Nadorst

Stadtteil von Oldenburg (Oldb), Niedersachsen, Deutschland

Nadorst ist ein Stadtteil der niedersächsischen Großstadt Oldenburg (Oldb). Er erstreckt sich entlang der gleichnamigen Nadorster Straße, die eine der meistbefahrenen Straßen Oldenburgs ist, im Norden der Stadt.

Nadorst
Koordinaten: 53° 9′ 58″ N, 8° 13′ 36″ O
Eingemeindung: 1933
Vorwahl: 0441
Nadorst (Niedersachsen)
Nadorst

Lage von Nadorst in Niedersachsen

Nadorst (im Bild unten) mit dem Flötenteich
Nadorst (im Bild unten) mit dem Flötenteich

In Nadorst befinden sich neben dem Oldenburger TÜV zahlreiche Tankstellen, aber auch Arztpraxen, Restaurants, Cafés, Supermärkte, Autohäuser und Bürofachgeschäfte. Die große Angebotsvielfalt ist somit ein Charakteristikum Nadorsts. In Nadorst leben viele Menschen in Mehrfamilienhäusern, wobei es gerade entlang des Eßkamps auch viele Einfamilienhäuser gibt.

NameBearbeiten

Die Entstehung des Namens Nadorst ist noch unklar. Es gilt nicht als unwahrscheinlich, dass der Name sich tatsächlich von ‚Nachdurst‘ ableitet. Im Gebiet Nadorst eröffnete bereits 1600 die erste Gastwirtschaft.[1] Der Germanist Matthias Kramer sieht in seinem 1719 erschienenen Wörterbuch „Nachdurst (nach dem Gesöffe)“ als „Nadorst“.[2] Der Schriftsteller Karl Julius Weber schrieb 1828 in seinem Reisebericht über Oldenburg und seine Umgebung: „Auch Nadorst wird besucht, das seinen Namen von denen aus der Stadt kommenden Landleuten hat, die hier schon wieder einkehren, weil sie der Nachdurst plagt.“[3] Diese Erklärung scheint vor allem nicht ganz unwahrscheinlich vor dem Hintergrund, dass der Pferdemarkt, auf dem Pferdehandel betrieben wurde, im Süden von Nadorst liegt und sich die Landbevölkerung nach erfolgreichem Handel mit gefüllten Taschen nach Norden auf den Heimweg machte. Karl Andresen geht in seiner 1876 publizierten Volksetymologie allerdings davon aus, dass der Name sich von Nordhorst, was so viel wie im Norden gelegener Wald bedeutet, ableitet.[4]

GeschichteBearbeiten

1782 wird Nadorst (in dieser Schreibung) als Dorf in der Hausvogtey Oldenburg bezeichnet.[5]

Um 1840 war Nadorst ein Dorf im Kirchspiel Oldenburg mit 64 Häusern, in denen 509 Einwohner lebten.[6] Bei der Volkszählung 1864 ergaben sich 140 Haushaltungen in 94 Häusern mit 682 Einwohnern.[7]

Im Jahr 1885 richtete eine Windhose in Nadorst großen Schaden an. 12 Häuser wurden unbewohnbar.[8]

Am Stiller Weg, Standort des Bürgerbüros Nord sowie des TÜV, stand einst einer der beiden Galgen Oldenburgs. Der andere befand sich in der Straße Ewigkeit im Stadtteil Kreyenbrück.

VerkehrBearbeiten

Die Buslinien 301 (Richtung Ofenerfeld), 304 (Richtung Ofenerdiek), 324 (Richtung Ostring) der Oldenburger Verkehr und Wasser sowie die Linie 340 (Richtung Jaderberg / Wiefelstede) von Weser-Ems-Bus stellen die ÖPNV-Anbindung Nadorsts sicher.

Über eine Abfahrt der als Nordtangente bezeichneten Landesstraße 865 ist Nadorst an die westlich von Oldenburg führenden Autobahnen A 293 und A 28 sowie die östlich der Stadt verlaufende A 29 angebunden. Die zentrale Verkehrsachse Nadorster Straße verbindet das Stadtzentrum mit den weiteren Stadtteilen Ofenerdiek und Etzhorn.

Historische Entwicklung

Die Straße von Oldenburg nach Nadorst, als Chaussee bezeichnet, wurde 1831 fertiggestellt.[9] Noch im Jahr 1831 wurde in einer Regierungs-Bekanntmachung festgelegt, dass die Unterhaltung dieser vom Oldenburger Heiligen-Geist-Kirchhof bis Nadorst führenden und „mit Steinschlag belegten Chausseestrecke aus einem Wegegeld bestritten“ werden soll. Zur Erhebung wurden für die verschiedenen Nutzungen Tarife festgelegt, wie für „Reisewagen, beladene Wagen, Kutsche für jedes Pferd 2 Grote“. Zu Verstößen heißt in der Bekanntmachung: „Derjenige, der das Weggeld defraudiren sollte, wird polizeylich mit Geld oder Gefängnis bestraft.“ Als Einnehmer wurde der Wirt Hilbers in Nadorst beauftragt.[10] Die Straßen von Nadorst über Etzhorn, Wahnbek nach Loy wurde von den betroffenen Gemeinden „unter Beihülfe des Staates“ von 1875 an gebaut.[9] Heute heißen diese Straßen Nadorster Straße, Etzhorner Weg und Butjadinger Straße.[11]

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Munderloh: Die Bauerschaft Etzhorn: Geschichte der Dörfer Nadorst, Etzhorn, Wahnbek, Ipwege und Ipwegermoor, Munderloh-Verlag Oldenburg 1990

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fricke, K. (2010). Biertrinker gaben Stadtteil Namen. In NWZ Online. URL: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 29. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nwzonline.de
  2. Matthias Kramer: Das Königliche Nider-Hoch-Teutsch, und Hoch-Nider-Teutsch Dictionarium, Nürnberg 1719, S. 150 (Link zum Digitalisat)
  3. Carl Julius Weber: Deutschland, oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen, Band 4. Gebrüder Franckh, Stuttgart 1828, S. 196 (Link zum Digitalisat)
  4. Karl Andresen: Über deutsche Volksetymologie, Henninger, Heilbronn 1876, S. 70 (Link zum Digitalisat)
  5. Topographisches Reise-, Post- und Zeitungslexicon von Deutschland, Erster Band, bei Weidmanns Erben und Reich, Leipzig 1782, S. 844 (Link zum Digitalisat)
  6. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämtlichen Ortschaften der Deutschen Bundesstaaten, Zweite Abteilung, zweiter Band, Verlag von Eduard Zimmermann, Naumburg 1845, S. 180 (Link zum Digitalisat)
  7. Hof- und Staatshandbuch des Großherzogthums Oldenburg für 1868, Verlag der Schulzeschen Buchhandlung, Oldenburg 1868, S. 5, (Link zum Digitalisat)
  8. Monatsbericht der Deutschen Seewarte für 1885, S. 4 (Link zum Digitalisat)
  9. a b Justizrath Strackerjan: Geschichtliche Notizen über die Verkehrswege im nördlichen Theil des Herzogthums Oldenburg, in: Zeitschrift für Verwaltung und Rechtspflege im Grossherzogthum Oldenburg, Band 5, Gerhard Stalling, Oldenburg 1878, S. 146 und 149 (Link zum Digitalisat)
  10. Regierungs-Bekanntmachung vom 18. September 1831, Gesetzsammlung für das Herzogthum Oldenburg, Band 6, S. 649 (Link zum Digitalisat)
  11. Openstreetmap.org, Abruf am 12. Februar 2020