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Loevy ist der Name einer Berliner Unternehmerfamilie und ihrer Kunstgießerei, welche als S. A. Loevy firmierte.

FamilieBearbeiten

  • Samuel Abraham Loevy (1826–1900)
    Er kam Mitte des 19. Jahrhunderts aus der preußischen Provinz Posen nach Berlin und gründete das Unternehmen.
  • Albert Loevy (1856–1925), Sohn von Samuel Loevy
    1883 Gelbgießer-Meister
    Im 20. Jahrhundert Schwerpunkt auf der kaufmännischen Leitung.
  • Siegfried Loevy (1859–1936), Sohn von Samuel Loevy
    Vater von Erich Gloeden
    Im 20. Jahrhundert Schwerpunkt auf der künstlerischen Leitung.
    Bestattet auf dem St. Elisabeth-Friedhof I in Berlin-Mitte.
  • Erich Loevy (1888–1944), seit 1918 Erich Gloeden, Architekt

Familienmitglieder wurden in Konzentrationslagern ermordet.

UnternehmenBearbeiten

Am 1. April 1855 wurde von Samuel Loevy die „Roth- und Gelbgießerei“ in der Großen Hamburger Straße 8 in Berlin-Mitte gegründet. Er spezialisierte sich bald auf Kunstgießerei für Bronze. 1865 zog das Unternehmen innerhalb von Berlin-Mitte in das Scheunenviertel, in dem viele jüdische Handwerker ansässig waren. 1898 zog man in Berlin-Mitte weiter in die Gartenstraße 158 (heute Nr. 96).

Ab 1885 führten Albert und Siegfried die Firma als Gebrüder Loevy weiter.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet die jüdische Firma in Bedrängnis. 1934 musste das Firmengelände in der Gartenstraße an die Deutsche Reichsbahn verkauft werden. Die Firma zog in die Neuenburger Straße 29 nach Kreuzberg. 1939 musste schließlich der Betrieb eingestellt werden.[1]

ErzeugnisseBearbeiten

Im Lauf der Jahrzehnte fertigte die Gießerei unzählige Einzelstücke sowie Kleinserien an Plastiken. Größte Skulptur war ein sechs Meter hohes Dioskuren-Paar von Eberhard Encke.

Aufmerksamkeit erregten sie mit Beschlägen (für Türen und Möbel) aus den Perioden des Jugendstils und Art déco. Viele bekannte Designer und Architekten der Periode entwarfen für die Bronzewarenfabrik: Henry van de Velde, Peter Behrens, Bruno Paul, Heinrich Straumer, Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Erich Mendelsohn, Wilhelm Wagenfeld.[2] Walter Gropius entwarf für Loevy insbesondere den heute so genannten Gropius-Türdrücker.

Dem Deutschen VolkeBearbeiten

 
Inschrift am Reichstag

1916 wurde die Inschrift DEM DEUTSCHEN VOLKE am Reichstagsgebäude nach einem Entwurf von Peter Behrens aus zwei erbeuteten französischen Kanonenrohren der Befreiungskriege gegossen.

WürdigungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Helmuth F. Braun, Michael Dorrmann: „Dem Deutschen Volke“. Die Geschichte des Berliner Bronzegießer Loevy. Dumont, 2003, ISBN 3-8321-7838-4 (zur Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin).
  • Bernd Oertwig: Die Vollender des Reichstags. In: Das Parlament, Nr. 6/7, 4. Februar 2013.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Helmuth F. Braun, Michael Dorrmann: „Dem Deutschen Volke“. Die Geschichte des Berliner Bronzegießer Loevy. S. 79
  2. Gropius-Drücker (Memento des Originals vom 3. September 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gropius-druecker.de
  3. Armin D. Steuer – loevy.de
  4. Enthüllung der Gedenktafel durch den Bundestagspräsidenten bei bundestag.de
  5. Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin