Peter Becher (Literaturhistoriker)

deutscher Literaturhistoriker und Schriftsteller, Geschäftsführer des Adalbert-Stifter-Vereins

Peter Becher (* 3. November 1952 in München) ist ein deutscher Literaturhistoriker und Schriftsteller. Sein Vater war der Vertriebenenpolitiker und CSU-Bundestagsabgeordnete Walter Becher, der 1947 unter den Gründern des nach Adalbert Stifter benannten Verein war: Amtsgericht München VR 4185 Adalbert Stifter Verein 5. Mai 1947[1]. Seine Mutter stammt aus der Steiermark. Seit 1986 bis 2019 war er Geschäftsführer, seit 2019 ist er Vorsitzender des Adalbert Stifter Verein. Bei der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung gehört er zum Wissenschaftlichen Beraterkreis.[2] Ebenso beim Zentrum gegen Vertreibungen.

LebenBearbeiten

Becher stammt nicht „aus einer sudetendeutschen Honoratiorenfamilie“ für Likörfabrikation.[3] wie er in der Sendung vom 28. Dezember 2006, 20.15 Uhr Dr. Peter Becher Geschäftsführer des Adalbert Stifter Vereins e.V. im Gespräch mit Dr. Eberhard Büssem richtig stellte:

„Lassen Sie mich mit dem ‚Becherovka‘ anfangen: Wir werden immer wieder auf diese Firma hingewiesen, die ja früher den Namen ‚Becherbitter‘ trug. Es ist tatsächlich so, dass der Gründer dieser Likörfirma aus der weiteren Verwandtschaft kommt, aber er ist kein direkter Vorfahre von mir. … Die Likörfabrik kam sozusagen aus dem einen Zweig und wir aus einem etwas ärmeren anderen Zweig.“[4]

In seiner Gymnasialzeit spielte er als Handballer in der Nationalmannschaft der Junioren.[5] Nach dem Abitur am Münchner Thomas-Mann-Gymnasium leistete er Zivildienst und studierte anschließend Germanistik und Geschichte. 1981 promovierte er bei Friedrich Prinz in München, Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste seit 1979, mit einer Arbeit über literarische und historiografische Darstellungen des Untergangs der Donaumonarchie. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er in der Jugendarbeit (BdP), beim Bayerischen Rundfunk, der Vater war auch Rundfunkrat: „In dieses gemischte Gremium, das auf den Bayrischen Rundfunk aufzupassen hat, delegierte der Landtag fünf seiner Abgeordneten, darunter für die Partei GB/BHE/ NDU den Dr. Walter Becher…“[6] Zu einer Anstellung beim Goethe-Institut kam es wegen des Einstiegs beim Adalbert Stifter Verein nicht:

„Denn ich hatte eigentlich schon eine Anstellung beim Goethe-Institut in Aussicht, nachdem ich zu meiner damaligen sehr großen Freude das Auswahlverfahren bestanden hatte. Dann ist aber das Vorbereitungsjahr, was man dort absolvieren muss, um ein ganzes Jahr ausgesetzt worden. Genau in diesem Jahr ist die Geschäftsführerstelle des Adalbert-Stifter-Vereins ausgeschrieben worden, weil meine Vorgängerin Johanna von Herzogenberg in die Rente gegangen ist. Also habe ich mich beworben und dachte: ‚Warum denn nicht?‘ Ich war dann fast erstaunt, als man mir diese Stelle angeboten hat. Und natürlich spielt auch ein bisschen mein familiärer Hintergrund mit. Meine Familie kommt väterlicherseits aus Karlsbad. Damit hatte ich auch eine Affinität zu der Kulturgeschichte dieses Landes.“

Till Janzer: Interview: Kultursalon – „Keinerlei Berührungsängste“ – der Adalbert-Stifter-Verein und die Beziehungen zu Tschechien vom 4. Mai 2017[7]

Becher ist Mitglied des tschechischen P.E.N., des Beirats für das deutsch-tschechische Gesprächsforum (2000–2012), der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, dort seit 2003 Träger der Medaille „Pro meritis“,[8] sowie korrespondierendes Mitglied des Adalbert-Stifter-Instituts von Oberösterreich.

Er ist Mitglied der SPD und der sozialdemokratischen Seliger-Gemeinde. Er fördert das Zentrum gegen Vertreibungen.[9][10]

Peter Becher ist in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Adalbert Stifter Verein auch Mitglied im Stiftungsrat des Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg.

Peter Becher ist verheiratet und wohnt in Pullach bei München.

AuszeichnungenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Der Untergang Kakaniens. Darstellungsweisen eines historischen Phänomens. Frankfurt a. M. 1982 (Phil. Diss.).
  • Ach, Stifter. Ein tschechisch-deutscher Briefwechsel mit Ludvík Vaculík. München 1991.
  • Zwischen München, Prag und Wien. Essays und Feuilletons. München 1995.
  • Adalbert Stifter. Sehnsucht nach Harmonie. Eine Biografie. Regensburg 2005.
  • Nachtflug, Roman. Passau 2009.
  • Der Löwe vom Vyšehrad. Essays, Feuilletons, Reden. Passau 2012.

HerausgeberschaftBearbeiten

  • Böhmen. Blick über die Grenze. Reise-Lesebuch. Gemeinsam mit Hubert Ettl. Viechtach 1991
  • Drehscheibe Prag. Zur deutschen Emigration in der Tschechoslowakei 1933–1939. Gemeinsam mit Peter Heumos. München 1992
  • Gleiche Bilder, gleiche Worte. Deutsche, Österreicher und Tschechen in der Karikatur 1848–1948. Gemeinsam mit Jozo Dzambo. München 1997
  • Deutsch-tschechischer Almanach 2000. Gemeinsam mit Ivan Binar. München 2000
  • Deutsch-tschechischer Almanach 2002. Gemeinsam mit Ivan Binar. München 2001
  • Literatur unter dem Hakenkreuz. Böhmen und Mähren 1939–1945. Gemeinsam mit Ingeborg Fiala-Fürst. Prag 2005
  • Praha-Prag 1900–1945. Literaturstadt zweier Sprachen. Gemeinsam mit Anna Knechtel. Passau 2010
  • Kafka und Prag. Literatur-, kultur-, sozial- und sprachhistorische Kontexte. Gemeinsam mit Steffen Höhne und Marek Nekula. Köln, Weimar, Wien 2012
  • mit Jozo Džambo und Anna Knechtel: Prag – Provinz. Wechselwirkungen und Gegensätze in der deutschsprachigen Regionalliteratur Böhmens, Mährens und Sudetenschlesiens. Arco, Wuppertal 2014, ISBN 978-3-938375-53-2.
  • Kakanische Kontexte. Reden über die Mitte Europas. Otto Müller, Salzburg 2014, ISBN 978-3-7013-1216-0.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Becher, Peter: Die Anfänge des Adalbert Stifter Vereins (1947–1953). In: 50 Jahre Adalbert Stifter Verein 1947–1997. München 1998, 12–22; Paleczek, Raimund: Von Prag nach München. Die Gründer des Adalbert Stifter Vereins. In: 60 Jahre Adalbert Stifter Verein. Festakt, Chronik 1998–2007, Kolloquium. München 2008, 141–153; Pohl, Karin: Zwischen Abhängigkeit und Förderung. Die frühen Jahre des Adalbert Stifter Vereins (1947–1957) in ebd., 155–170.
  2. https://www.sfvv.de/de/stiftung/wissenschaftlicher-beraterkreis
  3. K.-M. Gauß: Der Alltag der Welt. Zwei Jahre, und viele mehr. Wien 2015. S. 304.
  4. https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/peter-becher-gespraech100.html
  5. K.-M. Gauß: Der Alltag der Welt. Zwei Jahre, und viele mehr. Wien 2015. S. 305.
  6. Wer war „Dr. W. B.“? In: Der Spiegel. Nr. 23, 1959, S. 27 f. (online3. Juni 1959).
  7. Till Janzer: „Keinerlei Berührungsängste“ – der Adalbert-Stifter-Verein und die Beziehungen zu Tschechien. In: Radio Praha. 4. Mai 2017, abgerufen am 19. April 2019.
  8. https://www.sudetendeutsche-akademie.eu/promeritis.php
  9. Menschen an unserer Seite
  10. Stellungnahmen zur Motivation (Memento vom 16. Mai 2013 im Internet Archive)