Matthias Moosdorf

deutscher Cellist und Hochschullehrer

Matthias Moosdorf (* 1965 in Leipzig) ist ein deutscher Cellist und Politiker (AfD).

LebenBearbeiten

MusikBearbeiten

Matthias Moosdorf ist der Sohn des Leipziger Violinisten Otto-Georg Moosdorf.[1] Nach der Berufsausbildung (Elektronik) mit Abitur studierte er an der Hochschule für Musik in Leipzig bei Jürnjakob Timm, Wolfgang Weber und Gerhard Bosse. 1991 legte er das Konzertexamen ab und war bis 1996 Assistent an der Leipziger Hochschule, an der er anschließend bis 2006 einen Lehrauftrag für Violoncello und Kammermusik innehatte.[2]

Moosdorf war von 1988 bis 2019 Mitglied des Leipziger Streichquartetts, mit dem er über 120 CDs einspielte und in 60 Ländern gastierte. Gleichzeitig war er von 1991 bis 2001 Solocellist am Leipziger Kammerorchester. Von 2006 bis 2014 spielte er im Trio Ex Aequo mit Gerald Fauth (Klavier) und Matthias Wollong (Violine) sowie seit 2007 im Trio Ecco (!) mit Olga Gollej (Klavier) und Karl Leister (Klarinette). Bis 2018 war er künstlerischer Leiter der Musikreihe „Musique aux Salles de Pologne“. Er spielt auf einem Cello von Andrea Guarneri aus dem Jahr 1697.[2]

PolitikBearbeiten

Im September 2016 trat Moosdorf der Partei Alternative für Deutschland bei. Innerparteilich galt er zunächst als enger Vertrauter der Parteivorsitzenden Frauke Petry und ihres Gatten Marcus Pretzell, an deren Hochzeitsfeier er im Dezember 2016 mitwirkte. Er verfasste Texte für Petrys Blog „Der Blaue Kanal“ und fungierte als Berater der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag.[1] Im März 2017 berichtete der Musikkritiker Arno Lücker im Musikblog der Neuen Musikzeitung kritisch über Moosdorfs politisches Engagement und Äußerungen, die Lücker als rechtspopulistisch charakterisierte.[3][4] Nach einem Zerwürfnis mit Petry und Pretzell wandte sich Moosdorf dem rechten Parteiflügel zu.[5]

Gemeinsam mit Michael Klonovsky setzte er sich für die Gründung einer parteinahen Stiftung der AfD unter der Bezeichnung „Gustav-Stresemann-Stiftung“ ein. Etwa seit Januar 2018 ist Moosdorf wissenschaftlicher Mitarbeiter des bayerischen AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hebner.[6][7] Er gehörte zu den Erstunterzeichnern der Gemeinsamen Erklärung 2018 gegen „illegale Masseneinwanderung“.[8] Im August 2018 warf er in einem Blog-Kommentar dem ehemaligen Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, vor, er habe „von der unsäglichen Kanzel mit auf den Weg gebracht“, dass nun „[j]eden Tag“ Ärzte „früh in ihrer Sprechstunde […] von Migranten ermordet“ und Mädchen „vergewaltigt und umgebracht“ würden. Ein Strafantrag Wolffs gegen Moosdorf wegen Verleumdung wurde von der Staatsanwaltschaft Leipzig nicht verfolgt.[9] Laut Berichten des Redaktionsnetzwerks Deutschland und der Zeit im November 2018 war Moosdorf der Hauptverantwortliche für die AfD-Kampagne gegen den UN-Migrationspakt.[10][11]

SchriftenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Inge Kloepfer: Wut, Bürger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. April 2017, S. 22.
  2. a b Lebenslauf Matthias Moosdorf auf der Website des Leipziger Streichquartetts, abgerufen am 30. August 2019.
  3. Arno Lücker: Rechtspopulismus und klassische Musik III – Matthias Moosdorf (Musiker im Leipziger Streichquartett). In: BadBlog Of Musick, Neue Musikzeitung, 12. März 2017.
  4. Claus Fischer: Rechtspopulismus in der Klassikszene. Deutschlandfunk, Sendung Musikjournal, 27. März 2017.
  5. Henriette Jedicke: Strippenzieher mit Verbindung zur extremen Rechten – Das sind die radikalen AfD-Hintermänner. In: Focus (online), 22. März 2018.
  6. Matthias Kamann: AfD-Gutachten rät Partei ab, Stiftung nach Stresemann zu benennen. In: Welt (online), 1. März 2018.
  7. Nicola Abé u. a.: Die Schlafwandler. In: Der Spiegel. Nr. 50/2018, 8. Dezember 2018, S. 16.
  8. Jan Sternberg: Tellkamp, Sarrazin, Broder: „Erklärung 2018“ besetzt rechte Positionen. In: Leipziger Volkszeitung (online), 20. März 2018.
  9. mdr.de: Pfarrer Wolff kritisiert Staatsanwaltschaft Leipzig scharf | MDR.DE. Abgerufen am 24. Mai 2019.
  10. Jan Sternberg: Ein Leipziger Cellist steckt hinter der Anti-Migrationspakt-Kampagne. 20. November 2018, abgerufen am 24. Mai 2019.
  11. Mariam Lau, Mark Schieritz, Michael Thumann: Migrationspakt – Unter keinem guten Stern. In: Die Zeit, Nr. 49/2018, 29. November 2018.