Natureum Niederelbe

Natureum Niederelbe mit Elbe-Küsten-Park
Vollständiger Name Natureum Niederelbe mit Elbe-Küsten-Park
Motto Horizonte erweitern, Küste erleben
Ort Neuenhof 8
21730 Balje
Fläche 100 Hektar
Eröffnung 1990
Organisation
Leitung Clivia Häse
Trägerschaft Betriebsgesellschaft Natureum gUG (hb)
Natureum Niederelbe 01.jpg

Das Natureum an der Niederelbe zwischen Balje und Neuhaus (Oste)

www.natureum-niederelbe.de
Natureum Niederelbe (Niedersachsen)
Natureum Niederelbe
Koordinaten: 53° 49′ 22,2″ N, 9° 2′ 6,7″ O

Das Natureum Niederelbe ist ein Freiluftmuseum nahe der Nordsee im Ort Balje. Es liegt auf einer durch den Bau des Ostesperrwerks entstandenen Insel. Der Altarm der Oste bildet heute den Ostesee und liegt in der Gemarkung Neuhaus (Oste).

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Ostesperrwerk und Natureum
 
Der Unterstand zur Vogelbeobachtung

Das Natureum Niederelbe wurde zunächst als reines Museum mit einer Vogelbeobachtungsstation errichtet. Später wurde zunehmend das Gelände in die Planung einbezogen und ergänzend zum Museum zu dem heutigen Elbe-Küstenpark ausgebaut. Regelmäßig finden kleine und große Sonderausstellungen statt. Das Küstenmuseum zeigt seit dem 15. März 2013 die Dauerausstellung "Lebensader Elbstrom - Brücke zwischen den Welten" informiert anhand von Bildern, Exponaten und interaktiven Stationen über die Einzigartigkeit der Elbmündung mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt sowie über die Bedeutung der Elbe als Drehscheibe für Zugvögel, Wanderfische und den globalen Handel.

Im Museumsgebäude ist außerdem die Ausstellung „Bernstein – Gold der Küste“ mit über 300 Objekten zu sehen, darunter seltene Inklusen, kunstvolle Schnitzereien und Schmuckstücke. Thematisiert wird die Entstehung, Herkunft und Bearbeitung des Bernsteins.

Im KüstenZoo des Natureums sind sowohl heimische Tiere als auch ihre Artgenossen aus anderen Erdteilen zuhause. Im Elbe-Küstenpark tummeln sich Skudden, Shetlandponys, Ziegen, Zwergotter, Kaninchen, Meerschweinchen, ein Nerz und Gänse. Einige Gehege verfügen über einen Bereich, den Besucher betreten und die Tiere streicheln können. In den Aquarien & Terrarien des KüstenZoos leben u. a. unterschiedliche Fischarten, Schildkröten und Krebse aber auch Exoten wie ein Chamäleon, eine Bartagame oder verschiedene Schlangen. Mit diesen Tieren können Besucher im Rahmen der an jedem Öffnungstag stattfindenden kostenlosen Führungen oder während einer gebuchten Aktion in direkten Kontakt treten.

Vom Aussichtsturm fällt der Blick auf die große, trichterförmige Mündung der Elbe in die Nordsee. Im Inneren befindet sich die „Galerie im Turm“ mit wechselnden Foto- und Kunstausstellungen. In der Rundbogenhalle im Elbe-Küstenpark präsentiert das Natureum regelmäßig Sonderausstellungen zu unterschiedlichen Themen.

Im Elbe-Küstenpark befinden sich auf 100.000 m² Freilichtausstellungen, Aktionszonen und Spazierwege. Tiere, Natur und Naturgewalten können direkt entdeckt und beobachtet werden. An interaktiven Stationen wie z. B. dem Ebbe-Flut-Modell kann ausprobiert werden, wie eine Gezeitenwelle oder eine Sturmflut die Elbe aufwärts läuft. Die geologische Vergangenheit der Region wird in der Ausstellung „Urzeit zwischen Elbe und Weser“ beleuchtet. Im Bienenhaus können Besucher einen Blick in einen Bienenstock werfen.

Auf dem Freigelände steht ebenfalls ein Fischkutter aus dem Jahre 1892, die „Erna Becker“, sie wurde in Cranz als Segler gebaut und fischte mit zwei großen Hamen (rechteckige Rahmen), die sackförmige Netze geöffnet hält, in dem Gebiet der Unterelbe, die Osten zwischen Kleinwörden und Sethlerhemm.

Hemmoor KugelBearbeiten

 
Hemmoor-Kugel

Unter dem Namen Hemmoor Kugel versteht man Steine in Kugelform, die aus sand- und kalkhaltigen Ablagerungen entstanden sind. Diese sand- und kalkhaltigen Ablagerungen entstanden vor ca. 17 Mio. Jahren im Hemmoorium.

Im Eiszeitalter wurden diese Ablagerungen durch Gletschergewässer zu Kugeln geschliffen. In den beiden im Natureum ausgestellten Kugeln bzw. eines Kugelbruchstückes sind bis jetzt ca. 300 verschiedenen Tierarten nachgewiesen worden. Die eine Kugel, eine Dauerleihgabe des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung in Hannover, wurde in der Kreidegrube in Hemmoor gefunden. Das Bruchstück einer weiteren Kugel, eine Leihgabe von Li. Lade aus Hechthausen, wurde in einer Sandkuhle in Cadenberge gefunden.

Der Hamenfischkutter Erna Becker HF 348Bearbeiten

 
Der Fischkutter Erna Becker
 
Der Fischkutter Erna Becker

Der Hamenfischkutter Erna Becker HF 348 wurde im Jahre 1892 im Alten Land von der Sietas-Werft in Cranz als Spiegelhecksegler gebaut. Diese Spiegelhecksegler wurden erst kurze Zeit vorher an der Niederelbe entwickelt, die Bauweise ist an den englischen Fischerbooten angelehnt.

Als Besatzung fuhren nur der Kapitän und meist ein, seltener auch zwei Matrosen mit, die über lange Stunden bei fast jedem Wetter und jeder Jahreszeit ihre 12 bis 14 Stunden arbeiteten. Später als modernisiertes Fischerboot und als Hamenfischer aufgerüstet konnte das ein Fischer alleine.

Die damalige Welt der FischerBearbeiten

1890 wuchs die Hamburger Bevölkerung und mit ca. 400 bis 500 kleinen Fischerbooten in der Unterelbe rechnete sich Heinrich Hülsen eine gute wirtschaftliche Chance aus. Auch da der Fischreichtum der Elbe und der südlichen Nordsee unerschöpflich erschien. Zu dieser Zeit bis um das Jahr 1910 wurden in der Elbe große Mengen Stör gefangen, wenig später waren kaum noch ausgewachsene Störe zu fangen. Ging ein großes Tier in die Netze, berichteten die Zeitungen darüber.

Anhand der Choleraepidemie von 1892 in Hamburg ist ersichtlich, das die Wasserverschmutzung stark zunahm. Dies und die für die Entwässerung an der Elbe gebauten Deiche, Pumpen und Schleusen führte dazu, dass für Fischarten wie Stör und Lachs als bekannte Fischarten und die ungekannten Ukelei, Barbe, Schnepel sowie Zehrte der Weg zu den Laichplätzen versperrt wurde. Die ersten Ausbaggerungen der Elbe in den 1930er Jahren und die immer weitere Modernisierung der Fangtechniken trugen ein Übriges dazu bei, die Anzahl der Fischkutter bis ins Jahr 1990 auf 3 Stück am Standort Niederelbe zu reduzieren.

Das Schiff in JahreszahlenBearbeiten

  • 1892 wird im Auftrag von Heinrich Hülsen ein Kutter von der Sietas Werft in Cranz gebaut und auf den Namen seiner Tochter „Anna Helene“ getauft. Das Schiff liegt mit dem Fischereikennzeichen „LL 70“ als das siebzigste Schiff der Landdrostei Lüneburg in Altenwerder.
  • 1917 bekommt das Schiff ein neues Kennzeichen: „ALT 220“
  • 1924 wird der erste Motor, ein 15 PS starker Jastram Benzolmotor, eingebaut.
  • 1928 schon vier Jahre später wird ein neuer Motor benötigt, es wird ein 2-Zylinder-Glühkopfmotor von HGM mit 25 PS verwendet.
  • 1933 übernimmt Heinrich Hülsen Junior das 40 Jahre alte Schiff und tauft es auf den Namen seiner Frau „Elisabeth“ um.
  • 1938 Das Fischereikennzeichen „ALT“ wird aufgelöst und obwohl das Schiff weiter in Altenwerder liegt, ist der Heimathafen jetzt als Finkenwerder mit dem Kennzeichen „HF 348“ offiziell vermerkt.
  • 1944 Die „Elisabeth“ bekommt in diesem Jahr einen neuen Motor, es ist ein 3-Zylinder-Jastram Diesel Motor.
  • 1945 wird das Schiff von einer Fliegerbombe zwar getroffen, aber es lohnt sich, das Schiff zu reparieren, da es nur am Achterdeck getroffen wurde, auf diese Weise bekommt es ein modernes Spitzheck.
  • 1955 wird das Schiff vom alten Eigner Hülsen nach Cuxhaven an Anita Albers verkauft.
  • 1958 nur drei Jahre später kehrt es nach Altenwerder zurück, da Hans Becker das Schiff kauft.
  • 1961 bekommt das Schiff nach fast 70 Jahren des Stapellaufs neue Spanten, Deck und die Bünn. Nach dieser gründlichen Renovierung bekommt das Schiff den letzten heutigen Namen „Erna Becker“ mit dem Kennzeichen HF 348. Es ist der Name der Ehefrau von Hans Becker.
  • 1969 stirbt Hans Becker und seine Frau, die auf den meisten Fangreisen mit dabei war, erbt das Schiff.
  • 1976 Erna Becker verkauft das Schiff an ihren Sohn Hans-Heinrich, der nun mit dem Schiff in die Fanggründe fährt.
  • 1992 das hundertste Jahr des Schiffes endet in eine Katastrophe. Am 25. September um 23:30 Uhr liegt die „Erna Becker“ vor Brunsbüttel vor der Nordostreede vor Anker. Trotz vorschriftsgemäßer Kennzeichnung wird das Schiff vom Küstenfrachter „Einstein“ gerammt, überfahren und sinkt rasch. Es wird vermutet, dass Hans-Heinrich Becker im Schlaf überrascht wird und mit seinem Schiff versinkt. Fünf Tage später wird das versunkene Schiff gehoben und am ersten November im Freigelände des Natureum Niederelbe aufgestellt.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Category:Natureum Niederelbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien