddy Hilberts
1981 Blue Lights
300! 10
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juni 1981
Produzent: Pim Koopman

Weitere Alben

  • 1979: Simply to Be with You
  • 1983: After All

KompilationenBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[4] Anmerkungen
Deutschland  DE Niederlande  NL
1994 The Collection & More
300! 60
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1994
2001 25 jaar na Mississippi
300! 26
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2001
2 CDs
2015 The Golden Years of Dutch Pop Music
300! 72
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1994

Weitere Kompilationen

  • 1979: The Best of Pussycat
  • 1982: Collection
  • 1983: Het Beste van Pussycat
  • 1987: Mississippi
  • 1991: De Hits van Pussycat
  • 1995: Good for Gold
  • 1996: The Very Best of Pussycat Featuring Toni Willé (feat. Toni Willé)
  • 1997: 2 in 1 (2 CDs)
  • 2004: The Greatest Hits
  • 2004: The Complete Collection (Box mit 3 CDs und DVD)
  • 2009: Alle 40 goed (2 CDs)

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[4] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Niederlande  NL
1975 Mississippi
First of All
1
 Gold

(32 Wo.)
4
(32 Wo.)
1
(21 Wo.)
1
 Gold

(21 Wo.)
1
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1975
1976 Georgie
First of All
6
(24 Wo.)
2
(28 Wo.)
2
(16 Wo.)
300! 4
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 1976
Mississippi (deutsch)
24
(8 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: März 1976
Smile
First of All
9
(27 Wo.)
10
(16 Wo.)
8
(12 Wo.)
24
(7 Wo.)
2
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1976
1977 Ein altes Lied (Smile)
41
(2 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: Dezember 1976
My Broken Souvenirs
Souvenirs
22
(10 Wo.)
12
(8 Wo.)
7
(8 Wo.)
300! 1
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1977
I’ll Be Your Woman
Souvenirs
300! 300! 300! 300! 11
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1977
If You Ever Come to Amsterdam
Wet Day in September
300! 300! 300! 300! 20
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1977
1978 Same Old Song
Wet Day in September
300! 300! 300! 300! 10
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1978
Wet Day in September
Wet Day in September
300! 300! 300! 300! 7
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juli 1978
Hey Joe
Wet Day in September
300! 300! 300! 300! 21
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1978
1979 Daddy
Simply to Be with You
300! 300! 300! 300! 14
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1979
1980 Doin’ La Bamba!
Simply to Be with You
300! 300! 300! 300! 6
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juli 1980
1981 Then the Music Stopped
Blue Lights
300! 300! 300! 300! 11
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: April 1981
Une chambre pour la nuit
Blue Lights
300! 300! 300! 300! 25
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juli 1981
Teenage Queenie
Blue Lights
47
(11 Wo.)
300! 300! 300! 36
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1981
1983 Lovers of a Kind
After All
300! 300! 300! 300! 15
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 1983

Weitere Singles

  • 1970: Come Back My Dream (als Sweet Reaction)
  • 1971: Tell Alain (als Sweet Reaction)
  • 1975: Daddy / Tell Alain (als Sweet Reaction)
  • 1977: Daddy / It’s Long Ago (als Sweet Reaction)
  • 1976: Georgie (deutsch)
  • 1977: Abschiedssouvenir
  • 1979: Let Freedom Range (Tribute to Martin Luther King)
  • 1982: Take a Look at Me
  • 1983: Chicano
  • 1983: Roll On Sweet Mississippi (nur Promo)
  • 1983: Chez-Louis (nur Promo)
  • 1984: Light of a Gipsy

StatistikBearbeiten

ChartauswertungBearbeiten

Deutschland  DE Niederlande  NL
Nummer-eins-Alben
Top-10-Alben 1 2
Alben in den Charts 3 6
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Niederlande  NL
Nummer-eins-Singles 1 1 1 2
Top-10-Singles 3 3 4 2 5
Singles in den Charts 7 4 4 2 15

Auszeichnungen für MusikverkäufeBearbeiten

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/Region   Gold   Platin Verkäufe Quellen
Deutschland  Deutschland (BVMI) 1 0! P 250.000 musikindustrie.de
Niederlande  Niederlande (NVPI) 1 1 150.000 nvpi.nl
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich (BPI) 1 0! P 500.000 bpi.co.uk
Insgesamt 3 1

QuellenBearbeiten

  1. a b c Pussycat Biografie. NPO 3FM, abgerufen am 17. Mai 2015 (niederländisch).
  2. Zanger DENNIS JONES brengt PUSSYCAT weer even bij elkaar. In: Mega-Media.nl. Perfect&More, 11. Juli 2007, abgerufen am 26. Juni 2015 (niederländisch).
  3. Pussycat-gitarist John Theunissen (66) overleden. In: show.nl. 24. November 2015, abgerufen am 27. November 2015 (niederländisch).
  4. a b c Chartquellen: Singles DE, AT, CH UK NL / Alben DE NL

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pussycat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien