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Der Militärputsch vom 27. Mai 1960 in der Türkei war eine Reaktion auf Proteste gegen die zunehmend autoritärer werdende Regierung unter Adnan Menderes. Es war der erste Staatsstreich seit Gründung der Republik. Im Mai 1971 und im September 1980 putschte das Militär erneut.

Zur VorgeschichteBearbeiten

Unter Führung von Mustafa Kemal Atatürk, der 1923 die türkische Republik gegründet hatte, wurden zahlreiche Reformen durchgeführt, die die Türkei in einen säkularen, modernen, an Europa orientierten Staat wandelten. Sein Nachfolger Ismet Inönü führten die Reformen fort. Nach dem Ende des Einparteiensystems der bis dahin regierenden Republikanische Volkspartei (CHP) und der Zulassung des Mehrparteiensystems, wurde am 7. Januar 1946 von u. a. Adnan Menderes und Celar Bayar die Demokratische Partei (DP) gegründet. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juli 1946 errang die CHP die meisten Stimmen und konnte weiterhin eine Alleinregierung bilden. Bei den Parlamentwahlen im Jahr 1950 erhielt die DP die meisten Stimmen, war jedoch stärker im Parlament vertreten, als sie an Wählerstimmen bekommen hatte. Dies war eine Folge des Mehrheitswahlrechtes. Das Gesetz dazu hatte noch die CHP unter Atatürk ausgearbeitet.

Nach der Parlamentswahl 1950 bot das türkische Militär dem zum Oppositionsführer "degradierten" Ismet Inönü erfolglos an gegen die Regierung zu putschen, da sie befürchteten, dass die neue Regierung gegen die Prinzipien des Kemalismus handeln oder diese zu beseitigen versuchen könnte. Nachdem die DP-Regierung 1950 den Antrag auf NATO-Mitgliedschaft gestellt hatte, trat die Türkei zusammen mit Griechenland am 18. Februar 1952 der NATO bei.

Die Zustimmung zur Regierung von Adnan Menderes und zur Demokratischen Partei (DP) ließ während der 1950er Jahre nach. Bei der Parlamentswahl in der Türkei 1950 erhielt sie 54,5 % der Stimmen, 1954 57,5 % und bei der Wahl im Oktober 1957 nur 47,9 %. Das Wahlrecht bewirkte, dass die DP 69,5 % der Sitze erhielt. In der Folge gab es innerhalb der DP von bekannten Mitgliedern Kritik an Menderes' autoritärem Regierungsstil. Parteiaustritte waren eine Folge. Die Regierung verlor bei der Bevölkerung auch an Rückhalt, weil der wirtschaftliche Fortschritt nur Wenigen zugutekam. Ihre Wahlerfolge hatte die DP der von der CHP der bis dahin weitgehend vernachlässigten Landbevölkerung zu verdanken. Während der Regierung von Adnan Menderes ging die DP dazu über die oppositionelle CHP zunehmend zu unterdrücken. So wurde von der DP vor der Wahl 1957 ein Gesetz verabschiedet, dass es der CHP untersagte mit anderen Oppositionsparteien ein Wahlbündnis einzugehen.

Auf Kritik reagierte die Regierung sehr gereizt. Im Parlament setzte die Mehrheit der Regierungspartei im April 1960 einen Ausschuss ein, dem es erlaubt war, die Presse zu zensieren, Zeitungen zu verbieten und Haftstrafen zu verhängen. Daraufhin kam es ab 28. April 1960 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften, die sich v. a. auf Istanbul und Ankara beschränkten, aber auch teilweise auf Izmir überschwapten. Die Verhängung des Kriegsrechtes brachte auch keine Beruhigung, da die Proteste nicht abrissen, denen sich auch Kadetten der Militärakademie in Ankara anschlossen. Der Oberbefehlshaber Cemal Gürsel trat daraufhin am 3. Mai 1960 zurück. Unterstützt wurden die Proteste von Teilen der akademisch gebildeten Elite und Angehörigen des Militärs unterhalb der Generalsebene.[1]

AblaufBearbeiten

Am 27. Mai 1960 übernahmen das Komitee der Nationalen Einheit, das sich innerhalb der Türkischen Streitkräfte gebildet hatte, die Macht in der Türkei. Zu den 38 Offizieren, die Adnan Menderes stürzten, der später zum Tode verurteilt werden sollte, gehörte der Oberst Alparslan Türkeş. Dieser überwarf sich jedoch mit dem Komitee der Nationalen Einheit und wurde mit 13 weiteren Offizieren aus dem Kreis ausgeschlossen. General Cemal Gürsel übernahm die Führung des Komitees der Nationalen Einheit (MBK), obwohl Generalmajor Cemal Madanoğlu den eigentlichen Befehl während der Revolution ausübte. Das MBK hob die Ausgangssperre ebenso wie das Kriegsrecht auf, was zu großem Jubel und Feiern der Bürger in Istanbul und Ankara führte. Der Führer der bisherigen Opposition in der Großen Nationalversammlung Ismet Inönü bezeichnete den Militärputsch als "legitime Revolution". Während des Putsches wurde nicht nur führende Politiker und Funktionäre der DP, sondern auch der Generalstabschef von den Putschisten verhaftet und vor Gericht gestellt. Es wurde ein Hoher Gerichtshof gebildet, dessen Mitglieder vom MBK ernannt wurden und der die Yassıada-Prozesse durchführte gegen insgesamt 592 Menschen.

Einer der offiziellen Gründe für den Aufstand war der Vorwurf, die DP hätte sich über kurdische Stammesführer und Scheichs in ihren Reihen für einen Regionalismus zugunsten der Kurden eingesetzt.[2]

Am 29. September 1960 wurde die DP verboten durch Gerichtsbeschluss, u. a. mit der Begründung sie habe gegen ihr eigenes Parteiprogramm verstoßen.

Der umstrittene Schweizer Historiker Daniele Ganser behauptete in seiner 2005 veröffentlichten Dissertation, die Central Intelligence Agency (CIA) sei am Militärputsch beteiligt gewesen. Der Historiker Christopher Gunn wies diese These 2015 im Detail zurück: Ganser habe seine Angaben ungeprüft von Selahattin Çelik übernommen. Er gebe keinen Beleg für Vorkenntnisse der US-Botschaft in Istanbul von den Putschzielen.[3]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klaus Kreiser, Christoph K. Neumann: Kleine Geschichte der Türkei. Bonn 2005, S. 427 f.
  2. Martin Strohmeier, Lale Yalçın-Heckmann: Die Kurden, C.H.Beck Verlag, München 2000, ISBN 3-406-42129-6, S. 103
  3. Christopher Gunn: 1960 Coup in Turkey: A U.S. Intelligence Failure or a Successful Intervention? In: Journal of Cold War Studies. 17, Nr. 2, 2015, S. 103–139, hier S. 115 f. doi:10.1162/JCWS_a_00550.