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Landschaft (Landstände)

Gesamtheit der Landstände in einem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Staat im Sinne der Ständeordnung

Landschaft bedeutet im historischen und ursprünglichen Zusammenhang die Gesamtheit der Landstände in einem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Staat im Sinne der Ständeordnung. Teilweise wurden auch nur die Städte als Teil der Landstände als Landschaft bezeichnet.[1]

BegriffsgeschichteBearbeiten

Der Begriff „Landschaft“ stand im Mittelalter ursprünglich für die gesamte Bevölkerung eines Gebiets. Später engte sich dessen Bedeutung auf die politisch handlungsfähigen Bewohner als Vertretung der Landeseinwohner vor der Regierung[2] und schließlich auf deren ständische Vertretung ein. Die Versammlungen der Landstände wurden „Landtag“ genannt, mit „Landschaft“ ist dagegen eher die Institution gemeint.

Die heute gängige Bedeutung von Landschaft im geographischen Sinne kam später unter dem Einfluss der Malerei auf und ist erst seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch.

Geschichtliche Entwicklung und heutige BedeutungBearbeiten

Seit dem 17. Jahrhundert verloren die Landschaften oder auch Landstände in den meisten Staaten durch den Absolutismus an politischer Bedeutung. Sie wurden entweder aufgelöst, wandelten sich über mehrere Zwischenstufen hin zu den heutigen Landtagen oder zu Institutionen eigener Art wie den Landschaftsverbänden.

Der Einfluss der Landschaften, die in der Geschichte eine Region mit einer eigenen Identität gebildet haben, wirkt heute oft noch nach und kann Kultur und Sprache eines Gebietes prägen, das politisch nicht mehr eine Einheit bildet.

DeutschlandBearbeiten

 
Bereiche der noch existierenden historischen Landschaften in Niedersachsen

In Preußen wurden die ab Ende des 18. Jahrhunderts in den historischen Landesteilen (Brandenburg, Pommern, Ostpreußen usw.) gebildeten Hypothekenbanken für die in den Landständen vertretenen adligen Grundbesitzer als Landschaft bezeichnet, siehe auch hier: Landschaft (Preußen).

In Mecklenburg wurden nur die Städte als Landschaft bezeichnet. Diese bestand bis 1918.

In Niedersachsen existieren bis heute sechs alte Landschaften als Körperschaften mit ständischer Verfassung fort.

NiederlandeBearbeiten

In den Niederlande besteht in allen 12 Provinzen eine Landschap. Heute sind die Provinciale Landschappen vor allem mit Aufgaben des Naturschutzes betraut. Sie sind Eigentümer der größeren Naturschutzgebiete und von historischen Gebäuden unter Denkmalschutz.

ÖsterreichBearbeiten

In Österreich wurde der Begriff Landschaft auch für die Gesamtheit der vier Landstände, nämlich der Prälaten, Herren, Ritter und Städte verwendet.[3] Heute findet man diese Bezeichnung noch bei Apotheken, die aus dieser Zeit stammen und die Bezeichnung Landschafts-Apotheke tragen. Man findet solche noch in Baden bei Wien, Schwechat, Horn sowie Klagenfurt.

SchwedenBearbeiten

Die Landschaften in Schweden (schwed. landskap) sind bis heute genau definierte Gebiete, auch wenn die sie repräsentierenden Landstände nicht mehr existieren.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Peter Blickle (Hrsg.): Landschaften und Landstände in Oberschwaben. Bäuerliche und bürgerliche Repräsentation im Rahmen des frühen europäischen Parlamentarismus. Bibliotheca-Academica-Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-928471-29-5.
  • Sabine Heissler: Die „ostfriesische Singularität“. Die politische und soziale Stellung der ostfriesischen Landstände im beginnenden Absolutismus 1660–1690. Tectum-Verlag, Marburg 1994, ISBN 3-89608-552-2.
  • Thomas Paringer: Die bayerische Landschaft. Zusammensetzung, Aufgaben und Wirkungskreis der landständischen Vertretung im Kurfürstentum Bayern (1715–1740). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 2007, ISBN 978-3-7696-6877-3.

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 13.
  2. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1950, OCLC 42823280; Neuauflage anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978. Ebenda 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 265 (17. Jh.)
  3. Österreich Lexikon.