Namaro

Landgemeinde in Niger

Namaro ist eine Landgemeinde im Departement Kollo in Niger.

Landgemeinde Namaro
Landgemeinde Namaro (Niger)
Landgemeinde Namaro
Koordinaten 13° 41′ N, 1° 43′ OKoordinaten: 13° 41′ N, 1° 43′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Kollo
Einwohner 55.094 (2012)

GeographieBearbeiten

Namaro liegt am Fluss Niger nordwestlich der Hauptstadt Niamey. Die Nachbargemeinden sind Kourteye im Norden, Karma im Nordosten, Bitinkodji im Südosten, Torodi im Südwesten, Dargol im Westen und Gothèye im Nordwesten. Bei den Siedlungen im Gemeindegebiet handelt es sich um 41 Dörfer, 55 Weiler und 10 Lager.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das Dorf Namaro.[2]

Die Gemeinde wird zur Übergangszone zwischen Sahel und Sudan gerechnet.[3]

GeschichteBearbeiten

Die Dörfer Bangou Koirey, Sikièye und Yonkoto im Gemeindegebiet von Namaro gehörten zu jenen Orten im heutigen Niger, an denen sich nach dem Untergang des Songhaireichs 1591 Songhai-Flüchtlinge unter einem Nachkommen der ehemaligen Herrscherdynastie Askiya niederließen.[4] Das Dorf Namaro wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von Kurtey und Songhai gegründet, die von aus Téra kommenden Tuareg aus Gothèye vertrieben worden waren. Ihr Anführer war Dossa Kayné. Dessen Sohn Gindé Marieizé legte die endgültige Position von Namaro fest und brachte die Dörfer Bangou Koirey, Guillawa, Sikièye und Yonkoto in seinen Herrschaftsbereich.[5]

Die französische Kolonialverwaltung richtete Anfang des 20. Jahrhunderts einen Kanton in Namaro ein und anerkannte den lokalen Songhai-Herrscher Sidi als Kantonschef.[6] Die Landgemeinde Namaro ging 2002 bei einer landesweiten Verwaltungsreform aus dem Kanton Namaro hervor. Bei der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 wurden 19.284 Einwohner von Namaro als Katastrophenopfer eingestuft, so viele wie in sonst keiner Gemeinde Nigers.[7]

BevölkerungBearbeiten

Bei der Volkszählung 2012 hatte die Landgemeinde 55.094 Einwohner, die in 6572 Haushalten lebten.[1] Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 33.527 in 4158 Haushalten.[8]

Im Hauptort lebten bei der Volkszählung 2012 5557 Einwohner in 711 Haushalten,[1] bei der Volkszählung 2001 4139 in 513 Haushalten[8] und bei der Volkszählung 1988 2680 in 386 Haushalten.[9]

In ethnischer Hinsicht ist die Gemeinde ein Siedlungsgebiet von Songhai, Fulbe und Wogo.[10]

PolitikBearbeiten

Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 16 gewählte Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 7 PJP-Génération Doubara, 5 PNDS-Tarayya und 4 MODEN-FA Lumana Africa.[11]

Jeweils ein traditioneller Ortsvorsteher (chef traditionnel) steht an der Spitze von 39 Dörfern in der Gemeinde, darunter dem Hauptort.[1]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Im Zentrum des Hauptorts, inmitten eines Platzes, steht eine Moschee aus dem Jahr 1975. Die Gesamtanlage umschließt ein Areal von 40 Quadratmetern und ist damit sehr klein. Das Betraumgebäude hat einen quadratischen Grundriss, der Mihrāb-Vorbau ist quaderförmig und betont schmucklos gehalten. Die Außenwände sind ungegliedert. Außer von Osten her gibt es auf jeder Seite einen Zugang.[12]

In Namaro befindet sich eine Schule für die Ausbildung von Djesseré. Dabei handelt es sich um Erzähler der Songhai-Zarma-Gesellschaft, die historische Überlieferungen in langen Vorträgen weitergeben.[13]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Entlang des Flusses wird Nassreisanbau praktiziert. Das westliche Gemeindegebiet liegt in einer Zone, in der Regenfeldbau betrieben wird.[14] Der große Samstagsmarkt im Hauptort wird von Händlern aus Niamey belebt. Verkauft werden vor allem Gemüse wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Zwiebeln sowie Töpferwaren aus Boubon.[15]

Bei M’Banga, ehemals ein von Ackerbauern besiedelter kleiner Weiler im Gemeindegebiet von Namaro, wird seit den 1980er Jahren Gold gewonnen. In den 2010er Jahren zogen die Goldförderanlagen zunehmend Zuwanderer aus dem In- und Ausland an und M’Banga entwickelte sich zu einer 5000-Einwohner-Siedlung, in der über 15 Sprachen verwendet werden. Die Siedlung untersteht kaum staatlicher Kontrolle, ihre Infrastruktur ist weitgehend privat organisiert. Es gibt einen unkontrollierten internationalen Markt. M’Banga ist ein Zentrum der Prostitution und berüchtigt für seine schlechte Sicherheitslage.

Im Dorf Larba Touloumbou gibt es mit einem Centre de Santé Intégré (CSI) ein Gesundheitszentrum, das 2016 offiziell für die Versorgung von über 11.000 Menschen zuständig war. Von 2011 bis 2014 wurden über 200 Cholera-Erkrankte, die überwiegend in M’Banga lebten, im CSI von Larba Touloumbou behandelt.[16] Weitere Gesundheitszentren des Typs Centre de Santé Intégré (CSI) sind im Hauptort sowie in den Siedlungen Balati, Bangou Koirey und Sikièye vorhanden.[17]

Der CEG Namaro ist eine allgemein bildende Schule der Sekundarstufe des Typs Collège d’Enseignement Général (CEG).[18]

Durch Namaro verläuft die Nationalstraße 4, die den Ort mit der Staatsgrenze zu Burkina Faso bei Téra verbindet.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Sidi Abdou: Dégradation des terres et mesures correctives du cordon dunaire de Namaro. Analyse diachronique et évaluation écologique des techniques de restauration. Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2012.
  • Idrissa Guisso Djibril Maïga: Temps des travaux agricoles et contraintes économiques et sociales d'exécution des opérations culturales. Cas du village de Yoreyzé Koira (Namaro). Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2012.
  • Seyni Zoumari Issa: Le Soney (Songhay) après la conquête marocaine, 1592–1900, formation des provinces historiques (Tera, Gooro (Goruol), Namaro, Kokoru, Gothey). Contribution à l’histoire du Soney post-impérial et précolonial (République du Niger). Dissertation. Universität Paris 1, Paris 1982.
  • Younoussi Issa: Les pouvoirs locaux et le rôle des femmes dans les arènes locales à l’heure de la décentralisation (site de Namaro, 2006) (= Etudes et Travaux du LASDEL. Nr. 85). LASDEL, Niamey/Parakou Mai 2011 (lasdel.net [PDF]).
  • Younoussi Issa: Les pouvoirs locaux et le rôle des femmes à Namaro (Etude de suivi an 4, 2008) (= Etudes et Travaux du LASDEL. Nr. 98). LASDEL, Niamey/Parakou Dezember 2011 (lasdel.net [PDF]).
  • N. Issaley, J.-P. Olivier de Sardan: Les élections locales à Namaro en 2004. In: Jean-Pierre Olivier de Sardan (Hrsg.): Élections au village. Une ethnographie de la culture électorale au Niger. Karthala, Paris 2015, ISBN 978-2-8111-1377-3, S. 255–272.
  • Jean-Pierre Olivier de Sardan: Les pouvoirs locaux et le rôle des femmes à Namaro (= Etudes et Travaux du LASDEL. Nr. 37). LASDEL, Niamey/Parakou März 2005 (lasdel.net [PDF]).
  • J.-P. Olivier de Sardan, Y. Issa, N. Issaley: Les pouvoirs locaux à Namaro (2) (= Etudes et Travaux du LASDEL. Nr. 46). LASDEL, Niamey/Parakou März 2005 (lasdel.net [PDF]).
  • Saidou Oumarou: Contribution à la mise en place d’un système de gestion sylvo-pastoral. Structure et composition des troupeaux bovins et estimation de la production laitière dans la zone d’intervention du projet aménagement des forêts naturelles de Hamadidé. Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni, Niamey 1992.
  • Moumouni Soumana: Possibilités d’extension de technologies agroforestières dans le village de Hondey. Cas des haies vives défensives. Centre Régional d’Enseignement Spécialisé en Agriculture (CRESA), Niamey 1997.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Répertoire National des Localités (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique, République du Niger, Juli 2014, S. 464–466, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 27. März 2022 (französisch).
  2. Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux. République du Niger, 11. Juni 2002.
  3. Ibrahim Oumarou Sadou, Souleymane Amadou: Monographie de la région de Tillabéri. (PDF) Institut National de la Statistique, République du Niger, Oktober 2016, S. 19, archiviert vom Original am 28. Dezember 2021; abgerufen am 17. Januar 2022 (französisch, Figure 2: Carte de zonage agro-écologique de la région de Tillabéri).
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 74–75.
  5. Boubou Hama: Histoire traditionnelle d’un peuple. Les Zarma-Songhay. Présence Africaine, Paris 1967.
  6. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 240.
  7. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.cic.ne Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  8. a b Répertoire National des Communes (RENACOM). (RAR) Institut National de la Statistique, République du Niger, archiviert vom Original am 2. Februar 2012; abgerufen am 27. März 2022 (französisch).
  9. Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S. 219 (web.archive.org [PDF; abgerufen am 4. Mai 2019]).
  10. Yveline Poncet: Cartes ethno-démographiques du Niger au 1/1 000 000. Notice des cartes (= Etudes nigériennes. Nr. 32). Centre Nigérien de Recherches en Sciences Humaines, Niamey 1973, Annex: République du Niger: Carte ethno-démographique au 1:1 000 000 (odsef.fss.ulaval.ca [PDF; abgerufen am 31. Januar 2021]).
  11. Résultats élections – Communales. Commission Électorale Nationale Indépendante, abgerufen am 2. Januar 2021 (französisch).
  12. Dorothee Gruner: Die Lehmmoschee am Niger. Dokumentation eines traditionellen Bautyps. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05357-3, S. 342.
  13. Hamadou Seini: Zarma-Songhoï Verbal Artistry and Expression: From the Epic to the Francophone Novel, with a Focus on Intertextual Dialogue Across the Genres. Dissertation. University of Colorado, Boulder 2013, S. 32 (scholar.colorado.edu [PDF; abgerufen am 22. Mai 2022]).
  14. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. (PDF) Save the Children UK, 2009, S. 8, abgerufen am 2. September 2020 (französisch).
  15. Dissirama Sabine Attama, Rita Dorigo, Toyé Amina Kiepin: Programme de Formation Modulaire en faveur de l’Artisanat Rural: Rapport de la mission d’identification dans la région de Gothèye et dans le Liptako Gourma. RESEDA, Niamey April 1994, S. 14 (web.archive.org [MS WORD; abgerufen am 19. März 2021]).
  16. Paul Cottavoz: WASH et choléra – stratégie bouclier dans les aires de santé les plus affectées des régions sanitaires de Tillabéri, Tahoua et Maradi. Rapport d’évaluation. (PDF) UNICEF Niger, Mai 2016, S. 42–43, abgerufen am 22. Mai 2022 (französisch).
  17. Niger DSS. In: Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS). Ministère de la Santé Publique, République du Niger, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  18. Niger – Recensement Scolaire 2008–2009, Enquête statistique. Dictionnaire des données. Institut National de la Statistique, République du Niger, 28. November 2013, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).