Luftlandepioniere

deutsche Organisation
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Luftlandepioniere sind luftlandefähige Kräfte der Pioniertruppe. Im deutschen Heer sind mit den Luftlandepionierkompanien 260 in Saarlouis und 270 in Seedorf zurzeit zwei Kompanien aufgestellt. Beide sind auf Grund ihrer Ausrüstung in der Lage, direkte Pionierunterstützung für Luftlandeeinheiten zu leisten.

GliederungBearbeiten

Die beiden Luftlandepionierkompanien gliedern sich STAN-mäßig wie folgt:

  • Kompanieführungsgruppe
  • Zell Military Engineering
  • Kompanietrupp
  • Technische Gruppe
  • Versorgungsgruppe
  • Luftlandepionierzug I mit Erweiterter Grundbefähigung
  • Luftlandepionierzug II
  • Kampfmittelabwehrzug/leicht
  • Luftlandepioniermaschinenzug

AusrüstungBearbeiten

Die Luftlandepioniere verfügen unter anderem über folgendes Gerät:

Brückengerät
Festbrücke kurz
Pioniermaschinen
Mehrzweck-Erdarbeitsmaschine AS6M lvl (optional mit MSA) mit diversen Anbauteilen
Mehrzweck-Erdarbeitsmaschine MAUS
Leichte Übersetzmittel
Schlauchboot 8–10 Mann
Schlauchboot 2–3 Mann
Transportfahrzeuge
LKW 0,9 to gl Wolf FU-2,
ESK MUNGO,
LKW 2 to als Rüstsatzträger,
LKW 5 to MAN als Transportfahrzeug,
LKW 7 to glw 3SK und Pritsche,
versch. Anhänger zum Transportieren der Groß- und Kleingeräte
Waffenträger Wiesel II als Pioniererkundungsfahrzeug, gepanzert
Sonstiges
PionierGerätesatz I, II und III mit diversen Arbeitsgeräten (Stromerzeuger, Motorsägen etc.)
Einheitszelt Typ II

UniformBearbeiten

Bei der Bundeswehr tragen die Luftlandepioniere aufgrund ihrer Unterstellung unter die Division Schnelle Kräfte das Barett der Fallschirmjäger mit dem stürzenden Adler.

Luftlandepionierkompanie 260Bearbeiten

Luftlandepionierkompanie 260
 

internes Verbandsabzeichen
Aufstellung 1. April 1959
Land   Deutschland
Streitkräfte   Bundeswehr
Teilstreitkraft   Heer
Truppengattung Pioniertruppe
Unterstellung   Luftlandebrigade 1
Standort   Saarlouis

Die Luftlandepionierkompanie 260 ist in Saarlouis stationiert und seit dem 1. April 2015 der Luftlandebrigade 1 unterstellt.[1]

AuftragBearbeiten

Die Luftlandepionierkompanie 260 ist teilbeweglich, lufttransportfähig (Airbus A400M und Transall C-160) und mit Teilen luftverladbar bzw. luftverlastbar (Mittlerer Transporthubschrauber CH-53). Sie unterstützt die Spezialisierten Kräfte im Gefecht der verbundenen Waffen/Einsatz der verbundenen Kräfte unmittelbar und unterstützt mit Teilen die Spezialkräfte. Sie wird dabei zur Pionierunterstützung von speziellen Operationen sowie Operationen des gesamten Aufgabenspektrums eingesetzt, insbesondere bei:

  • Friedensmissionen zum aktiven Schutz eigener Truppe und Einrichtungen
  • Evakuierungsoperationen und Operationen zur bewaffneten Rückführung
  • schnellen Anfangs- und Abschlussoperationen, sowie bei
  • Operationen in der Tiefe

Die Luftlandepionierkompanie 260:

  • bildet mit ihren Kräften die Zelle Pioniere im Gefechtsstand der Luftlandebrigade oder des zu unterstützenden Gefechtsverbandes
  • führt Pioniererkundung und Aufklärung von Sperren durch
  • berät in allen Fragen der Kampfmittelabwehr
  • klärt auf, sucht und räumt Kampfmittel, einschließlich Sprengfallen und andere Vorrichtungen und Sprengvorbereitungen des Gegners
  • markiert Sperren und gefährdete Räume
  • öffnet oder räumt Sperren und führt Sprengungen durch,
  • unterstützt beim Überwinden von Hindernissen, wie schmalen Gewässern oder Einschnitten
  • unterstützt land- und wasserbewegliche Patrouillen durch den Einsatz von leichten Übergangsmitteln, Luftkissenfahrzeugen sowie durch die Eingliederung von Pionierkräften
  • führt begrenzte Baumaßnahmen wie Feldbefestigungen und feldmäßige Unterkünfte zum Erhöhen der Überlebensfähigkeit sowie zum Schaffen der Einsatzvoraussetzungen und zum Verbessern der Einsatzbedingungen der eigenen Truppe durch
  • erkundet, richtet Behelfslandebahnen und -plätze her und hält diese instand
  • baut Feldbefestigungen und härtet feldmäßige Unterkünfte zum Erhöhen der Überlebensfähigkeit,
  • baut, setzt instand, betreibt und schützt Anlagen und Einrichtungen der Truppe wie Gefechtsstände und logistische Einrichtungen
  • baut, setzt Straßen und Brücken instand und unterhält diese zur Aufrechterhaltung der Operationsfreiheit in begrenztem Umfang
  • bildet aus und nimmt alle Aufgaben wahr, die der Einheit für die Teilnahme an Einsätzen im Frieden im Rahmen des gesamten Einsatzspektrums des Heeres übertragen werden
  • hemmt Bewegungen des Gegners durch Anlegen von Sperren und Durchführen von Lähmungen

GeschichteBearbeiten

Mit Ausnahme des Kompaniechefs stammte das Kaderpersonal aus der ehemaligen Luftlandepionierkompanie 9 München. Bei gleichzeitiger Verlegung nach Kempten (Allgäu) mit Wirkung vom 1. April 1959 wurde diese Kompanie aufgelöst und daraus der Kader für die neuen Fallschirmpionierkompanien 250 und 260 sowie der des Luftlandepionierbataillon 9 gebildet. Hierzu hatte die Luftlandepionierkompanie 9 zwei „Pakete“ Personal für die Fallschirmpionierkompanien zu bilden und diese der 1. Luftlandedivision zu melden. Die Division entschied, welches dieser „Pakete“ für welche Kompanie herangezogen wurde.

Ausbildungsschwerpunkte sind zunächst die Infanteriegefechtsausbildung und Kampf der verbundenen Waffen, Gefechtsschießen, Häuserkampf, Sprengen, Minenkampf, Sperren anlegen und räumen, Kriegsmäßiges Übersetzen mit Sturm- und Schlauchbooten sowie bis 1997 die Ausbildung von Soldaten für den Einsatz im ehemaligen Jugoslawien.

Am 1. April 1959 wurde die Kompanie im Standort Kempten in der Prinz-Franz-Kaserne gemäß Fü H II 1(8) als Fallschirmpionierkompanie 260 in der F-Stärke: 3/27/84/ 114 aufgestellt. Zwischen Weihnachten und Neujahr 1960 verlegte die Kompanie im Kfz-Marsch nach Mannheim in die noch nicht bezugsfertige Lüttichkaserne (Fußböden, Türen und Fenster fehlten noch). Die zum Januar 1961 einberufenen Rekruten wurden in Kempten noch eingekleidet und durch Fw Trinkaus nachgeführt. Dabei kam es zu dem ersten Kfz-Unfall in der Geschichte der Kompanie, als auf vereister Fahrbahn der Fahrer eines Mercedes überholte und frontal auf den an der Spitze fahrenden Borgward-Kübel prallte. Der Mercedesfahrer starb noch am Unfallort.

Am 1. Februar 1963 verlegten das Luftlandepionierbataillon 9 und Luftlandepionierkompanie 260 von Bruchsal nach Speyer in Kasernen-Neubau in Speyer-Nord. Am 1. Mai 1966 erhielt die Kaserne in Speyer den Namen Kurpfalzkaserne. Am 1. Februar 1963 erfolgte der Einmarsch in die Kaserne in Reihenfolge Luftlandepionierbataillon 9, Fallschirmartilleriebataillon 265, Fallschirmpionierkompanie 260. Der Kommandeur des Luftlandepionierbataillon 9 wurde erster Standortältester der Garnison.

Am 1. Oktober 1971 wurde die Fallschirmpionierkompanie 260 in Luftlandepionierkompanie 260 umgegliedert und umbenannt. 1972 verlegte die Kompanie nach Saarlouis. Am 1. April 1982 (Heeresstruktur 4) wurde die Kompanie als Kader für das neu aufgestellte Fallschirmjägerbataillon 263 herangezogen, aufgelöst und im April Koblenz aus einem Pionierzug des schweren Pionierbataillons 310 neu aufgestellt, dem III. Korps sowie dem Pionierbataillon 310 unterstellt und nur zu Gefechtsübungen der Luftlandebrigade 26 zugeordnet.

Am 1. April 1990 wurde die Kompanie wieder selbständige Einheit. Sie wurde am 9. April 1990 der Luftlandebrigade 26 unterstellt. 1992 wurde der AMF-Zug aus dem schweren Pionierbataillon 310 in die Kompanie eingegliedert. Im Dezember 1994 verlegte die Kompanie aus Koblenz „zurück“ in das alte Kompaniegebäude in der Graf-Werder-Kaserne von Saarlouis. Mit Tagesbefehl vom 18. Juli 1998 Heeresführungskommando – unter Befehlshaber (Generalleutnant Drews) – wurde die Kompanie von dem AMF Auftrag entbunden und ihr besonderer Dank und Anerkennung für die stets sichere und zuverlässige Auftragserfüllung ausgesprochen. Am 21. März 2002 meldete sich die Kompanie in Saarlouis bei strömendem Regen mit Wirkung vom 30. September 2002 nach 43 Jahren und 6 Monaten aus dem Deutschen Heer ab und am 30. Juni 2002 im Zuge der Neustrukturierung der Bundeswehr aufgelöst.

Am 2. April 2004 wurde die Luftlandepionierkompanie 260 erneut in Dienst gestellt.

EinsätzeBearbeiten

Die Soldaten der Luftlandepionierkompanie 260 nahmen mit den Kameraden der Saarlandbrigade seit 1993 in Somalia, auf dem Balkan, und seit 2002 im Rahmen der internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF), sowie im Kongo und Gabun 2006 regelmäßig an Auslandseinsätzen teil. Weiterhin stellen sie seit ihrer Wiederaufstellung regelmäßig Kontingente für die EU Battlegroups (EUBG – Schnelle Eingreiftruppe der EU) und die NATO Response Force (NRF – Schnelle Eingreiftruppe der NATO.)

ÜbungenBearbeiten

August 1962 AMF/L SOUTHERN-EXPRESS Griechenland

  • 31. Mai – Mitte Juni 1963 AMF/L Finnmark/Norwegen
  • August – September 1965 AMF/L EASTERN-EXPRESS Türkei
  • August – September 1966 AMF/L SUMMER-MARMARA-EXPRESS Griechenland/Türkei
  • August 1967 AMF/L SUNSHINE-EXPRESS Griechenland. Die FschPiKp 260 ist 4./FschJgBtl 262 (Üb)
  • 1968 AMF/L Übung in Griechenland
  • 1969 AMF/L Übung „Olympic Express“ in der Türkei
  • 1970 AMF/L Übung „Deep Express“ in der Türkei
  • 1971 AMF/L Übung „Hellenic Express“ in Griechenland
  • 1972 „CETEX 72“ und „Canadian Club“
  • 1975 AMF/L Übung „Deep Express“ in der Türkei
  • 1976 AMF/L Übung „Halina Express“ in England
  • 1977 AMF/L Übung „Schwarzer Husar“ in Großbritannien
  • 1985 Auf- und Abbau Bühne „30 Jahre Bundeswehr“ in Bonn Hardthöhe
  • 1985 Heers Übung „Trutzige Sachsen“ in Norddeutschland
  • 1987 AMF/L Übung „Accord Express“ in Dänemark
  • 1992 AMF/L Übung in Großbritannien und in der Türkei
  • 1993 AMF/L Übung in Italien und in Dänemark.
  • 1993 UNOSOM Einsatz Somalia in Zugstärke.
  • 1994 AMF/L Übung in Norwegen und in der Türkei
  • 1995 AMF/L Übung in Norwegen
  • 1995-199 Unterstützung der Lw mit verstZug in Goose Bay/Kanada und in Decimomanu/Sardinien
  • 1997 AMF/L Übung in Norwegen
  • 1998 AMF/L Übung in Norwegen
  • 2000 AMF/L Übung „Joint Winter 2000“ nördlich des Polarkreises
  • 2001 TFH (Task Force Harvest) Nato-Operation „Essential Harvest“ Mazedonien
  • 2001 FOX Operation Amber Fox Mazedonien

Luftlandepionierkompanie 270Bearbeiten

Luftlandepionierkompanie 270
 

internes Verbandsabzeichen
Aufstellung 1. April 1973
Land Deutschland  Deutschland
Streitkräfte   Bundeswehr
Teilstreitkraft   Heer
Truppengattung Pioniertruppe
Unterstellung   Luftlandebrigade 1
Standort   Seedorf

Die Luftlandepionierkompanie 270 ist in Seedorf stationiert und seit dem 1. April 2015 der Luftlandebrigade 1 unterstellt.

GeschichteBearbeiten

Die Luftlandepionierkompanie 270 wurde am 1. April 1973 in Iserlohn aufgestellt. Zum 1. April 1982 erfolgte die Neuaufstellung der Luftlandepionierkompanie 270 unter truppendienstlicher Führung des Pionierbataillon 110 (Minden). Zum 11. Dezember 1990 wurde die Kompanie erneut der Luftlandebrigade 27 in Lippstadt unterstellt. Zum 22. Dezember 1992 fusionierte die Kompanie mit der Panzerpionierkompanie 310 aus Delmenhorst und verlegte nach Wildeshausen. Zum 11. Februar 2001 wurde die Kompanie der Division Spezielle Operationen unterstellt. Im Februar 2007 verlegte sie zusammen mit den meisten Truppenteilen der Luftlandebrigade 31 in den Standort Seedorf.

Die Kompanie wurde im Oktober 2013, im Rahmen der Umgliederung der Luftlandebrigade 1 unterstellt

EinsätzeBearbeiten

  • August bis Dezember 1997: 3./ SFOR Kontingent Einsatzverband GECONSFOR
  • Juli bis Oktober 2000: KFOR, Prizren Einsatzverband Fallschirmjägerbataillon KFOR
  • September bis November 2001: Einsatz im Rahmen der Entwaffnung NLA in Mazedonien
  • Januar bis Mai 2002: Einsatz im Rahmen des 1. Einsatzkontingent ISAF in Kabul
  • November 2004 bis Januar 2005: Einsatz im Rahmen der Errichtung des Feldlagers Kunduz
  • Juli bis Dezember 2007: Einsatz im Rahmen des 14. Einsatzkontingent ISAF, dabei Bau der ersten Brücke in Afghanistan zwischen Keshem und Feizabad durch den LLPiMaschZug
  • Januar 2010 – März 2011: Einsatz in Kunduz, dabei Teilnahme an Gefechtshandlungen
  • März bis Juli 2010: Einsatz im Rahmen des 22. Einsatzkontingent ISAF in Mazar–e-Scharif
  • Januar bis Juli 2013: Einsatz im Rahmen des 30. und 31. Einsatzkontingentes ISAF in Kunduz
  • Juni 2013: Unterstützung Elbe-Hochwasser in Havelberg

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. LLBrig 26: Seedorfer Fallschirmjäger ab April 2015 im neuen Auftrag. www.deutschesheer.de, 1. April 2015, abgerufen am 1. April 2015.