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Molke

Milchprodukt, wässrige Restflüssigkeit bei der Käseherstellung
Molke

Molke (auch Molken, Käsemilch, Schotte, Sirte, Waddike, Wedicke oder Zieger[1][2] genannt) ist die wässrige grünlich-gelbe Restflüssigkeit, die bei der Käseherstellung entsteht. Sie ist der flüssige Teil, der nach der Gerinnung der Milch zu Käse oder Quark abgesondert werden kann. Es gibt zwei Sorten von Molke: die Süßmolke (auch Labmolke), die entsteht, wenn man Milch mit Lab zur Käseherstellung dicklegt, und die Sauermolke, die entsteht, wenn Milch durch Milchsäurebakterien zersetzt wird.

Inhaltsverzeichnis

EigenschaftenBearbeiten

VorzugsmilchRohmilchFettarme MilchFrische VollmilchRahmSauerrahmKondenssahneButtermilchMilchpulverKondenssahnefettarme H-MilchSahneButterButterschmalzMagermilchKondensmagermilchMagermilchpulverMolkepulverSahnejoghurtJoghurtKefirQuarkSchmelzkäseMascarponeFrischkäseSauermolkeMolkenbutterCrème fraîcheKaffeesahneCrème doubleSchmandSaure SahneSauerrahmbutterSauermilchkäseHartkäseKochkäseMilchflüssigkeitSchnittkäseMildgesäuerte ButterSüßmolkeTeilentrahmte KondensmilchWeichkäseGeklärte ButterSchlagsahnePasteurisierte MilchBrühkäseDickmilchSalzlakenkäseDicketeMolkenkäseMagere RohmilchH-VollmilchSterilmilchBloghurt / Joghurt mildESL-MilchMilchprodukteDatei:Milch.svg 
Molke bei der Herstellung verschiedener Milcherzeugnisse

Molke besteht zu 94 % aus Wasser, zu 4 bis 5 % aus Milchzucker und ist nahezu fettfrei. Außerdem enthält sie Milchsäure, die Vitamine B1, B2 (dies bewirkt die grünliche Farbe) und B6 sowie Kalium, Calcium, Phosphor und andere Mineralstoffe, doch vor allem 0,6 bis 1 % Molkenprotein. Molke enthält deutlich weniger Eiweiß als Milch. Insbesondere enthält sie anders als Milch kein Kasein. In Milch ist das Kasein hingegen das Haupteiweiß. Süßmolke hat einen pH-Wert von 5,6 oder mehr, Sauermolke 5,1 oder weniger.[3]

VerwendungBearbeiten

LandwirtschaftBearbeiten

Molke wird heute hauptsächlich in der Schweinezucht verwendet, vor allem als Molkenpulver. Viele Käsereien arbeiten daher eng mit Schweinemästereien zusammen.

KäseherstellungBearbeiten

Süßmolke dient auch zur Herstellung von Molkenkäse. Molkenkäse ist nahezu fettfrei. Die flockige Masse, die sich nach dem Erhitzen der Süßmolke an der Oberfläche absetzt, ist Ausgangsstoff für die Erzeugung von Molkenkäse. Oftmals wird die Süßmolke noch angesäuert. Sehr bekannt sind die Käsesorten Ricotta, Ziger, der korsische Brocciu oder der norwegische Braunkäse.

GetränkeBearbeiten

Molke wird verschiedenen Erfrischungsgetränken (z. B. Rivella, dieses enthält das Milchserum, oder Lattella) zugesetzt. Sie ist der Rohstoff für die Gewinnung von Milchserum, einer beinahe farblosen Flüssigkeit, die man durch Abtrennen der in der Molke noch vorhandenen Eiweiße gewinnt. Milchserum enthält nur noch die wasserlöslichen Bestandteile der Milch: Lactose, Mineralstoffe und wasserlösliche Vitamine. Setzt man dem Milchserum Fruchtkonzentrat, Gewürze, Aromen und Zucker zu, erhält man ein erfrischendes Milchserumgetränk. Neuerdings stellen verschiedene Getränkehersteller auch Cola, Apfelschorle und Orangenlimonaden aus Molke her, um mit dem Molkenmischerzeugnis das deutsche Pfandgesetz zu umgehen. Die mit der Molke hergestellten Getränke sind dadurch allerdings nach einem Urteil des LG Düsseldorf vom 29. Oktober 2010 (Az. 38 O 26/10)[4] nicht mehr pfandfrei, denn die im Endprodukt vorhandenen Inhaltsstoffe unterscheiden sich gar nicht oder kaum von ähnlichen Erfrischungsgetränken, die ohne Molke hergestellt sind.

Sonstige Nutzung zur ErnährungBearbeiten

Viele Kraftsportler benutzen das Molkenprotein für den Muskelaufbau. Da das Molkenprotein schnell verdaut wird und dem Körper somit schnell zur Verfügung steht, kommt es häufig in Post-Workout-Shakes vor.

Das eiweißhaltige Molkepulver findet zum Beispiel in Bäckereien, bei der Fertignahrungs­herstellung und in den Molkereien selbst Anwendung.

Wird Süßmolke bei hoher Hitze gerührt und reduziert, entsteht der leicht karamellisierte Sig, der regional als Süßware verwendet wird.

Kur- und WellnessproduktBearbeiten

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die als (bereits im Mittelalter bekannt) mild laxierend wirkende[5] Molke als Lebenselixier angepriesen. Es entstanden zahlreiche Kuranstalten, um «Zivilisationskrankheiten» der städtischen Bevölkerung, ja selbst Lungenkrankheiten und Tuberkulose zu heilen. Um 1890 bestanden in der Schweiz gegen dreißig Molkenkurorte, doch schon um 1900 wurde Molke als nutzlos betrachtet.[6] Die Molkekur war auch Programm und Teil der um 1900 virulenten Lebensreform-Bewegung.

In jüngster Zeit hat sie im Fasten- und Wellnessangebot ein gewisses Revival erfahren; siehe den Artikel Molke-Fasten.

Industrielle NutzungBearbeiten

In der Kosmetik wird Molke ebenfalls verwendet. Sie wird zum größten Teil auch als Trockenpulver für industrielle Anwendung zwischengelagert.

Molke kann auch als Dünger verwendet werden. Eine weitere Anwendung findet die Molke als Komplexmedium (C-Quelle) in der Biotechnologie. Darüber hinaus wird Molke als Stickstoff­träger in der Bauindustrie verwendet, um in Energiesparhäusern die Brennbarkeit des Dämmstoffes Holzspäne zu reduzieren. Dabei werden die Holzspäne in Molke getränkt und getrocknet.

LiteraturBearbeiten

  • Erich Funck: Geschichtliches über Molke und Milchzucker. In: Milchwissenschaft 3, 1948, Heft 6, S. 152–160.
  • H.G. Kessler: Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik, Molkereitechnologie. A. Kessler, München 1996, ISBN 3-9802378-4-2.
  • Quirinus Reichen: Molkenkur. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • T. Sienkiewicz, C. Riedel: Whey and Whey Utilization. Th. Mann, Gelsenkirchen-Buer 1990, ISBN 3-7862-0086-6.
  • P. Walstra, J.T.M. Wouters, T.J. Geurts: Dairy Science and Technology. CRC Press, Boca Raton FL 2006, ISBN 0-8247-2763-0.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Molke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Molke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Molken auf peter-hug.ch
  2. Molke auf duden.de
  3. Gregory D. Miller: Handbook of Dairy Foods and Nutrition, Third. Auflage, CRC Press, 2006, ISBN 978-1-420-00431-1, S. 39.
  4. Volltext des Urteils des LG Düsseldorf vom 29. Oktober 2010, Az. 38 O 26/10
  5. Gundolf Keil: „blutken – bloedekijn“. Anmerkungen zur Ätiologie der Hyposphagma-Genese im ‚Pommersfelder schlesischen Augenbüchlein‘ (1. Drittel des 15. Jahrhunderts). Mit einer Übersicht über die augenheilkundlichen Texte des deutschen Mittelalters. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013, S. 7–175, hier: S. 21.
  6. Quirinus Reichen: Molkenkur. In: Historisches Lexikon der Schweiz.