Passeroidea

Überfamilie der Ordnung Sperlingsvögel (Passeriformes)

Passeroidea (Sperlingsartige[3]) ist eine Überfamilie innerhalb der Unterordnung der Singvögel, die über 20 Familien mit über 1500 Arten umfasst. Damit gehört Passeroidea zu den artenreichsten Überfamilien innerhalb von Passerida.[4]

Sperlingsartige
Feldsperling (Passer montanus)

Feldsperling (Passer montanus)

Systematik
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
ohne Rang: Eupasseres
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
ohne Rang: Passerida
Überfamilie: Sperlingsartige
Wissenschaftlicher Name
Passeroidea
Ahlquist & Sibley, 1990[1][2]

BeschreibungBearbeiten

Viele Arten sind Nektarfresser, was bedeutet, dass ein großer Teil ihrer Nahrung aus Nektar besteht; manche Arten konsumieren Obst oder Insekten. Wenige Arten sind Samenfresser, etwa Finken oder Sperlinge. Die Arten von Passeroidea scheinen in Afrika entstanden zu sein und sich über die Tropen der alten Welt bis nach Australasien verbreitet zu haben.[5]

Eine Synapomorphie von Passeroidea ist das Vorhandensein einer Aminosäure aus dem Gen c-myc. Ericson et. al (2005) fand in c-myc ein weiteres Vorhandensein von drei Aminosäuren – dies fehlt bei den Lerchen, den Mistelfressern, den Nektarvögeln, den Braunellen, den Prachtfinken und den Sperlingen.[2]

Der sexuelle Dimorphismus – das Auftreten von zwei deutlich verschiedenen Erscheinungsvorkommen bei derselben Art – dürfte bei einigen Arten genetisch und bei anderen durch ein Hormon kontrolliert werden.[6]

Im September 2020 wurde das Ergebnis einer Studie veröffentlicht, die an Passeroidea-Mitgliedern im Hochland von Tibet und im Sino-Himalaya durchgeführt worden war. 14 endemische Arten im Hochland von Tibet einschließlich vier Arten im Sino-Himalaya wurden untersucht; wodurch die evolutionäre Trennung der Rosenschwänze von den Webervögeln wurde auf etwa 20 Millionen Jahre datiert werden konnte. Die untersuchten Arten traten während des späten Miozäns auf, etwa die Tibetammer (Emberiza koslowi). Diese Untersuchung stimmte gut mit zuvor veröffentlichten Phylogenesen überein, die größtenteils auf einer weniger dichten Stichprobe basiert waren (Barker et al., 2013; Davis & Page, 2014; Johansson et al., 2008; Jønsson & Fjeldsa, 2006). Obwohl Passeroidea in den Tropen verbreitet ist, entstand keine der tropischen Passeroidea-Arten aus den Gebirgsregionen von Tibet und des Himalayas, mit Ausnahme von Carpodacus formosanus (ein Karmingimpel) auf Taiwan und des Weißwangengimpel auf den Philippinen.[7]

Äußere SystematikBearbeiten

Die Überfamilie Passeroidea gehört der Gruppe Passerida an, die wiederum zur Unterordnung der Singvögel gezählt wird. Eine weitere größere Überfamilie unterhalb von Passerida ist Sylvioidea. Für eine komplette Liste der Überfamilien siehe Singvögel#Passerida. Groth (1998) fand bei Untersuchung der mitochondrialen DNA heraus, dass die Lerchen (Alaudidae) außerhalb der Überfamilien Passeroidea und Sylviidae zu finden sind.[2]

Innere SystematikBearbeiten

Die Honigvögel könnten die basale Familie von Passeroidea sein.[8], andere Untersuchungen zeigten hingegen, dass die Zugehörigkeit der Honigvögel (einzige Art in der Familie Promeropidae) fraglich sei. Der Rest der Überfamilie wird als eindeutig monophyletisch (Barker et al. 2002, 2004; Ericson und Johansson 2003; Beresford et al. 2005) beschrieben.[9] Zuvor wurde davon ausgegangen, dass Passeroidea und Sylvioidea keine Monophyse aufweisen würden (Sheldon/Gill 1996), doch eine 2015 durchgeführte Untersuchung von Passerida zeigte Passeroidea als monophyletische Gruppe. Dieselbe Untersuchung zeigte, dass die Neuweltammern (Passerellidae) eine polyphyletische Gruppe sind.[10] Die Mistelfresser (Dicaeidae/1853) und Nektarvögel (Nectariniidae/1825) bilden eine Gruppe und werden teilweise unter dem letzteren Namen zusammengefasst.[2]

Folgende Gattungen und Arten gehören Passeroidea an:[11]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Admin: Passeroidea. (HTML) Ökologische Seite. In: tierdoku.com. Wilfried Berns, S. 1, abgerufen am 3. Mai 2021.
  2. a b c d Leslie Christidis, Walter E. Boles: Systematics and Taxonomy of Australian Birds. Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation, Australien  Collingwood 2008, ISBN 978-0-643-06511-6, S. 177 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. René Rausch: Sperlingsartige (Passeroidea). (HTML) Ökologische Seite. In: botanik-seite.de. René Rausch, S. 2, abgerufen am 3. Mai 2021.
  4. StaraptorEmpoleon: Passeroidea. (HTML) Passeroidea’ is a superfamily of oscine passerines. In: allbirdsoftheworld.fandom.com. All Birds Wiki, S. 2, abgerufen am 3. Mai 2021 (englisch).
  5. John H. Boyd III: CORE PASSEROIDEA I. (HTML) Peucedramidae through Estrildidae. In: jboyd.net. Taxonomy in Flux, S. 16, abgerufen am 3. Mai 2021 (englisch).
  6. Veronika Bókony, László Zsolt Garamszegi; Katharina Hirschenhauser, András Liker: Testosterone and melanin-based black plumage coloration: a comparative study. In: Behavioral Ecology and Sociobiology. Band 62, Nr. 8. Springer Science+Business Media, April 2008, ISSN 0340-5443, doi:10.1007/s00265-008-0551-2 (englisch, 10 S.).
  7. Martin Päckert, Adrien Favre, Jan Schnitzler, Jochen Martens, Sun Yue-Hua, Dieter Thomas Tietze, Frank Hailer, Ingo Michalak, Patrick Strutzenberger: “Into and Out of” the Qinghai‐Tibet Plateau and the Himalayas: Centers of origin and diversification across five clades of Eurasian montane and alpine passerine birds. In: Ecology and Evolution. Band 10, Nr. 17. John Wiley & Sons, 24. August 2020, ISSN 2045-7758, doi:10.1002/ece3.6615 (englisch, 18 S.).
  8. Barrie G. M. Jamieson: Reproductive Biology and Phylogeny of Birds. CRC Press, Australien  St. Lucia 2011, ISBN 978-1-4398-4275-1, S. 24–25 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. David P. Mindell, Joseph W. Brown, John Harshman: Passeroidea. (HTML) Discussion of Phylogenetic Relationships. In: tolweb.org. The Tree of Life Web Project, S. 3, abgerufen am 3. Mai 2021 (englisch).
  10. Lina Wu, Yanfeng Sun, Juyong Li, Yaqing Li: A phylogeny of the Passerida (Aves: Passeriformes) based on mitochondrial 12S ribosomal RNA gene. A phylogeny of the Passerida (Aves: Passeriformes) based on mitochondrial 12S ribosomal RNA gene. Hrsg.: Avian Research. 2015, S. 2–3, 7 (englisch, 9 S., researchgate.net [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 4. Mai 2021]): “Furthermore, monophyly of Passeroidea and Sylvioidea could not be confirmed by a more sophisticated experimental design and rigorous statistical analyses of the DNA-DNA hybridization data (Sheldon and Gill 1996).”
  11. David W. Winkler, Shawn M. Billerman, Irby J. Lovette: Bird Families of the World - An Invitation to the Spectacular Diversity of Birds. Lynx Edicions and the Cornell Lab of Ornithology, 2015, ISBN 978-84-941892-0-3. Seite 10 u. 11.