Marie Luise Knott

deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin
Marie Luise Knott bei Fokus Lyrik in Frankfurt 2019

Marie Luise Knott (geb. am 11. August 1953 in Köln) ist eine Journalistin, Autorin und Übersetzerin. Sie war außerdem die Mitgründerin und erste Leiterin der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique.

LebenBearbeiten

Marie Luise Knott studierte Romanistik und Politikwissenschaften in Köln und Konstanz. Von 1978 bis 1986 arbeitete sie als Lektorin zunächst im Otto Maier Verlag in Ravensburg, danach beim Rotbuch Verlag in Berlin. Es folgten zehn Jahre als freie Übersetzerin, Herausgeberin und Publizistin. Seit 1986 forscht und publiziert sie zum Werk und Denken von Hannah Arendt.

1995 gründete sie in der taz die deutschsprachige Ausgabe der französischen Zeitung Le Monde diplomatique, deren Leitung sie bis 2006 innehatte. 2006 war sie zusammen mit Barbara Hahn (aus Berlin und Nashville, Tennessee), Kuratorin der Ausstellung „Hannah Arendt – Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit“, die in den Literaturhäusern Berlin und Frankfurt sowie im Gasteig München zu sehen war. Seitdem schreibt und spricht sie auch wieder zunehmend Beiträge in der FAZ, dem perlentaucher, der taz, der Frankfurter Anthologie und dem Deutschlandfunk.

2011 erschien ihr Essay-Band Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt, der für den Leipziger Buchpreis nominiert war. Darin skizziert sie Erkenntniswege, mit deren Hilfe sich Hannah Arendt, die Theoretikerin der Freiheit, kollektive Lebenslügen und vorgefasste Meinungen austreibt, die am Denken hindern. Die Kraft der Bilder und der Begriffe machen den Denkraum Hannah Arendts zu einem verlässlichen Ort, in dem der Leser seine eigene denkerische Ratlosigkeit aufgehoben weiß und sich selbst in wesentliche gedankliche Prozesse verwickeln kann. In den vier Kapiteln: „Lachen“, „Übersetzen“, „Verzeihen“ und „Dramatisieren“ erweisen sich Arendts Wege des Verlernens als Anstöße zu politischem Handeln und Urteilen. In einer Kritik der englischen Ausgabe hieß es:

„It is hard to think of any other book on Arendt that gives out half as much light not to mention joy.“

Jonathan Rée, Prospect Magazine, November 2014: [1]

Marie Luise Knott ist seit 2009 im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds; sie unterrichtet an der dortigen Akademie für Übersetzungskunst zum Übersetzen von Lyrik (gemeinsam mit Ulf Stolterfoht) und zu Creative Writing (gemeinsam mit Uljana Wolf).

Im Perlentaucher hat sie eine monatliche Kolumne zu zeitgenössischer Lyrik, Tagtigall[2].

In ihrem Essayband Dazwischenzeiten – 1930. Wege in der Erschöpfung der Moderne, der 2017 erschien, untersuchte sie die künstlerischen Suchbewegungen von Erwin Piscator, Karl Wolfskehl, Bertolt Brecht und Paul Klee in der Krise des Jahres 1930.

Sie lebt in Berlin, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

WerkeBearbeiten

Als AutorinBearbeiten

Als HerausgeberinBearbeiten

  • 1986 Hannah Arendt: Zur Zeit. Politische Essays. Aus dem Amerikanischen von Eike Geisel. Rotbuch, Hamburg 1986 und (aktual. und erw. Neuausgabe:) 1999 ISBN 3-434-53037-1
  • 2000 Hannah Arendt: Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher. Beiträge für die deutsch-jüdische Zeitschrift Aufbau 1941–1945. Piper, München 2000 u.ö. ISBN 3-492-04094-2; wieder ebd. 2019
  • 2010 Hannah Arendt – Gershom Scholem. Der Briefwechsel, Mitarbeit: David Heredia
  • 2012 John Cage: Empty Mind. Essays, Hgg. Walter Zimmermann. (In Deutsch) Suhrkamp, 2012 (mit je einem Kurz-Essay der Hgg. im Anhang)
  • 2013 Mit anderen Worten. Zur Poetik der Übersetzung. Hgg. Georg Witte
  • 2015 Denn wir haben Deutsch. Luthers Sprache aus dem Geist der Übersetzung. Hgg. Thomas Brovot, Ulrich Blumenbach. Matthes & Seitz, Berlin ISBN 978-3-95757-145-8
  • 2017 Zaitenklänge. Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung. Hgg. Thomas Brovot, Ulrich Blumenbach, Jürgen Jakob Becker. Zeichnungen Nanne Meyer. Matthes & Seitz, Berlin ISBN 978-3-95757-567-8
  • 2018 Übers. Eike Geisel: Hannah Arendt, Was heißt persönliche Verantwortung unter einer Diktatur? Mit einem Essay von M. L. Knott.[3]

Als KuratorinBearbeiten

Als ÜbersetzerinBearbeiten

  • 1987 Didier Daeninckx, Karteileichen, Berlin
  • 1988 Jean Vautrin, Bloody Mary, Berlin
  • 1989 Fatima Mernissi, Geschlecht Ideologie Islam. Übers. mit Brunhilde Wehinger
  • 1990 Juliette Minces, Verschleiert – Frauen im Islam, Übers. mit Michaela Ott
  • 1991 Jean Vautrin, Haarscharf am Leben, Berlin
  • 1995 Michel Pastoureau, Des Teufels Tuch: Eine Kulturgeschichte der Streifen und der gestreiften Stoffe. Frankfurt
  • 1995 Jean Vautrin, Groom, Berlin
  • 1995 Danielle Auby, Der Wald der toten Dichter. Basel
  • 1995 François Place, Die letzten Riesen. München
  • 1997–2000 François Place, Phantastische Reisen, 3 Bde., München
  • 2011 Laurence Maurel, Christian Straboni: Chapeau, Herr Rimbaud!. Comic. Matthes & Seitz, Berlin
  • 2014 Anne Carson: Anthropologie des Wassers. Matthes & Seitz, Berlin
  • 2017 Cécile Wajsbrot: Das Presbyterium, in Olga Mannheimer Hg.: Blau Weiß Rot. Frankreich erzählt. dtv, München 2017 ISBN 3423261528 S. 317–323 (Erstveröffentlichung)
  • 2017 Anne Carson: Albertine. 59 Liebesübungen. Matthes & Seitz, Berlin

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. online
  2. Tagtigall
  3. zuerst ohne den Essay in H. Arendt: Israel, Palästina und der Antisemitismus. Wagenbach, Berlin 1991
  4. Shortlist des Leipziger Buchpreises 2011 auf sueddeutsche.de
  5. Shortlist des Tractatus-Preises 2011 auf kleinezeitung.at