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Licinius Valerianus

römischer Senator und Konsul 265

Licinius Valerianus († 268) war ein römischer Politiker und Senator im 3. Jahrhundert n. Chr.

Licinius Valerianus war ein Kind Kaiser Valerians aus seiner zweiten Ehe mit Cornelia Gallonia. Lange galt Licinius Valerianus als leiblicher Bruder von dessen älterem Sohn und Nachfolger Gallienus, da die Wissenschaft die Aussage der Historia Augusta,[1] dass er von einer anderen Mutter stammte – Kaiser Valerian also zweimal verheiratet war – überwiegend als unglaubwürdig einstufte. Seit 2003 allerdings bei Bulzi/Castelsardo auf Sardinien eine Inschrift gefunden wurde, welche die zweite Ehefrau Valerians eindeutig und mit ihrem Namen bezeugt,[2] wurde diese Ansicht revidiert.[3] Die Historia Augusta behauptet außerdem, dass Licinius Valerianus von seinem Vater Valerian, der 253 bis 260 im Amt war, zum Caesar, von seinem Halbbruder Gallienus während dessen Regierung (260–268) schließlich zum Augustus ernannt worden sei.[1] Da er mit diesen Titeln weder auf Münzen noch in einer anderen Quelle auftaucht, wird die Information als unhistorisch angesehen – möglicherweise verwechselte der Autor der Historia Augusta ihn an dieser Stelle mit Valerian dem Jüngeren, der tatsächlich zum Caesar erhoben worden war, aber bereits 258 starb.[4]

Aus einer Inschrift ist bekannt, dass Licinius Valerianus im Jahr 265 zum zweiten Mal den Konsulat bekleidete.[5] Da die ordentlichen Konsuln der römischen Kaiserzeit durchgängig bekannt sind, dürfte es sich bei der ersten Amtszeit um ein Suffektkonsulat gehandelt haben. Möglich ist allerdings auch, dass Licinius Valerianus als Angehöriger des Kaiserhauses ehrenhalber die ornamenta consularia erhalten hatte, ohne vor 265 tatsächlich den Konsulat bekleidet zu haben.[4] In die Verwaltung des Reiches scheint er jedenfalls, wie gesagt, nicht in größerem Umfang mit einbezogen worden zu sein. Sein jüngeres Alter kann dafür nicht der einzige Grund gewesen sein, möglicherweise litt er an einer Krankheit; während der Alleinherrschaft des Gallienus mag er darüber hinaus als potenzieller Konkurrent für den Kaiser wahrgenommen worden sein.[6] Während der Regierung seines Halbbruders vertrat Licinius Valerianus immerhin den Kaiser während dessen längeren Abwesenheitszeiten in Rom, wobei er aber wohl kein besonderes Amt innehatte. Nachdem die Nachricht vom Tod des Gallienus in Rom eintraf (268), ließ der Senat Vertraute und Anhänger sowie Familienangehörige des Gallienus, darunter auch dessen Sohn Marinianus ermorden. Licinius Valerianus befand sich möglicherweise in Mediolanum (Mailand), als er umgebracht wurde.[7]

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. a b Historia Augusta, Vita Valeriani Duo 8,1.
  2. AE 2004, 673.
  3. Zur Interpretation der Inschrift Raimondo Zucca: Valeriano e la sua Famiglia nell’Epigrafia della Sardinia. In: Maria Gabriella Angeli Bertinelli, Angela Donati (Hrsg.): Epigrafia di Confine, Confine dell’Epigrafia. Atti del Colloquio AIEGL, Borghesi 2003 (= Epigrafia e Antichità. Band 21). Fratelli Lega, Faenza 2004, ISBN 88-7594-023-1, S. 347–370, bes. S. 363–369.
  4. a b Klaus-Peter Johne: Das Kaisertum und die Herrscherwechsel. In: Derselbe (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. (235–284). Band 1, Akademie Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004529-0, S. 583–632, hier S. 607.
  5. CIL 6, 2809.
  6. Andreas Goltz, Udo Hartmann: Valerian und Gallienus. In: Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. (235–284). Band 1, Akademie Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004529-0, S. 223–295, hier S. 230 mit Anm. 42.
  7. So Eutropius, Breviarium ab urbe condita 9,11,1. Zur Historizität dieser Überlieferung Andreas Goltz, Udo Hartmann: Valerian und Gallienus. In: Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. (235–284). Band 1, Akademie Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004529-0, S. 223–295, hier S. 292 mit Anm. 292.