Mordfall Stefan Lamprecht

Kriminalgeschichte

Als Mordfall Stefan Lamprecht wird die ungeklärte Ermordung des 13-jährigen Stefan Lamprecht zwischen dem 2. und 8. August 1995 in Berlin bezeichnet.

SachverhaltBearbeiten

Stefan Lamprecht wurde am 20. April 1982[1] in der DDR geboren, wohnte jedoch bereits vor der Wende mit seiner Mutter und seiner Schwester in Kiel. In Teilen der Sommerferien des Jahres 1995 hielt er sich ab dem 16. Juli bei seinem Vater und seiner Großmutter in Berlin auf. Diese wohnten im Bezirk Prenzlauer Berg in der Seelower Straße, nahe dem U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee. Nachdem er einige Zeit zuvor nach gemeinsamem Baden mit einem Freund im Freibad Pankow seine Badesachen bei diesem in der Sellinstraße vergessen hatte, wollte er diese bei ihm abholen. Dazu brach er am 2. August gegen 15:00 Uhr bei der Wohnung seiner Großmutter auf, begab sich zu seinem Freund und verließ wiederum dessen Wohnung mit den in einer weißen Plastiktüte gepackten Schwimmsachen gegen 16:15 Uhr. Dort wurde er auch letztmals gesehen.

Da Stefan als sehr zuverlässig galt und er mit ihm Nachtangeln gehen wollte, erstattete sein Vater in den späten Abendstunden Vermisstenanzeige. Die Leiche von Stefan Lamprecht wurde am Dienstag, den 8. August, beim Entladen von aus Berlin stammendem Hausmüll aus einem Eisenbahnwaggon auf der Mülldeponie Schöneiche bei Mittenwalde gefunden. Da Stefans Leiche ohne seine Kleidung, welche aus einer kurzen, hellblauen verwaschenen Jeanshose, einem grünen, ärmellosen T-Shirt und Sandalen bestand, und mit zahlreichen Messerstichen, darunter im Unterleib, aufgefunden wurde, wird von einem Sexualmord ausgegangen.

Bekleidung und Badesachen wurden nicht gefunden. Die Ermittlungen blieben bis heute erfolglos. Es ist unklar, mit welchen Transportmitteln der 1,54 Meter große, schlanke Junge den 2,5 km langen Weg von der Seelower Straße in die Sellinstraße bewältigt hat. Er kann sowohl zu Fuß gegangen sein als auch öffentliche Verkehrsmittel entlang der Schönhauser Allee bzw. der Berliner Straße zwischen Pankow und Prenzlauer Berg, wie etwa die Straßenbahn, genutzt haben. Da keine weiteren Kontakte innerhalb Berlins bestanden, wird von einem zufälligen Aufeinandertreffen mit dem Täter ausgegangen, welcher seine sadistischen Phantasien aber bereits im Vorfeld durchgespielt oder mitgeteilt haben könnte. Trotzdem ist es denkbar, dass der Mörder sozial integriert, unauffällig, sicher und selbstbewusst sein könnte. Weil Stefan Lamprecht hilfsbereit war, ist es möglich, dass er um einen Gefallen gebeten wurde. Da er bereits rauchte, ist es ebenfalls denkbar, dass der Kontakt so zustande kam. Auffällig ist, dass seine Leiche eine erhebliche Blutalkoholkonzentration aufwies, obwohl er nicht trank. Hierbei ist auch eine gewaltsame Verabreichung denkbar. Vermutlich befand sich der Junge für einige Zeit an einem ruhigen Ort in der Hand seines Mörders. Aufgrund von Funden im Müllwaggon wird davon ausgegangen, dass seine Leiche im Bereich Schönhauser Allee/Berliner Straße in den Hausmüll gelegt wurde.

Auch eine zwischenzeitliche Ablage ist denkbar, da die gesamte Leiche panadeartig mit Braunkohlerückständen überzogen war, was auf eine entsprechende Lagerstätte hindeuten könnte. Weiter ist auffällig, dass die Müllsäcke am Körper tendenziell eher als Kleidung denn als Verpackungsmaterial wirkten, was eine Beziehung des Täters mit dem Material denkbar erscheinen lässt.[2]

RezeptionBearbeiten

Der Fall erfuhr eine über Jahre andauernde Medienresonanz.[3][4][5][6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Find A Grave. Stefan Lamprecht. Find A Grave, Inc., 16. Oktober 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015 (englisch).
  2. Landeskriminalamt Berlin: Fragen der Kriminalpolizei im Mordfall Stefan Lamprecht 25. August 2013 (Memento des Originals vom 12. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de, abgerufen am 18. Oktober 2015
  3. Sandra Dassler: 18 Jahre nach dem Fall Stefan Lamprecht. Polizei sucht Kindesmörder. Der Tagesspiegel, 10. Oktober 2011, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  4. Grausamer Sexualmord bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ – Fahndung nach dem Killer von Stefan Lambrecht (†13). Der Junge verschwand 1995 in Berlin-Pankow – und wurde im Müll gefunden. Bild, 26. Oktober 2014, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  5. Rudi Cerne: Aktenzeichen XY … ungelöst. ZDF, 29. Oktober 2014, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  6. „Aktenzeichen XY. .ungelöst“ fahndet nach Mörder von Stefan Lamprecht. Focus, 26. Oktober 2014, abgerufen am 18. Oktober 2015.