Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Nebenkosten sind allgemein jene Kosten, die neben einem Hauptaufwand anfallen.

AllgemeinesBearbeiten

Der Begriff der Nebenkosten hat in den unterschiedlichen Fachgebieten und dort wiederum teilweise je nach der Sicht des Verwenders oder gesetzlicher Regelungen eine andere Bedeutung. Nebenkosten können eine große Bedeutung im Vergleich zu den Hauptkosten erlangen, so dass ihr verharmlosender Präfix möglicherweise irreführend sein kann.

MietrechtBearbeiten

Hier werden vornehmlich nach der Betriebskostenverordnung die umlagefähigen Betriebskosten von den nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten unterschieden. Bei vermieteten Wohnräumen können nur die Betriebskosten entsprechend der Betriebskostenverordnung auf den Mieter umgelegt werden, sofern dies zwischen den Vertragsparteien vereinbart ist (§ 556 Abs. 1 Satz 1 BGB). Die Vertragsparteien können auch vereinbaren, dass Betriebskosten als Pauschale oder als Vorauszahlung ausgewiesen werden. Vorauszahlungen für Betriebskosten dürfen nur in angemessener Höhe vereinbart werden.

Über die Vorauszahlungen für Betriebskosten ist jährlich abzurechnen; dabei ist der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit zu beachten (§ 556 Abs. 3 BGB). Die Abrechnung ist dem Mieter spätestens bis zum Ablauf des zwölften Monats nach Ende des Abrechnungszeitraums mitzuteilen. Nach Ablauf dieser Frist ist die Geltendmachung einer Nachforderung (Nachzahlung) durch den Vermieter ausgeschlossen, es sei denn, der Vermieter hat die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten.

Häufig sind die ausgestellten Nebenkostenabrechnungen fehlerhaft oder auch rechtswidrig, weshalb nach § 556 Abs. 3 BGB die Möglichkeit besteht, innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr nach Erhalt des Berichtes Widerspruch einzulegen. Neben dem häufigen Fehler, dass der Vermieter die Abrechnung nicht rechtzeitig zustellt (hierfür stehen ihm in der Regel 12 Monate nach Ablauf des Abrechnungszeitraums zu), sind oftmals auch Kostenbestandteile aufgeführt, die laut Mietvertrag nicht berechnet werden dürfen.[1] So hat der Bundesgerichtshof im Juli 2015 entschieden, dass in einer Nebenkostenabrechnung keine pauschalierten Verwaltungskosten für leerstehende Wohnungen aufgeführt werden dürfen.[2]

WirtschaftsrechtBearbeiten

Zu den Anschaffungskosten gehören gemäß § 255 Abs. 1 HGB auch die Anschaffungsnebenkosten. Baunebenkosten sind gemäß § 16 Abs. 3 BelWertV insbesondere Kosten für Bauplanung, Bauausführung, behördliche Prüfungen und Genehmigungen. Im Finanzwesen wird die Transparenz der Finanzierungskosten durch Finanzierungsnebenkosten wie Bearbeitungsgebühren, Provisionen, Restschuldversicherungen und anderes mehr verschleiert. Da aber der größte Teil dieser Nebenkosten bei gewerbs- oder geschäftsmäßig tätigen Kreditgebern gemäß § 6 PAngV in den effektiven Jahreszins einzubeziehen ist, kann der Verbraucher Kostenvergleiche vornehmen. Besonders umfangreich sind die Nebenkosten beim Grundstückskauf.

WertermittlungBearbeiten

Bei der Wertermittlung von Immobilien können nach der Wertermittlungsverordnung die Betriebskosten den Bewirtschaftungskosten hinzugerechnet werden. Maßstab ist hier die Minderung des Ertrags. Diese Sicht gilt in Deutschland nur, wenn eine Wertermittlung nach dem im Baugesetzbuch geschützten Begriff des Verkehrswertes erfolgt.

BaurechtBearbeiten

Da der Verkehrswert nur das fertige Gebäude zum Gegenstand hat, ist Grundlage der Kostenplanung in Deutschland die DIN 276, die in der Kostengruppe 7 die unterschiedlichen Baunebenkosten ausweist. Eine ihrer Untergruppen sind die Architekten- und Ingenieurleistungen, wobei die leistenden Architekten und Ingenieure nach HOAI diese Nebenkosten bei ihrer Honorarberechnung nicht berücksichtigen dürfen. Es entspricht der Vielschichtigkeit des Begriffes, wenn in einer Honorarberechnung wiederum Nebenkosten nach § 14 HOAI auftauchen, z. B. für Vervielfältigung und Reisen.

BuchführungBearbeiten

Zu den Nebenkosten des Geldverkehrs gehören alle Aufwendungen, die weder Zinsaufwand noch einen Zinsertrag darstellen. Als solche Nebenkosten kommen Bankgebühren wie Kontoführungsgebühr, Buchungspostengebühr oder Rücklastschriftgebühr in Betracht. Auch Geldbeschaffungskosten zur Kreditfinanzierung werden hier erfasst wie etwa die Gerichtskosten oder Notargebühren für die Grundschuldeintragung.

In der Kostenrechnung wird der Begriff Nebenkosten teilweise verwendet, um Kosten zu bezeichnen, die von den Herstellkosten unterschieden werden; verbreiteter ist aber die Bezeichnung „fixe Kosten“; siehe auch Deckungsbeitrag.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Nebenkosten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Widerspruch gegen Nebenkostenabrechnung. 29. Mai 2017, abgerufen am 18. November 2017.
  2. BGH, Urteil vom 17. Juli 2015, Az.: V ZR 84/14 = WM 2015, 2208