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Das Linzer Schloss

Das Linzer Schloss befindet sich auf einer Anhöhe über dem Altstadtviertel von Linz direkt an der Donau.

GeschichteBearbeiten

 
Friedrichstor

Das Schloss ist an der Stelle des früheren römischen Kastells Lentia entstanden. Die erste bekannte Erwähnung stammt vom 20. Juni 799.[1] Unter Kaiser Friedrich III. wurde 1477 die Burg zu einem Schloss umgebaut, und es diente ihm von 1489 bis 1493 als Residenz. Aus dieser Zeit stammt das heute noch erhaltene Friedrichstor. Sein Sohn Maximilian I. hielt sich öfter in Linz und im Schloss auf. Dessen Enkel, der spätere Kaiser Ferdinand I., ließ nach der in Linz gefeierten Hochzeit das Schloss für seine Frau Anna von Böhmen und Ungarn ausbauen und kostbar ausstatten. Ihre Kinder Elisabeth (1526) und Ferdinand II. (1529) wurden im Linzer Schloss geboren.

 
Wappen mit Kaiserkrone Rudolfs II. in der Durchfahrt des ehemaligen Kapellentraktes
 
Rudolfstor

Kaiser Rudolf II. ließ 1600 das Schloss nach Plänen des niederländischen Baumeisters Anton Moys aus Antwerpen, seit 1581 Hofbaumeister in Wien, abreißen und neu aufbauen.[2] Neben dem mächtigen viergeschossigen Blockbau mit zwei Innenhöfen entstand nun auch das Haupttor zur Stadt (Rudolfstor, 1604).

 
Fortifikation beim Linzer Schloss – Zinnfigurendiorama aus dem Peuerbacher Bauernkriegsmuseum

Während der bayrischen Pfandherrschaft 1620 bis 1628 residierte Adam Graf von Herberstorff als Statthalter im Schloss. Herberstorff verstärkte im Hinblick auf eine drohende Belagerung durch die Bauern die Befestigungsanlagen rund um das Schloss. Im Jahr 1626 kam es dann schließlich zur Belagerung durch die aufständischen Bauern.

Während der Pest in Wien hielt sich Kaiser Ferdinand III. mit dem Hof 1644 bis 1646 im Linzer Schloss auf[3], und während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung Wiens von 1683 residierte Kaiser Leopold I. im Linzer Schloss.[4]

1783 übersiedelte der Landeshauptmann mit seinen Ämtern vom Schloss in das Linzer Landhaus.[5]

Während der Franzosenkriege diente das Schloss als Lazarett. Der Stadtbrand im Jahr 1800 ging von hier aus. Bei diesem Brand wurden der Südflügel und ein Teil des Quertraktes zerstört. Angesichts der Frage, was mit dem schwerbeschädigten Gebäude geschehen sollte, wurde beschlossen, das Strafhaus im aufgelassenen Stift Baumgartenberg hierher zu verlegen.[6]

Im Jahr 1811 wurde ein modernes Provinzialstrafhaus in Betrieb genommen, in welchem die Sträflinge mit der Erzeugung von Tüchern, Zwillich, Drillich und Tüchern verschiedener Art beschäftigt wurden.[6] Die Schließung der Linzer Wollzeugfabrik und der damit verbundene Wegfall der im Strafhaus betriebenen Wollkämmerei und -spinnerei mag dazu beigetragen haben, die Strafanstalt 1851 in das ebenfalls von Joseph II. aufgehobene Stift Garsten zu verlegen.[6]

Von 1851 bis 1945 diente das Schloss als Kaserne für Soldaten. Zwischen 1953 und 1963 erfolgte der Ausbau und die Restauration des Gebäudes zum Schlossmuseum der oberösterreichischen Landesmuseen.

SchlossbergBearbeiten

Der Schlosspark westlich der Befestigungsmauer und oberhalb des Schlosses wird gemeinhin als Schlossberg bezeichnet. Dieser ist Teil des Römerbergs, nach dem der Straßentunnel von der Sandgasse zur Donau benannt ist, und der als Rücken westwärts zum Freinberg verläuft.

Das neue Linzer Musiktheater hätte ursprünglich beim Schloss donauseitig in den Berg gebaut werden sollen. Das Projekt wurde mit einer von der FPÖ initiierten oberösterreichischen Volksbefragung am 26. November 2000 abgelehnt.[7]

ArchitekturBearbeiten

Zum ansteigenden Schlossbergplateau hin steht eine gewaltige geschütztaugliche Bastionierung, die aus vorgelegten Wällen sowie tiefem Graben und turmflankierten Kurtinen besteht.[8] Ein Rondell beschützt das erste Tor, dahinter führt ein abgewinkelter Weg durch das spitzbogige Friedrichstor mit einem Wappenstein, der die Jahreszahl 1481 und die bekannte Inschrift A.E.I.O.U. trägt (das Original befindet sich im Nordtrakt des Schlossmuseums).

Der viergeschossige Blockbau besitzt zwei Innenhöfe.

Das 1604 erbaute Rudolftor führt in die Linzer Altstadt hinab.

SüdflügelBearbeiten

 
Neubau Südflügel (Emmerer und Luser, 2008)

Im Jahr 2006 fand ein Architektenwettbewerb für den Neubau des 1800 abgebrannten Südflügels statt (dieser ist dem Südosten zugewandt und stellt eine am Steilabfall des Bergs leicht angeschnittene Rechtecklängsseite des Grundrisses des Schlosses dar). Von den 109 eingereichten Projekten gewann jenes des Grazer Architekturbüros HoG architektur (Martin Emmerer, Clemens Luser und Hansjörg Luser). Der neue, als Stahl-Glas-Konstrukt realisierte Südflügel, dessen Errichtung 24 Millionen Euro kostete, wird für eine Erweiterung des Schlossmuseums genutzt.[9] Im Sommer 2006 fanden auf dem künftigen Baugelände archäologische Grabungen statt.[10]

Ein nach dem großen Brand vom 18. August 1800 mit Sand und feinem Schutt bis auf einen Fluchtstollen verfüllter Raum wurde ab Sommer 2006 ergraben und erforscht. In der nun bis zu 9 m hohen Halle befinden sich die Reste eines Rundturm mit 9,5 m Durchmesser aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts und somit vor dem Neubau des Schlosses.[11]

SchlossmuseumBearbeiten

 
Hallstatt Gehängefibel im Schlossmuseum

Das Schlossmuseum wurde 1963 teileröffnet, die Gesamteröffnung erfolgte 1966. Es sind historische und volkskundliche Sammlungen untergebracht. Dauerausstellungen sind auch historische Waffen und historische Musikinstrumente und alte Münzen. Zusätzlich finden auch immer wieder Sonderausstellungen statt. Im Schlosshof werden gelegentlich Open-Air-Veranstaltungen durchgeführt.

Der neue Südflügel beherbergt seit Juli 2009 die technikgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Sammlungen des Schlosses.[12] Der „verschüttete Raum“ wurde am 3./4. November 2011 mit dem Symposion „Dem Verschütteten Raum geben – Ein Erinnerungs-Update“ eröffnet und beherbergt die Dauerausstellung über das Schicksal von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma.[11]

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Justus Schmidt: Kulturgeschichte des Linzer Schlosses. In: Das Museum im Linzer Schloß. Festkatalog, Linz 1963, S. 19–69, PDF auf ZOBODAT.at.
  • Heinrich Justus Schmidt: Zur Geschichte des Schlosses. Linz 1978, S. 21–26, PDF auf ZOBODAT.at.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Linzer Schloss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schmidt 1963, S. 20.
  2. Schmidt 1963, S. 47 (in Oberösterreich baute Anton Moys auch noch 1589 an der Burg Altpernstein und 1595 an der Burg Wels).
  3. Schmidt 1963, S. 58.
  4. Schmidt 1963, S. 60.
  5. Schmidt 1963, S. 64.
  6. a b c Gustav Brachmann: Zur Geschichte des Linzer Schlosses. Das Schloß als Strafanstalt. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1963. Linz 1964, S. 155, 158 und 165, gesamter Artikel S. 151–170, online (PDF) im Forum OoeGeschichte.at.
  7. Wojciech Czaja: Aufbruchstimmung in der Kulturhauptstadt Der Standard vom 29. Mai 2008.
  8. Eintrag zu Linzer Schloss in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts
  9. Land Oberösterreich: Landeskorrespondenz vom 12. Jänner 2006. Neuerrichtung des Südflügels Schlossmuseum Linz.
  10. Spatenstich für Südflügel des Linzer Schlosses ORF Oberösterreich vom 13. Juli 2007.
  11. a b Verschüttet, nicht vergessen bda.at, 2009/2011, abgerufen 20. September 2016.
  12. Hüllen für die Linz09-Inhalte Oberösterreichische Nachrichten vom 23. Dezember 2008.

Koordinaten: 48° 18′ 18″ N, 14° 16′ 57″ O