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Die Schleuse in Prösen

Prösen ist die größte Ortschaft der Gemeinde Röderland im Landkreis Elbe-Elster im Süden des Landes Brandenburg.

Die Ortschaft Prösen hat etwa 1900 Einwohner.[1] Sie liegt unmittelbar an der Bahnstrecke Zeithain–Elsterwerda und nahe der Bahnstrecke Berlin–Dresden, sowie den Bundesstraßen 101 und 169. Den Ort durchfließt der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal.

GeschichteBearbeiten

 
Prösen

Bereits im 3./4. Jahrhundert existierte eine größere germanische Siedlung im Bereich der heutigen Prösener Eigenheimsiedlung „Am Fuchsberg“. Während mehrmonatiger archäologischer Ausgrabungen in den Jahren 1999 und 2000 wurden Reste von Lang- und Grubenhäusern, Pfostenreihen, von Brunnen und Abfallgruben freigelegt. Das Fundmaterial umfasst Keramik, darunter Drehscheibenware sowie die Nachbildung eines römischen Glasgefäßes, bronzene Fibeln, eine römische Münze und Eisenschlacke.[2][3][4][5]

Prösen wurde im Jahre 1140 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name ist vermutlich abgeleitet aus dem slawischen „Brasa“ (die Birke).[6] Die Bewohner betrieben im Wesentlichen Ackerbau.

1835 wurde der Ort von einem Feuer zum größten Teil zerstört. Zu dieser Zeit zählte das Dorf 62 Wohnhäuser mit 134 Einwohnern. An Vieh wurden 39 Pferde, 333 Stück Rindvieh, 2 Ziegen und 52 Schweine gezählt.[7]

Die Prösener Schule ist die älteste in der Parochie Stolzenhain. Mit Beginn der Industrialisierung arbeiten viele Einwohner in den Fabriken von Elsterwerda und im Eisenwerk Gröditz. Der Ort liegt am linken Ufer des Floßkanals und an den Bahnstrecken Elsterwerda–Dresden und Riesa–Elsterwerda, an deren Verlauf ein Haltepunkt mit Stückgutverkehr eingerichtet wurde. Deshalb konnte sich auch in Prösen eine Metallgießerei, eine Schlosserei, eine Fabrik zur Herstellung von Landmaschinen sowie eine elektrische Mühle etablieren.

Die Kirche in der Mitte des langgestreckten Ortes wurde 1751 erbaut. 1539 wird eine Kapelle erwähnt. 1903 bekam Prösen einen eigenen Pfarrer und bildete eine eigene Parochie.[8] 1912 wurde die erste Hochspannungsleitung Europas entlang dem Elsterwerda-Grödel-Floßkanal erbaut und in Betrieb genommen.

Am 26. Oktober 2003 schloss sich Prösen mit fünf weiteren bis dahin eigenständigen Gemeinden des Amts Röderland zur neuen Gemeinde Röderland zusammen.[9] Prösen ist heute der größte Ortsteil der Gemeinde und zugleich deren Verwaltungssitz.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung von Prösen ab 1875 bis 2002[10]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 800 1946 3304 1989 2510 1995 2353 2001 2271
1890 800 1950 3126 1990 2475 1996 2374 2002 2257
1910 1000 1964 2777 1991 2395 1997 2350
1925 1656 1971 2846 1992 2351 1998 2334
1933 2204 1981 2595 1993 2371 1999 2307
1939 2650 1985 2578 1994 2365 2000 2299

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das gesellschaftliche Leben der Ortschaft wird in erster Linie von den ortsansässigen Vereinen (Heimatverein Großenhainer Straße e. V., Ortsfeuerwehrverein Prösen, Sportverein 1919 Prösen,[11] Kleintierzüchterverein) geprägt. Alljährlich werden sowohl ein Dorffest als auch ein Sportfest veranstaltet.

WirtschaftBearbeiten

Im Ort haben sich einige Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Betriebe angesiedelt. Prösen ist Sitz der ALGATEC Solar AG, einem mittelständischen Unternehmen, das Solarmodule aus kristallinen Zellen fertigt. Für das Jahr 2009 ist eine erhebliche Erweiterung der Produktionskapazität auf 175 MW geplant; außerdem ist die Schaffung von weiteren 190 Arbeitsplätzen angekündigt. Am 1. Oktober 2009 übernahm die AG die Aktienmehrheit der börsennotierten Sunline Solar AG im bayrischen Fürth. Das 1985 gegründete Unternehmen, welches Insolvenz anmeldete, gilt als einer der Pioniere der deutschen Solarbranche.[12]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Reinhard Höppner (1948–2014), Politiker und Autor, Sohn des Dorfpfarrers Franz Höppner
 
Ralf Minge (Bildmitte) in einem Spiel gegen Hansa Rostock 1989

Fußnoten und EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ortsteilseite der Gemeinde Röderland, abgerufen am 27. April 2015
  2. Rainer Mülling: Parzelle für Parzelle erforscht : neues von der spätgermanischen Siedlung in Prösen, Landkreis Elbe-Elster. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2000. Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte und dem Archäologischen Landesamt Berlin. Stuttgart 1999, S. 80–81.
  3. Dirk Westendorf: Eine kaiserliche Siedlung von Prösen, Landkreis Elbe-Elster. In: Einsichten. Archäologische Beiträge für den Süden des Landes Brandenburg 1999. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Wünsdorf 2000, DNB 95916314X.
  4. Dirk Westendorf: Die Kleinfunde der Rettungsgrabung 1999 auf der germanischen Siedlung am "Fuchsberg" in Prösen, Landkreis Elbe-Elster. In: Einsichten. Archäologische Beiträge für den Süden des Landes Brandenburg 2000. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Wünsdorf 2001, ISBN 3-910011-22-5.
  5. Susanne Hanik: Tierknochen der germanischen Siedlung in Prösen, Landkreis Elbe-Elster. In: Einsichten. Archäologische Beiträge für den Süden des Landes Brandenburg 2000. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Wünsdorf 2001, ISBN 3-910011-22-5.
  6. Emilia Crome: Die Ortsnamen des Kreises Bad Liebenwerda. Akademie-Verlag, Berlin 1968, DNB 456303359.
  7. Übersicht der Bevölkerung und des Viehstandes im Jahre 1835. In: Die Schwarze Elster - Unsere Heimat in Wort und Bild. Bad Liebenwerda Nr. 596, 1985, S. 8–10.
  8. O. Bornschein, O. F. Gandert: Heimatkunde für den Kreis Liebenwerda. Verlag C. Ziehlke, 1929, DNB 572768133.
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  10. Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg Online als PDF-Datei
  11. Vereins-Homepage des Sportvereins 1919
  12. Lausitzer Rundschau. 7. Oktober 2009, S. 9.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Prösen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 26′ N, 13° 30′ O