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Phokis

historische Landschaft in Griechenland
Lage von Phokis in Griechenland
Phokis in der Antike

Phokis (altgriechisch Φωκίς) ist eine Gebirgslandschaft in Mittelgriechenland. Sie hatte eine Fläche von ca. 1615 km². Da Phokis nicht reich an natürlichen Ressourcen war, rührte seine Bedeutung in der Antike vorwiegend von religiösen Faktoren her: dem Orakel von Delphi und dem Orakelheiligtum des Apollon in Abai.

GeographieBearbeiten

Phokis befindet sich in der Mitte des südlichen Festlands von Griechenland und wird im Süden vom Ostteil des Golf von Korinth begrenzt. Im Westen grenzte die Landschaften Lokris und Doris an, im Norden Lokris und im Osten Boiotien.

Landschaftlich wird Phokis dominiert durch die hohen Gebirgszüge des Giona (Höhe bis zu 2.510 m über N.N.) und des Parnass (Parnassos; Höhe 2.455 m über N.N.). Das Parnassos-Massiv teilt Phokis in zwei Teile. Der Süden und Osten sind ohne Waldbewuchs und vorwiegend steinig und felsig im Charakter. Das Tal, welches vom Golf von Korinth und der Kleinstadt Itea nach Norden nach Amfissa zieht, ist dagegen durchgängig landwirtschaftlich genutzt. Grün- und Waldflächen finden sich in Phokis’ Westen, Norden und im zentralen Teil.

GeschichteBearbeiten

 
Theater von Delphi
 
Apollo-Tempel in Delphi
 
Hafen von Galaxidi
 
Das Parnassos-Gebirge (rechts) und das Giona-Gebirge (links) von der Peloponnes aus gesehen
 
Diobol aus Phokis, Stierkopf, ca. 450 v. Chr. geprägt

Frühgeschichte bis zu den PerserkriegenBearbeiten

Die ältesten Einwohner der antiken Landschaft waren die Leleger. Ihnen folgten die Äolier nach. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden die Bewohner der antiken Landschaft Phokis als Phoker bezeichnet. Ihre erste Erwähnung als Stamm finden die Phoker bei Homer in dessen Schiffskatalog. Die Phoker bauten in ihrem Gebiet einige Städte. Die bedeutendsten waren: Delphi mit dem gleichnamigen Orakel von Delphi, Abai, Elateia, Amphissa, Antikyrrha, Krissa, Daulis, Lilaia, Hyampolis und andere. Die Städte schlossen sich am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. zum Phokischen Bund zusammen.

Bereits zwischen 600 und 592 v. Chr. war Phokis Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Die phokische Stadt Krissa hatte Pilgerscharen des Orakels von Delphi widerrechtlich Wegezoll abverlangt und damit den Zugang zum Heiligtum erschwert, was Kleisthenes von Sikyon in Korinthia, thessalische Kämpfer sowie auch Athen zum Anlass nahmen den ersten Heiligen Krieg gegen die Krissa zu führen. Der Krieg endete mit der Zerstörung Krissas 592 v. Chr.

Klassisch-griechische Zeit bis zum Peloponnesischen KriegBearbeiten

Während der persischen Invasion Griechenlands 480 v. Chr. beteiligten sich die Bewohner von Phokis an der Verteidigung Griechenlands. Auf Anstiftung der Thessalier wurde die Landschaft zunächst durch die Perser unter Xerxes I. heimgesucht, was zu einem Bündnis der Phoker mit Athen führte. Ihr Verhalten bei der Schlacht am Thermopylen-Pass führte zu einer Auflösung des Bündnisses mit Athen. Bei der Schlacht von Platää waren die Phoker auf Seiten der Perser zu finden.

457 v. Chr. versuchten die Bewohner von Phokis ihren Machtbereich in das dorische Territorium am Oberlauf des Kephisos mit dessen Hauptstadt Theben (Böotien) auszudehnen. Theben bat daraufhin Sparta um militärischen Beistand gegen den phokischen Angriff. Diesem Aufruf folgte Sparta und fiel in Phokis ein, um das Kernland der Dorer zu verteidigen und das Orakel von Delphi zu schützen. Zunächst konnten die Spartaner unter ihrem Anführer Nikomedes die Phoker bezwingen. Die Allianz zwischen Theben und Sparta veranlasste allerdings Athen zum militärischen Eingreifen, so dass der Konflikt sich zum Ersten Peloponnesischen Krieg zwischen 457 und 445 v. Chr. auswuchs. Zunächst blockierte Athen die Rückzugsmöglichkeit der Spartaner über den Golf von Korinth, was Nikomedes mit einem Zug nach Böotien beantwortete. In Böotien unterlagen die Athener 457 v. Chr. zunächst den Spartanern bei der Schlacht von Tanagra. Lediglich zwei Monate später unterlag das böotische Heer Athen in der Schlacht von Oinophyta und wurde vorläufig von Athen kontrolliert. Der Konflikt mit Sparta schwelte jedoch weiter. Bei einer erneuten Expedition gelang den Spartanern 448 v. Chr. die Einnahme von Delphi. Kurze Zeit später konnten die Phoker nach dem Abzug des spartanisches Heeres Delphi besetzen, wobei sie die militärische Unterstützung Athens in Anspruch nahmen. Der unterdessen entstandene Böotische Bund forderte Athen heraus und schlug die Athener bei der Schlacht von Koroneia 447 v. Chr. Die Niederlage Athens bewirkte einen Allianzwechsel der Phoker von Athen zu Sparta.

Zum Zeitpunkt des Beginns des Zweiten Peloponnesischen Kriegs (431 bis 404 v. Chr.) waren die Phoker wieder auf der Seite Spartas zu finden. Die Kontrolle über Delphi verloren sie im gleichen Zeitraum.

Geschichte im 4. Jahrhundert v. Chr. bis zur Eroberung Griechenlands durch Philipp II. von MakedonienBearbeiten

Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde Phokis permanent durch den Nachbarn aus Böotien unter der Hegemonie Thebens bedroht. Nachdem die Phoker den Spartanern bei der Invasion Böotiens im Rahmen des Korinthischen Krieges 394 v. Chr. behilflich waren, gerieten die Phoker im weiteren Verlauf trotz ihrer Allianz mit Sparta und dessen Hilfestellung in die Defensive gegenüber der zunehmenden Macht Thebens und ordneten sich letztendlich dessen Hegemonie unter. Truppen aus Phokis nahmen an den militärischen Expeditionen der Thebaner unter Epaminondas auf die Peloponnes teil. Auch bei der Schlacht von Leuktra 371 v. Chr. kämpften die Phoker auf Seiten der Thebaner gegen Sparta und gewannen mit diesen. An der entscheidenden Schlacht von Mantineia 362 v. Chr. beteiligten sich die Phoker jedoch nicht. Die Thebaner warfen den Phokern 356 v. Chr. die widerrechtliche landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes der im Ersten Heiligen Krieg zerstörten Stadt Krissa vor. Sie benutzten dabei die amphyktionische Liga zum Zwecke der Beseitigung des rivalisierenden und angrenzenden Phokischen Bundes, da neben der widerrechtlichen Nutzung des Gebietes der Stadt Krissa auch eine Grenzverletzung gegenüber dem Nachbarn Böotien diskutiert wurde. Die Thebaner erhielten das Einverständnis der amphyktonischen Liga zum Dritten Heiligen Krieg 356 v. Chr. gegen die Phoker. Die Phoker waren trotz der militärischen Macht Thebens nicht zu bezwingen und raubten zunächst den umfangreichen Tempelschatz von Delphi, bevor sie Delphi thebanischer Kontrolle überlassen mussten. Unter der Führung zweier fähiger Generäle (Philomelos von Ledon und Onomarchos) und einer Söldnertruppe eroberten die Phoker im weiteren Verlauf Delphi von den Thebanern zurück und trugen anschließend den Krieg sogar nach Böotien hinein. Auch Thessalien wurde von der Phokischen Liga überfallen; der Überfall wurde aber von Truppen des makedonischen Königs Philipp II. nach anfänglichen Niederlagen und zwischenzeitlichem Rückzug der makedonischen Truppen 352 v. Chr. bei der Schlacht auf dem Krokusfeld zurückgeschlagen. Die Phoker verloren in dieser Schlacht ihren Feldherren Onomarchos und erlitten eine schwere Niederlage. Dennoch konnten sie sich über insgesamt zehn weitere Jahre unabhängig halten und Widerstand gegen die Ausdehnung Makedoniens unter Philipp II. leisten. Nach Erschöpfung der finanziellen Reserven konnten sie der militärischen Expansion Philipps II. von Makedonien nichts mehr entgegensetzen und unterstellten sich 346 v. Chr. dessen Herrschaft (zugleich Ende des Zweiten Heiligen Krieges). Die Stadt Hyampolis wurde im Rahmen der Eroberung von Philipp II. zerstört. Dieser zwang die Phoker zur Wiederherstellung des Tempelschatzes von Delphi sowie zur Umsiedlung und Zerstreuung der Bevölkerung auf kleine Dörfer. Der Platz der Phoker in der Amphiktyonischen Liga ging verloren, die Makedonen wurden anstelle der Phoker in diese aufgenommen.

Die von Philipp II. auferlegten Bedingungen, darunter auch die Zahlung von 10.000 Talenten an den Tempelschatz von Delphi, wurden nachfolgend schnell unterlaufen. 339 v. Chr. wurde Amphissa (Amfissa), die Hauptstadt der Phokis, der Verletzung des Tempelgebietes von Delphi beschuldigt; erneut wurde die widerrechtliche Nutzung des Gebietes der ehemaligen Stadt Krissa beklagt. Die amphyktonische Liga beauftrage Philipp II. von Makedonien darauf hin mit dem Vierten Heiligen Krieg. Nach der Einnahme von Elatea im Norden Phokis sahen Athen und Theben ihre Interessen durch Philipp II. bedroht und stellten sich an die Seite der Phoker gegen die Makedonier. Die Entscheidung in diesem Kampf um die Hegemonie in Griechenland fiel 338 v. Chr. bei der Schlacht von Chaironeia. Die Phoker kämpften auf Seiten der griechischen Stadtstaaten unter Athen und Theben und verloren die Schlacht. 338 v. Chr. endete der Vierte Heilige Krieg auf dem Gebiet von Phokis mit der Niederlage der Phoker. Amphissa und Naupaktos (heute: Nafpaktos) wurden zerstört, Phokis kam unter die Herrschaft des Königreichs Makedonien.

Hellenistische ÄraBearbeiten

323 v. Chr. beteiligten sich die Phoker am Lamischen Krieg gegen den makedonischen Statthalter Antipater und verloren diesen mit den anderen griechischen Stadtstaaten. 313 v. Chr. eroberte Antigonos I. aus dem Diadochenreich Phygrien Phokis von Kassander im Rahmen der Diadochenkriege. Anschließend fiel Phokis an Kassander zurück, bis dieser 305 v. Chr. einem Bündnis von Athen und den Aitolern bei Elateia unterlag.

Der 370 v. Chr. gegründete Aitolische Bund im Westen von Phokis expandierte ab Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. auch nach Osten in die Landschaft Phokis. 290 v. Chr. gewann er zeitweilig die Kontrolle über Delphi und die Phoker. Diese vermochten die Herrschaft des Aitolischen Bundes im weiteren Verlauf abzuschütteln. Sie verteidigen sich 279 v. Chr. mit anderen Griechen beim Thermopylen-Pass gegen den Einfall der Kelten (Galater). Bei der nachfolgenden Schlacht bei Delphi beteiligten sich die Phoker auf Seiten der Griechen gegen die Kelten und gewannen die Auseinandersetzung. In Anerkennung ihres Beitrags wurden die Phoker in die amphyktionische Liga wiederaufgenommen.

Von den Auswirkungen des Ersten Makedonisch-Römischen Kriegs, den die Römische Republik gegen König Philipp V. von Makedonien führte, war auch Phokis betroffen. Der römische Feldherr Marcus Valerius Laevinus segelte 211 v. Chr. mit einem Geschwader nach Antikyra, nahm diese Stadt ein und unterstellte sie der Herrschaft der Aitoler.[1] Aber schon innerhalb von zwei Jahren fiel sie wieder an Phokis. Auf Beschwerden der Bürger von Abai, dass der makedonische Kommandant Herakleidas das heilige Land des Apollon zu Steuerleistungen verpflichtet habe, sagte ihnen Philipp V. Exemtion von solchen Abgaben zu.[2] 208 v. Chr. begab sich Polyphantos auf Befehl des makedonischen Königs mit Hilfstruppen nach Phokis.[3]

Nachdem König Attalos I. von Pergamon und dem römischen Feldherrn Publius Sulpicius Galba Maximus mehr durch Verrat als durch Erstürmung die Einnahme von Oreos auf Euböa gelungen war, konnte der heranziehende Philipp V. den Attalos bei Opus in Lokris beinahe gefangen nehmen, begab sich dann nach Elateia und eroberte die damals den Aitolern gehörigen Städte Drymos und Teithronion.[4] Lilaia erhielt ebenfalls eine makedonische Garnison, die aber von den Einwohnern der Stadt bald vertrieben wurde.[5] Der makedonische König blieb noch eine Weile in Elateia, um mit Abgesandten neutraler Mächte zu verhandeln.[6] Er marschierte dann auf den Peloponnes, da der spartanische Tyrann Machanidas Olympia bedrohte, begab sich aber bald wieder nach Phokis und sammelte in Antikyra eine Schiffsmacht.[7] Als 205 v. Chr. der Friede von Phoinike geschlossen wurde, durch den Philipp V. seine Stellung als Hegemon Griechenlands behielt, blieb Phokis nach Meinung von Friedrich Schober formell selbstständig.[8]

Der Konsul Titus Quinctius Flamininus rückte im Rahmen des Zweiten Makedonischen-Römischen Krieges 198 v. Chr. in Phokis ein, weil er im Raum von Antikyra seine Winterquartiere aufschlagen wollte. Allerdings musste er erst die zuvor nach Phokis entsandten makedonischen Besatzungen vertreiben. Zuerst erstürmte er Panopeus, dann Antikyra, Ambrysos, Hyampolis und das uneinnehmbar wirkende Daulis. Weitere Städte unterwarfen sich daraufhin, ohne Widerstand zu leisten.[9] Jedoch wollte Elateia, in dem eine bedeutende makedonische Streitmacht stationiert war, längere Zeit nicht die Waffen strecken. Der Konsul schritt nach erfolglosen Verhandlungen an die Belagerung der Stadt, die er schließlich eroberte; die Reste der makedonischen Garnison durften abziehen.[10] So kontrollierte er fast ganz Phokis, doch befanden sich weiterhin einzelne makedonische Scharen im Land, die Philipp V. aufgrund des Ende 198 v. Chr. erfolgten Waffenstillstands abzuziehen versprach.[11] Die römischen Heereskontingente überwinterten verstreut in Phokis und Lokris; Flamininus wählte Elateia als Residenz.[12]

Nach der Schlacht von Kynoskephalai im Juni 197 v. Chr., die mit der vernichtenden Niederlage der Makedonen gegen die vom Aitolischen Bund unterstützten Römer geendet hatte, bezog Flamininus im Herbst 197 v. Chr. wieder Winterquartiere in Phokis und wohnte selbst in Elateia. Von hier aus unternahm er eine Strafexpedition gegen die Boioter.[13] Anfang 196 v. Chr. kam eine aus zehn Männern bestehende Senatskommission nach Elateia, um mit Flamininus die die politische Neuordnung des Hellas durchzuführen. Flamininus reiste mit den Kommissaren nach Korinth,[14] in dessen Stadion er im Rahmen der Isthmischen Spiele die Freiheit der griechischen Staaten, u. a. auch Phokis,[15] proklamieren ließ. Trotzdem wurde Phokis nun zum Ätolischen Bund geschlagen.[16] Den Winter 196/195 v. Chr. hielt sich Flamininus erneut in Elateia auf.[17]

Als Rom den Syrischen Krieg gegen den mit den Aitolern verbündeten Seleukidenherrscher Antiochos III. austrug, gehörte Phokis zuerst, weil es Bestandteil von Aitolien war, zu Antiochos’ Alliierten. Anfang 191 v. Chr. brach der Seleukidenkönig von den Winterquartieren in Chalkis auf, marschierte durch Phokis nach Chaironeia, um dort seine Armee zusammenzuziehen, und brachte anschließend dem Apollon in Delphi ein Opfer dar.[18] Im Sommer 191 v. Chr. verlor er die Schlacht bei den Thermopylen gegen den Konsul Manius Acilius Glabrio und entkam nur mit einer geringen Streitmacht über Elateia nach Chalkis.[19] Daraufhin marschierte der Konsul in Phokis ein, verfuhr hier mild[20] und hielt sich in der folgenden kalten Jahreszeit in Elateia auf.[21] Es gelang ihm, auch Delphi aus der aitolischen Hegemonie zu lösen. Infolge des Friedens von 189 v. Chr. erlangte Phokis definitiv seine Unabhängigkeit von den Aitolern. Es kam zur Neugründung des von einem Strategen geleiteten phokischen Bundes. Später wurden die Phoker auch wieder Mitglieder der Amphiktyonie.[22]

Römische HerrschaftBearbeiten

Aufgrund zahlreicher Kriege und Einquartierungen war Phokis in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. verarmt und konnte 148 v. Chr. einer Invasion der Thebaner nichts entgegensetzen. Die Phoker baten den römischen Prätor Quintus Caecilius Metellus Macedonicus um Hilfe, der den Thebanern eine Strafzahlung auferlegte.[23] Kurz danach kam es zur Versöhnung zwischen den beiden griechischen Staaten und sie beteiligten sich 146 v. Chr. zusammen am Kampf gegen die drohende Okkupation des Hellas durch die Römer.[24] Allerdings leisteten die Phoker relativ wenig in diesem letzten Unabhängigkeitskampf. Zwar boten sie einer dem achäischen Feldherrn Kritolaos zu Hilfe geeilten Schar Arkader eine Einquartierung in Elateia an; als sie aber von der Niederlage des griechischen Bundesheeres in der Schlacht bei Skarpheia in Lokris erfuhren, forderten sie die arkadischen Krieger auf, Elateia wieder zu räumen.[25] Metellus verfolgte die Arkader bis Chaironeia, behelligte dabei jedoch offenbar die Phoker nicht. Nach der Zerstörung Korinths ging dann aber der Konsul Lucius Mummius gegen die Alliierten der Achaier vor und löste u. a. den phokischen Bund auf.[26]

Wie das übrige Griechenland kam Phokis nun zur römischen Provinz Macedonia. Nach einiger Zeit durfte der phokische Bund wiederaufleben, war jedoch nun politisch einflusslos.[27] Als Sulla 86 v. Chr. gegen Mithridates VI. Krieg führte und gegen dessen Feldherrn Taxiles heranzog, der mit seinen Truppen Boiotien und Phokis durchzogen und bei Elateia feste Stellung genommen hatte, auch diese Stadt selbst belagerte, widersetzten sich ihm die Elateier energisch, so dass er bis zur Ankunft Sullas nichts auszurichten vermochte. Deshalb erhielten auch die Bewohner dieser Stadt von den Römern ihre Freiheit und Atelie.[28] Unter Kaiser Augustus wurde Phokis 27 v. Chr. Bestandteil der römischen Provinz Achaea. Damals wurden auch Bewohner kleiner phokischer Städte nach dem von Augustus gegründeten Nikopolis übersiedelt. Der letzte Nachweis der Existenz des phokischen Bundes datiert in die Herrschaftszeit des römischen Kaisers Trajan.

In der römischen Kaiserzeit ging die Zahl der Siedlungen stetig zurück, die Bevölkerungszahl nahm immer mehr ab. Die Städte waren verarmt; einige vermögende Familien sowie der Kaiser hatten Großgrundbesitz. Wie der Rest Griechenlands war Phokis seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. Teil des byzantinischen Reiches. Seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. beschleunigten aber auch Barbareneinfälle den Niedergang der Landschaft. So drangen die Goten unter Alarich verheerend in diese Region ein,[29] ebenso in den Jahren 539–540 die Slawen.[30] Im 6. Jahrhundert ist nur Daulis als Bischofssitz bezeugt.

Mittelalter und NeuzeitBearbeiten

Im Verlauf des späten Mittelalters wurde Phokis ebenso wie Böotien, Lokris, Doris und Thessalien nicht nur durch die herandrängenden Türken mehrmals verheert, sondern auch durch andere Völker vielfach beunruhigt. So erzählt Nikephoros Gregoras, dass die Katelanier hierherkamen und durch eine Kriegslist einen Sieg über das von den Griechen aufgestellte Heer errangen. Laonikos Chalkokondyles berichtet von einer Okkupation der Landschaft durch italische Völkerschaften, die namentlich durch Rainerios von Florenz aus nach Böotien und Phokis gekommen waren. Wie das übrige Griechenland fiel Phokis schließlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ganz unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches und blieb bis zum Ausbruch des griechischen Unabhängigkeitskampfes 1821 unter osmanischer Kontrolle.

Heutzutage bildet das Gebiet eine der 51 griechischen Präfekturen (neugriechisch Fokida).

LiteraturBearbeiten

  • John M. Fossey: The Ancient Topography of Eastern Phokis. J. C. Gieben, Amsterdam 1986, ISBN 90-70265-87-7.
  • Friedrich Schober: Phokis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XX,1, Stuttgart 1941, Sp. 474–496.
  • Giovanna.Daverio Rocchi: Phokis, Phokeis. In: Der Neue Pauly Bd. 9, 2000, Sp. 944–947. (mit Literatur)
  • Jeremy MacInerney: The Folds of Parnassos: land and ethnicity in ancient Phokis. Austin, Tex. 2000, ISBN 0-292-75229-6.
  • Mogens Herman Hansen, Thomas Heine Nielsen: An Inventory of Archaic and Classical Poleis. Oxford 2004, ISBN 0-19-814099-1.
  • Annamarie Felsch-Klotz: Frühe Reisende in Phokis und Lokris. Berichte aus Zentralgriechenland vom 12. bis 19. Jahrhundert. Göttingen, Göttinger Universitätsverlag 2009, ISBN 978-3-941875-00-5 (online) (PDF; 5,1 MB).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Phokis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. Polybios, Historien 9, 39; Titus Livius, Ab urbe condita 26, 26, 1ff. (der fälschlicherweise von Antikyra in Lokris spricht, so Friedrich Schober, RE XX, 1, Sp. 494).
  2. Inscriptiones Graecae (IG) IX 11, 78.
  3. Polybios, Historien 10, 42, 4; Livius, Ab urbe condita 28, 11.
  4. Livius, Ab urbe condita 28, 7, 3 und 28, 7, 13.
  5. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 10, 33, 3.
  6. Livius, Ab urbe condita 28, 7, 9 ff.
  7. Livius, Ab urbe condita 28, 8, 7.
  8. Friedrich Schober: Phokis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XX,1, Stuttgart 1941, Sp. 474–496 (hier: 494).
  9. Livius, Ab urbe condita 32, 18.
  10. Livius, Ab urbe condita 32, 24, 1–7; Pausanias, Beschreibung Griechenlands 10, 34, 4.
  11. Polybios, Historien 18, 10, 4; Livius, Ab urbe condita 32, 36, 9; Appian, Makedonike 8.
  12. Livius, Ab urbe condita 32, 32, 1 und 32, 39, 1–4.
  13. Livius, Ab urbe condita 33, 29.
  14. Polybios, Historien 18, 45, 7; Livius, Ab urbe condita 33, 31, 7.
  15. Polybios, Historien 18, 46, 5; Livius, Ab urbe condita 33, 32, 5; Plutarch. Flamininus 10, .4.
  16. Polybios, Historien 18, 47, 9; Livius, Ab urbe condita 33, 34, 8.
  17. Livius, Ab urbe condita 34, 25, 1 und 34, 41, 7.
  18. Livius, Ab urbe condita 36, 11.
  19. Livius, Ab urbe condita 36, 19, 9; Appian, Syriaka 20.
  20. Livius, Ab urbe condita 36, 20; Appian, Syriaka 21.
  21. Livius, Ab urbe condita 37, 4, 10.
  22. Friedrich Schober: Phokis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XX,1, Stuttgart 1941, Sp. 474–496 (hier: 495).
  23. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 7, 14, 7.
  24. Polybios, Historien 38, 5, 8.
  25. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 7, 15, 5.
  26. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 7, 16, 9.
  27. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 7, 16, 10.
  28. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 10, 34, 2.
  29. Zosimos, Historia nea 5, 5, 6 ff.
  30. Prokop , De bello Persico 2, 4, 10 ff.