Hauptmenü öffnen

Der MTU-72 (russisch МТУ-72; Abkürzung von Мостоукладчик-72, auf Deutsch: Brückenlegefahrzeug-72; Objekt 632) ist ein Brückenlegepanzer der Sowjetarmee und gehört zur Gruppe der Kampfunterstützungsfahrzeuge. Es basiert auf der Wanne des T-72 und wird bzw. wurde wie der Kampfpanzer vom russischen Rüstungsbetrieb Uralwagonsawod in Nischni Tagil hergestellt.[3]

MTU-72
Ein MTU-72 mit Wüstentarnmuster bei der Waffenschau Russian Expo Arms im Jahr 2013

Ein MTU-72 mit Wüstentarnmuster bei der Waffenschau Russian Expo Arms im Jahr 2013

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 2
Länge 11,64 m (mit Brücke)[1]
6,90 m (ohne Brücke)
Breite 3,46 m
Höhe 3,38 m
Masse 40 Tonnen
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 20 mm RHA, vgl. T-72B/M/M1
Hauptbewaffnung unbewaffnet
Sekundärbewaffnung unbewaffnet
Beweglichkeit
Antrieb V12-W-84 oder W-84MS[2], 38,88 Liter Hubraum
840 PS
Federung Torsionsstab
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Leistung/Gewicht
Reichweite 500 km

EntwicklungsgeschichteBearbeiten

Im Jahr 1974 erfolgte die Einführung des neuen Brückenlegepanzers MTU-72 in die Sowjetarmee, um ältere Brückenlegepanzer der Typen MTU-12 und MTU-20 zu ersetzen, welche im Zuge der massenhaften Einführung des T-72 im Jahr 1972 notwendig war.[4] Die Produktionszahlen blieben wohl bis in die 1980er-Jahre gering, dennoch wird das Fahrzeug nach wie vor vom Hersteller Uralwagonsawod angeboten. 1992 hätte ein MTU-72 auf Basis eines umgebauten T-72B 900.000 US-Dollar gekostet.[5] Auch andere Staaten des Warschauer Pakts entwickelten Brückenleger auf Basis des T-72, welche allerdings meist Eigenentwicklungen mit unterschiedlichen Schnellbrücken darstellten, wie zum Beispiel BLP-72 der NVA.[5] Nachfolger ist MTU-90, ebenfalls von Uralwagonsawod hergestellt, der in den 1990er-Jahren zur Verfügung steht und in Serie produziert werden kann.

TechnikBearbeiten

Die Schnellbrücke liegt auf dem T-72-Fahrgestell auf und verfügt über zwei umklappbare Enden, welche vor dem Verlegen hydraulische umgeklappt werden. Dadurch erreicht die Brücke die Gesamtlänge von 20,0 Meter.[2] Um die Stabilität beim Verlegen der Brücke zu erhöhen, befindet sich an der Wannenfront ein hydraulisch absenkbares Räumschild. Die Schnellbrücke wird anschließend über das maximal 18 Meter breite Hindernis geschoben. Um die Masse der Schnellbrücke zu reduzieren, wurden die Schnellbrücken aus einer Aluminiumlegierung[2] gefertigt, welche allerdings im Gegensatz zur Schnellbrücke des MTU-20 eine andere Zusammensetzung hatte und somit haltbarer war. Dass nun zwei Schnellbrückensegmente gekoppelt werden konnten, stellte eine Wesentliche Verbesserung gegenüber der Vorgängerversionen dar. Auf diese Weise können Hindernisse einer Breite von bis zu 35 Meter überwunden werden.[2] Die Panzerung des Basisfahrzeuges entspricht weitestgehend der des verwendeten T-72-Modells, wobei oft die Kampfpanzer-Versionen T-72B, T-72M und T-72M1[2] umgebaut worden sind. Demzufolge variiert die Motorisierung, je nachdem, welche Version des W-2-Dieselmotors verbaut wurde. Zur serienmäßigen Ausstattung zählen zudem Kommunikationsanlagen (Funkgerät R-123M), Nachtsichtgeräte, ein automatisches Feuerlöschsystem und vollständiger ABC-Schutz. Die Besatzung kann die Brücke verlegen, ohne dass das Fahrzeug verlassen werden muss.[2]

Technische Daten der Schnellbrücke[2]
  • Masse der Brücke; 6,4 Tonnen
  • Traglast: 50 Tonnen
  • Aufbauzeit: 3 bis 6 Minuten
  • Abbauzeit: etwa 8 Minuten
  • Breite: 3,3 m
  • Gesamtlänge: 20,0 m
  • Maximale Breite des zu überwindenden Hindernisses: 18,0 m (bei Koppelung zweier Segmente 30 bis 35 m)

WeblinksBearbeiten

  Commons: MTU-72 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. MTU-72 - JSC Research and production corporation UralVagonZavod
  2. a b c d e f g www.arms-expo.ru: МТУ-72, танковый мостоукладчик
  3. JSC Research and production corporation UralVagonZavod
  4. Russell Phillips: Combat Engineering Equipment of the Warsaw Pact. Shilka Publishing, 2017.
  5. a b Steven J. Zaloga: T-72 Main Battle Tank 1974–93. Bloomsbury Publishing, 2013.