Matthias Bormuth

deutscher Medizinethiker und Kulturwissenschaftler

Matthias Bormuth (* 16. Mai 1963 in Bad Arolsen) ist ein deutscher Medizinethiker und Kulturwissenschaftler.

LebenBearbeiten

Nach dem Abitur 1981 am Gymnasium Philippinum Marburg studierte Bormuth Humanmedizin an der Philipps-Universität Marburg und an der Universität Göttingen. Nach psychiatrischen Assistenzen in Frankfurt am Main und an der Universitätsklinik Jena wurde Bormuth 1995 Stipendiat der DFG am Graduiertenkolleg „Ethik in den Wissenschaften“ der Universität Tübingen und Stipendiat am Deutschen Literaturarchiv in Marbach. 2001 wurde er mit der medizinethischen Dissertation Lebensführung in der Moderne – Karl Jaspers und die Psychoanalyse an der Universität Tübingen bei Urban Wiesing zum Dr. med. promoviert.[1]

Von 1998 bis 2008 war Bormuth wissenschaftlicher Mitarbeiter am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg im Rahmen der Karl-Jaspers-Briefedition und als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Erschließung des Nachlasses des Medizingeschichtlers und -theoretikers Richard Koch. Als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen habilitierte er sich 2008 mit der Arbeit Ambivalenz der Freiheit – Suizidales Denken im 20. Jahrhundert.

Als Fedor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung lehrte und forschte Bormuth an der City University New York (USA) und von 2010 bis 2012 als Heisenberg-Stipendiat an der Universität Tübingen. 2011 war Bormuth Adjunct Professor for European Intellectual History an der Columbia University in New York (USA).[2]

Seit 2012 ist Bormuth Inhaber einer Heisenberg-Professur für Vergleichende Ideengeschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und seit 2013 Leiter des Karl-Jaspers-Hauses. Er ist Vorsitzender der Karl-Jaspers-Gesellschaft.[3]

Stipendien und AuszeichnungenBearbeiten

  • 1994: Marbach-Stipendiat am Deutschen Literaturarchiv
  • 2002: Promotionspreis der Universität Tübingen
  • 2002: Hauptpreis der Stehr-Boldt-Fonds der Universität Zürich
  • 2010: Nietzsche-Fellowship, Kolleg Friedrich Nietzsche, Klassik Stiftung Weimar

VeröffentlichungenBearbeiten

MonografienBearbeiten

  • Lebensführung in der Moderne. Karl Jaspers und die Psychoanalyse. Stuttgart und Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog, 2002, 2. Auflage 2018.
  • Anmerkungen zu Gottfried Benn. Ein „Barde des Nationalsozialismus“? Warmbronn: Karl Alber, 2005.
  • Mimesis und Der christliche Gentleman. Erich Auerbach und Karl Löwith. Warmbronn: Karl Alber, 2006.
  • Lifeconduct in Modern Times. Karl Jaspers and Psychoanalysis. New York und Berlin: Springer, 2006.
  • Psychiatrie als Passion. Hans Heimann zum Gedächtnis. Warmbronn: Karl Alber, 2007.
  • Ambivalenz der Freiheit. Suizidales Denken im 20. Jahrhundert. Göttingen: Wallstein, 2008.
  • Mit einer Handvoll Sand. Ingeborg Bachmann als Philosophin. Warmbronn: Karl Alber, 2010.
  • Skizze einer Verunglückten. Ulrike Meinhof in ihrer Zeit. Warmbronn: Karl Alber, 2018.
  • Karl Jaspers. Philosophie als Lebensform. Warmbronn: Karl Alber, 2018.
  • Die Vielfalt geistiger Erfahrung. Überlegungen zur Ideengeschichte. Göttingen: Wallstein, 2018.
  • Die Verunglückten. Bachmann, Johnson, Meinhof, Améry. Berlin: Berenberg, 2019.
  • Werdegänge. Ideengeschichte in Gesprächen. Göttingen: Wallstein, 2019.
  • Erich Auerbach. Kulturphilosoph im Exil. Göttingen: Wallstein, 2020.

EditionenBearbeiten

  • Kritik aus Passion. Studien zu Jean Améry. Herausgegeben von Matthias Bormuth und Susan Nurmi-Schomers, Göttingen: Wallstein, 2005.
  • Marburger Hermeneutik zwischen Tradition und Krise. Herausgegeben von Matthias Bormuth und Ulrich von Bülow, Göttingen: Wallstein, 2008.
  • „Wahrheit ist, was uns verbindet“. Karl Jaspers' Kunst zu philosophieren. Herausgegeben von Reinhard Schulz, Giandomenico Bonanni und Matthias Bormuth, Göttingen: Wallstein, 2009.
  • Walter Kappacher: Marilyn Monroe liest Ulysses. Notizen, Fundstücke und dreizehn Fotografien. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Warmbronn: Keicher, 2010.
  • Psychiatrische Anthropologie. Zur Aktualität Hans Heimanns. Herausgegeben von Matthias Bormuth und Frank Schneider, Stuttgart: Kohlhammer, 2013.
  • Offener Horizont. Jahrbuch der Karl Jaspers-Gesellschaft. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Göttingen: Wallstein, seit 2014.
  • Karl Jaspers: Korrespondenzen. Psychiatrie – Medizin – Naturwissenschaft. Eingeleitet und herausgegeben von Matthias Bormuth und Dietrich von Engelhardt, Göttingen: Wallstein, 2016.
  • Hannah Arendt: Sokrates. Apologie der Pluralität. Eingeleitet und herausgegeben von Matthias Bormuth, Berlin: Matthes & Seitz, 2016.
  • Erich Auerbach: Wahrhafte Wirklichkeit. Erich Auerbach in einer Folge von Briefen. Ausgewählt, eingeleitet und herausgegeben von Matthias Bormuth, Warmbronn: Keicher, 2016.
  • Martin Warnke: Schütteln Sie den Vasari… Kunsthistorische Profile. Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Matthias Bormuth, Göttingen: Wallstein, 2017.
  • Eduard Beaucamp: Im Spiegel der Geschichte. Die Leipziger Schule der Malerei. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Richard Hüttel und Michael Triegel, Göttingen: Wallstein, 2017.
  • Max Weber: Wissenschaft als Beruf. Mit zeitgenössischen Resonanzen und einem Gespräch mit Dieter Henrich herausgegeben und eingeleitet von Matthias Bormuth, Berlin: Matthes & Seitz, 2017.
  • Erich Auerbach: Die Narbe des Odysseus. Eingeleitet und herausgegeben von Matthias Bormuth, Berlin: Berenberg, 2017.
  • Michael Krüger: Es gibt noch eine andere Welt. Michael Krüger im Gespräch. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Warmbronn: Keicher, 2017.
  • Erdmut Wizisla: Irgendwas mit Büchern. Erdmut Wizisla im Gespräch. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Warmbronn: Keicher, 2018.
  • Erich Auerbach: Gesammelte Aufsätze zur Romanischen Philologie. 2., um neue Aufsätze ergänzte Auflage, herausgegeben und mit Nachwort sowie Primärbibliographie versehen von Matthias Bormuth und Martin Vialon, Tübingen: Narr Francke Attempto, 2018.
  • Hannah Arendt: Freundschaft in finsteren Zeiten. Gedanken über Lessing. Mit Essays von Mary McCarthy, Alfred Kazin und Jerome Kohn, herausgegeben von Matthias Bormuth, Berlin: Matthes & Seitz, 2018.
  • Ulrich Keicher: Die Straße ist nicht mein Revier. Ulrich Keicher im Gespräch. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Warmbronn: Keicher, 2019.
  • Peter Hamm: Die Gäule der Erinnerung. Mit einem Nachruf von Michael Krüger. Eingeleitet und herausgegeben von Matthias Bormuth, Warmbronn: Keicher, 2019.
  • Karl Jaspers: Leben als Grenzsituation. Eine Biographie in Briefen. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Göttingen: Wallstein, 2019.
  • Martin Warnke: Künstlerlegenden. Kritische Ansichten. Herausgegeben von Matthias Bormuth, Göttingen: Wallstein, 2019.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kurzvita von Matthias Bormuth, frommann-holzboog.de, abgerufen am 13. August 2018.
  2. Biographische Daten, uol.de, abgerufen am 15. Dezember 2019.
  3. Vorstand, karl-jaspers-gesellschaft.de, abgerufen am 15. Dezember 2019.