Hauptmenü öffnen

Museumsfahrzeuge des Straßenbahnmuseums Dresden

Die Museumsfahrzeuge des Straßenbahnmuseums Dresden sind in der Regel fahrbereit gehaltene historische Straßenbahntrieb- und -beiwagen, die dem Ziel des Straßenbahnmuseum Dresden e. V. entsprechen, „die historischen Straßenbahnen und die Anlagen der Straßenbahn in Dresden und im Umland als technische Zeitzeugen zu erhalten“.[1]

Stadtrundfahrt mit dem aufgearbeiteten historischen Triebwagen 309 am Dresdner Zwinger (1973)

Das älteste Fahrzeug ist ein 1902 in der Werkstatt des Betriebshofs Trachenberge gebauter Berolina-Triebwagen mit der Fahrzeugnummer 309, der bei der Eröffnungsfahrt auf der Plauenschen Grundbahn zum Einsatz kam. Kurz vor seiner Ausmusterung aus dem Liniendienst im Jahr 1965 wurde der Triebwagen unter Denkmalschutz gestellt und so vor der Verschrottung bewahrt. Für eine kurze, in München spielende Szene der Johannes-R.-Becher-Verfilmung Abschied wurde der Triebwagen ab Herbst 1967 für die DEFA nach einem Farbfoto des Jahres 1910 entsprechend aufgearbeitet und umgestaltet. Die Arbeiten fanden so statt, dass spezifisch Münchner Elemente nach den Filmaufnahmen (1968) leicht wieder abgenommen und durch erneutes Umspritzen (1969) der historische Zustand wiederhergestellt werden konnte. Im Jahr 1992 gehörte der Wagen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) zum Grundstock der Sammlung des neu gegründeten Museumsvereins.[2] Von diesem wird er auch mit dem optisch passenden Beiwagen 87 gekuppelt, der 1911 ebenfalls als Eigenbau im Betriebshof Trachenberge entstand.

Die hier angegebenen Fahrzeugnummern folgen der Angabe des Straßenbahnmuseums,[3] auf die Wiedergabe früherer Nummern wurde in der Regel verzichtet.

Inhaltsverzeichnis

TriebwagenBearbeiten

Foto Bezeichnung Fahrzeug­nummer Hersteller Baujahr Kommentar
  Berolina-Triebwagen 309 Deutsche Straßenbahn­gesellschaft Dresden, Btf. Trachenberge
(Berolina-Fahrgestell, elektrische Ausrüstung von AEG)
1902 Dresdner Eigenbau, bis 1965 im Linieneinsatz, danach Aufarbeitung, seit 1968 historisches Fahrzeug,[4]: S. 388 1997 erneut restauriert; denkmalgeschützt
  Union-Triebwagen 4012

(historische Nummer 598)
Städtische Straßenbahn Dresden
(Elektrik von AEG)
1911 Dresdner Eigenbau mit Dachscheinwerfern und Fahrgestell „Berolina neu“, 1926/1927 Umbau (Ecklaternen, Scheinwerfer im Plattformblech, neue Elektrik und Motoren), 1931 bei der Kastenüberholung mit eckigen Fenstern versehen, 1948 Lyrabügel gegen Scherenstromabnehmer getauscht, 1957 Generalreparatur (glatte Seitenwände, Tausch des Fahrgestells gegen Union-Fahrgestell mit zwei AEG-Motoren), ab 1970 Rangierwagen, für den Fernseh­zweiteiler Meines Vaters Straßenbahn 1979 zum Arbeits-Triebwagen 3148 umgestaltet, 1996 wegen fehlender Hauptuntersuchung abgestellt und dem Museum übergeben, 2003 als nicht betriebsfähiger Triebwagen 598 im Zustand der 1960er, 2006 in den Zustand der 1930er mit dem Lyrabügel des Tw 309 versetzt, teilweise Nutzung als Garderobe[5][4]: S. 389
  MAN-Einrichtungswagen 734 Waggonbau Busch, Bautzen
(MAN-Fahrgestell, Siemens-Motoren, AEG-Elektrik)
1913 1966 in Eigenleistung zum Einrichtungswagen umgebaut und modernisiert, seit 1984 Traditionswagen, dazu passender Beiwagen 1029[4]: S. 391
  MAN-Arbeitstriebwagen 765 Städtische Straßenbahn Dresden
(MAN-Fahrgestell, Siemens-Motoren, AEG-Elektrik)
1920 Zweirichtungstriebwagen (sonst wie MAN-Einrichtungswagen 734), 1961 modernisiert[4]: S. 391
  MAN-Triebwagen 1644 Waggonbau Busch, Bautzen
(Siemens-Motoren, AEG-Elektrik)
1925 Traditionswagen seit 1991 im Zustand von 1955, gekuppelt mit Beiwagen 1135[4]: S. 390
  Union-Triebwagen 937 Städtische Straßenbahn Dresden
(Elektrik von Siemens)
1927 Dresdner Eigenbau, seit 1972 im Bestand der historischen Fahrzeuge[4]: S. 389
  Großer Hecht 1716 Waggonbau Busch, Bautzen
(Sachsenwerk-Elektrik)
1931 im Zustand der sechziger Jahre, dazu passender Stahlbeiwagen 1314[4]: S. 392
  Kleiner Hecht 1820 Waggonbau Busch, Bautzen
(Sachsenwerk-Motoren)
1938 seit 1972 mit Beiwagen 1219 als Traditionszug[4]: S. 393
  Triebwagen 240 005-8 Gothaer Waggonfabrik AG
(AEG-Motoren)
1942 Einer von acht von den Erfurter Verkehrsbetrieben ab 1968 übernommenen und 1969 modernisierten Triebwagen zur Modernisierung des Wagenparks der Lockwitztalbahn (Linie 31 der DVB), nach deren 1977 erfolgter Einstellung mit zwei weiteren Wagen nach Bad Schandau an die Kirnitzschtalbahn verkauft, 1994 mit einem zweiten Wagen durch den Förderverein Lockwitztalbahn e. V. zurückgekauft und am Kurpark der Bavaria-Klinik in Kreischa öffentlich abgestellt,[6] mangels dauerhafter Unterbringung 2007 an das Straßenbahnmuseum abgegeben (das andere Fahrzeug wieder nach Erfurt)[7][4]: S. 399
  Einheitstriebwagen ET 54 1538 VEB Waggonbau Gotha
(Elektrik vom LEW Hennigsdorf)
1956 1967 in Eigenleistung zum Einrichtungstriebwagen umgebaut und an die ET 57 angeglichen, mit Beiwagen 1361 und 1362 in diesem Zustand erhalten[4]: S. 394
  Einheitstriebwagen ET 57 1587 VEB Waggonbau Gotha
(Elektrik vom LEW Hennigsdorf)
1959 auch als „Gothawagen“ bekannter Zweirichtungswagen, passende Beiwagen 1413 und 1422[4]: S. 395
  Einheitstriebwagen T59E 1512 VEB Waggonbau Gotha
(Elektrik vom LEW Hennigsdorf)
1960 auch als ET 60 bezeichnete Variante des ET 57 als Einrichtungswagen, ab 1990 als Güterwagen genutzt und 1993 in den Museumsbestand übergeben, Aufarbeitung, Wiederinbetriebnahme zum Jahreswechsel 1994/1995, ab 2002 umfassende Rekonstruktion, seit 2013 wieder im Auslieferungszustand, passende Beiwagen 1413 und 1422[8][4]: S. 395
  Großraum-Triebwagen T4 (T4-62) 1734 VEB Waggonbau Gotha
(Elektrik vom LEW Hennigsdorf)
1962 im Rahmen der Typenbereinigung wurden die Modelle 1968/69 an die Straßenbahn Berlin abgegeben, Triebwagen 1734 wurde 1995 wieder nach Dresden geholt, passender Beiwagen 2015 folgte 1996[4]: S. 396
  Tatra T4D 2000 ČKD Tatra, Prag
(Elektrik von ČKD Trakce, Prag)
1967 Prototyp der Tatra-Wagen in Dresden, jahrelang als Fahrschulwagen genutzt, anschließend aufgrund seiner Bedeutung zum Traditionsfahrzeug umgenutzt, seit 2002 mit Triebwagen 1998 und Beiwagen 272 105-7 als Großzug mit Doppeltraktion nutzbar[4]: S. 397
  Tatra T4D 1998 ČKD Tatra, Prag
(Elektrik von ČKD Trakce, Prag)
1968 seit 2002 im Museumsbestand und im T4D-T4D-B4D-Großzug nutzbar[4]: S. 397
  Tatra T6A2 226 001-2 ČKD Tatra, Prag
(Elektrik von ČKD Trakce, Prag)
1985 seit 1986 in Dresden nach ausgiebigen Tests in Prag, durch die Wende keine Übernahme der Baureihe in den Serienbetrieb, Nutzung im Großzug als Stadtrundfahrtwagen, seit 2000 im Museumsbestand[4]: S. 397

Beiwagen im PersonenverkehrBearbeiten

Foto Bezeichnung Fahrzeug­nummer Hersteller Baujahr Kommentar
  Kleiner Normalbeiwagen 87 Städtische Straßenbahn Dresden, Btf. Trachenberge 1911 Dresdner Eigenbau[4]: S. 388 gekuppelt an Berolina-Triebwagen 309
  Großer Normalbeiwagen 307 Städtische Straßenbahn Dresden 1912 Dresdner Eigenbau, seit 1972 im Bestand der historischen Fahrzeuge, passend zu Union-Triebwagen 937[4]: S. 389
  Großer Normalbeiwagen 1135 Städtische Straßenbahn Dresden 1918 Dresdner Eigenbau, seit 1981 Traditionswagen, passend zu Triebwagen 1644[4]: S. 390
Schwebeachsbeiwagen 1219 Städtische Straßenbahn Dresden 1926 1938/39 vom Normalbeiwagen zum Schwebeachsbeiwagen für den Kleinen Hecht umgebaut, seit 1972 mit Triebwagen 1820 Traditionszug[4]: S. 393
Normaleinrichtungsbeiwagen 1029 Waggonfabrik Lindner, Ammendorf 1925 1966 in Eigenleistung zum Einrichtungswagen umgebaut und modernisiert, passend zu MAN-Einrichtungstriebwagen 734[4]: S. 391
Stahlbeiwagen 1314 Christoph & Unmack, Niesky 1929 seit 1972 Traditionswagen, passend zum Großen Hecht[4]: S. 392
  Einheitsbeiwagen EB 54 1361 VEB Waggonbau Gotha 1956 als Zweirichtungswagen der Serie 1361–1390 in Betrieb genommen, 1967 zum Einrichtungsbeiwagen umgebaut und an die EB 57 angepasst, 1989 zur Aufarbeitung abgestellt, seit 1992 im Museumsbestand, Instandsetzung ab 1997 und Wiederinbetriebnahme 10/1998 und 5/1999 als historische Beiwagen, mögliche Zusammenstellung als Großzug mit dem ET 54 Nr. 1538[9][4]: S. 394
  Einheitsbeiwagen EB 54 1362 VEB Waggonbau Gotha 1956
  Einheitsbeiwagen EB 57 1413 VEB Waggonbau Gotha 1957 passend zu den Triebwagen 1587 (ET 57) und 1512 (T59E/ET 60)[4]: S. 395
Einheitsbeiwagen EB 57 1422 VEB Waggonbau Gotha 1959
  Großraum-Beiwagen B4 (B4-63) 2015 VEB Waggonbau Gotha 1963 im Rahmen der Typenbereinigung wurden die Modelle 1968/69 an die Straßenbahn Berlin abgegeben, Beiwagen 2015 wurde 1996 (dem Triebwagen 1734 folgend) wieder nach Dresden geholt[4]: S. 396
  Tatra B4D 272 105-7 ČKD Tatra, Prag 1971 seit 2002 im Museumsbestand und im T4D-T4D-B4D-Großzug nutzbar[4]: S. 397

Sonstige FahrzeugeBearbeiten

Foto Bezeichnung Fahrzeug­nummer Hersteller Baujahr Kommentar
  Güterlok Freital 3091 Henschel & Sohn, Kassel 1905 Güterlokomotive der Güterbahn Deuben[4]: S. 402
  Postwagen 35 Waggonfabrik Lindner, Ammendorf 1908 Postwagen,[4]: S. 403 inzwischen in der Lackierung der Lockwitztalbahn
Werkstattlore 3406 Städtische Straßenbahn Dresden
(Meinecke-Fahrgestell)
1920 als offene Werkstattlore für den Straßenbahnhof Mickten zum Transport zwischen einzelnen Werkstätten gebaut, auf der Ladefläche mit vier Schienen zum Transport von Radsätzen in Stadtspur und Meterspur (Lößnitzbahn), Ende der 1970er als rollende Werkbank abgestellt, 1984 zum Transportwagen für T4D-Güterzüge umgebaut (aufgrund der fehlenden Kupplung immer nur zweite Lore),[10] Anfang der 1990er Jahre abgestellt, seit 1992 im Museumsbestand und in den Zustand von 1947 zurückversetzt[11][4]: S. 400
  Schüttgutbeiwagen 3301 Städtische Straßenbahn Dresden 1921 „Bienert“-Schüttgutbeiwagen[4]: S. 401
Drehschemelwagen 3428 Städtische Straßenbahn Dresden 1925 einachsiger Drehschemelwagen[4]: S. 401
  Güterbeiwagen 3261 Dresdner Straßenbahn AG 1932 Tieflader[4]: S. 400
  Kippbeiwagen 3207 VEB LOWA, Werdau 1955 Kipper mit hoher vorderer Stirnwand[4]: S. 400
Rollwagen 3500 VEB Verkehrsbetriebe Dresden 1969 Rollwagen zum Transport meterspuriger Fahrzeuge der Güterbahn Deuben[4]: S. 402
  Gleismesswagen 251 101-5 RAW Leipzig-Engelsdorf 1970 Kurzwagen mit geschlossener Kabine[4]: S. 401
Leiterwagen 251 102-3 VEB Verkehrsbetriebe Dresden
(Fahrgestell von Christoph & Unmack)
1974 Aufbau einer Drehleiter in Eigenbaumaßnahme[4]: S. 401

FußnotenBearbeiten

  1. Geschichte des Vereins STRASSENBAHNMUSEUM DRESDEN e.V. Abgerufen am 15. November 2015.
  2. Alfred Gey, Reiner Fäthe: Der älteste Museums-Straßenbahnwagen in Dresden wurde 100 Jahre (Memento vom 2. Juni 2014 im Internet Archive), Straßenbahnmuseum Dresden e. V., 2001–2005.
  3. Museumsfahrzeuge. Straßenbahnmuseum Dresden e. V., abgerufen am 15. November 2015.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj Typenblätter historischer Straßenbahnen. (PDF; 4,3 MB) DVB AG, abgerufen am 15. November 2015.
  5. Kleiner städtischer Quersitz-Triebwagen 598 (A4h). (PDF; 1,3 MB) Straßenbahnmuseum Dresden, abgerufen am 8. Dezember 2015.
  6. Lockwitztalbahn Kreischa. In: Bahninfo.net. Abgerufen am 15. November 2015.
  7. Lockwitztalbahn. In: Dresdner-Stadtteile.de. Abgerufen am 15. November 2015.
  8. Gotha-Triebwagen 1512 (A22). (PDF; 1,3 MB) Straßenbahnmuseum Dresden, abgerufen am 8. Dezember 2015.
  9. Lowa-Beiwagen 1361+1362 (B21). (PDF; 8,4 MB) Straßenbahnmuseum Dresden, abgerufen am 8. Dezember 2015.
  10. [Strab] [DD] Bilderbogen Dresdner Arbeitswagen Teil 2. In: Drehscheibe-Online.de. Abgerufen am 8. Dezember 2015 (Fotos eines T4D mit dieser Lore im Straßenbahnhof Pfotenhauerstraße (Johannstadt) auf dem Gelände des heutigen MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik).
  11. Güterlore 3406 (CIV07). (PDF; 2,8 MB) Straßenbahnmuseum Dresden, abgerufen am 8. Dezember 2015.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Museumsfahrzeuge des Straßenbahnmuseums Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien