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Laiki Bank
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CY0000200119
Gründung 1901
Auflösung 2013
Sitz Nikosia, Zypern RepublikZypern Zypern
Branche Bankwesen
Website www.laiki.com

Die Laiki Bank (LB, engl.: Cyprus Popular Bank, CPB, 2006 bis 2011 Marfin Popular Bank, MPB) war die zweitgrößte Bankengruppe der Republik Zypern (die Bank of Cyprus ist die größte). Sie hatte im September 2012 einen Marktanteil von 16 % bei Anleihen und 14,4 % bei Einlagen. Seit dem 30. Juni 2012 gehört sie zu 84 % dem Staat. Ihre Aktien wurden an der Börse von Zypern und der Athener Börse gehandelt.

Die Laiki Bank hatte 2008 ein Netz von insgesamt 478 Filialen in der Republik Zypern, Griechenland („Laïki Bank“), Russland, Ukraine, Rumänien, Serbien, Großbritannien und Malta. Der Name Laiki steht griechisch für Leute, der Name Laiki Bank könnte also sinngemäß mit „Volksbank“ übersetzt werden.

Am 25. März 2013 wurde auf einem Sondergipfel der EU-Finanzminister im Rahmen der Umstrukturierung des Finanzsektors in der Republik Zypern die Zerschlagung der Bank beschlossen. Der überlebensfähige Teil der Laiki Bank samt allen Einlagen unter 100.000 Euro wurde auf die Bank of Cyprus übertragen. [1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Filiale in Agia Napa (2012)
  • 1901 gründeten vier Bürger von Limassol — Agathoclis Francoudis, Ioannis Kyriakides, Christodoulos Sozos und Neoklis Ioannides — die Volkssparbank von Limassol. 1924 strich die Bank -spar- aus ihrem Namen. Die Bank war das erste Unternehmen in Zypern, das öffentlich gehandelt wurde.[2]
  • 1967 änderte die Bank ihren Namen (Cyprus Laiki Bank, etwa: Volksbank von Zypern), weil sie nicht mehr nur in Limassol tätig war.
  • 1969 entstanden Filialen in Nikosia und Famagusta, 1970 in Paphos und Larnaka. In den 1970er Jahren kaufte die 'Midland Bank' 22 % der Aktien der Bank. Im Jahr darauf verlegte die Bank ihren Unternehmenssitz nach Nikosia.
  • 1972 erwarb die HSBC 21 % der Bank, was eine rasche Expansion ermöglichte
  • 1974 Gründung einer Niederlassung in London
  • 1983 Kauf der Geschäftsaktivitäten der 'Grindlays Bank' in dem Gebiet, dass unter der Kontrolle der Republik Zypern ist (= Südteil der Insel).
  • 1992 Sie gründen die erste Niederlassung in Athen über die European Popular Bank (EPB), an der sie 58 % der Aktien halten; andere Anteilseigner sind unter anderem HSBC (sie kaufte 1992 die 'Midland Bank') sowie griechische und zypriotische Investoren.
  • 1995 Eröffnung einer Filiale in Südafrika und einer in Toronto (Kanada)
  • 1996 Eröffnung einer Filiale in Australien
  • 1997 Eröffnung von Filialen in Serbien und Russland
  • 1998 Eröffnung einer Zweigstelle in New York.
  • 2000 Namensänderung in Laiki Group
  • 2001 Gründung einer Niederlassung in Australien mit fünf Zweigstellen.
  • 2005 Kauf der Centrobank in Serbien und Gründung einer Niederlassung auf Guernsey. Guernsey ist eine Insel im Ärmelkanal; sie ist nicht Teil der EU und gilt als Steuerparadies.
  • 2006 Die griechische Marfin Investment Group übernahm die Anteile von HSBC an der Laiki Bank und übernahm durch weitere Aufkäufe die Kontrolle. Die Bank wurde in Marfin Popular Bank umbenannt (den Namen hatte sie bis 2011).
  • 2007 Kauf von 50,12 % der Aktien der 'AS SBM Pank', einer Bank in Estland.[3][4]
Kauf für 156 Mio US-Dollar 99,2 % der Anteile der 'Marine Transport Bank' Ukraine. Diese Bank wurde 1993 unter dem Namen 'Marine Trade Bank' gegründet und benannte sich 1996 um in 'Marine Transport Bank'.[5] Ihr Hauptsitz ist in Odessa; sie hatte 2007 etwa 86 Filialen.
Erwerb von 43 % der Lombard Bank in Malta von der BSI, sie hielten damit einen Anteil von 49 % an der Lombard Bank.
  • 2008 vollendeten sie die Übernahme von etwas über der Hälfte der Aktien der Rosprombank in Russland. Im selben Jahr kam es zu einer Kooperation des großen französischen Lebensversicherers CNP Assurances, der CNP-Marfin Insurances.
  • 2010 verkauften sie 85 % der Laiki Bank Australia an die Bank of Beirut - die australische Filiale nannte sich dann Beirut Hellenic Bank.
  • 2010 ermöglichte die Bank elektronischen Handel in der Republik Zypern.
  • 2011 verkaufte MPB die Mehrheit seiner Aktien an ihrer Estnischen Filialbank und nahm wieder den historischen Namen Laiki Bank/Cyprus Popular Bank an.
  • 2012 kam die Bank vor allem aufgrund ihres starken Engagements in Griechenland und der griechischen Finanzkrise (und dem damit verbundenen Schuldenschnitt) in finanzielle Schwierigkeiten. Die Republik Zypern übernahm 85 % der Aktien um im Rahmen von Vorgaben der EU die Eigenkapitalquote auf 9 % zu bringen. In der Jahresbilanz 2011 war die Bank noch nach eigenen Angaben zu 53 % in der Hand institutioneller Anleger, zu 37 % in privatem Streubesitz.[6]
  • 2013 wurde der griechische Ableger der Bank wieder Cyprus Popular Bank genannt.

Finanzkrise der Republik ZypernBearbeiten

Im März 2013 blieben alle Banken in der Republik mehr als eine Woche lang geschlossen (bis einschließlich Mittwoch, 27. März 2013).[7] 28,7 Milliarden Euro (42 Prozent der Guthaben) liegen auf Konten mit mehr als 500.000 Euro Guthaben.[7] Grund für die Schließung waren laufende Verhandlungen der Regierung der Republik Zypern mit der EU und Russland über ein Rettungspaket, um eine Staatsinsolvenz der Republik und/oder Insolvenzen zypriotischer Banken abzuwenden.

Bedingung der EU für den Kredit war, die Sparer mit etwa 6 Milliarden Euro an den Kosten der Rettung der zypriotischen Banken zu beteiligen.[8] Die Sparer hatten zuvor von überdurchschnittlich hohen Zinsen profitiert. Das zyprische Parlament lehnte das Rettungspaket jedoch ab.[9]

Laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatten die zypriotischen Banken Ende September 2012 nur 441 Millionen Dollar Schulden bei ausländischen Banken (zum Vergleich: spanische Banken hatten 132 Milliarden Dollar). Die sonst stets befürchteten Ansteckungseffekte für Banken anderer Länder wären im Falle der Republik Zypern also gering.[10]

Bundesfinanzminister Schäuble erklärte das Geschäftsmodell der zyprischen Banken für gescheitert[11] und sagte am 19. März 2013, Zypern sei selbst schuld an seiner Lage.[12]

Die Zyprische Zentralbank[13] traf am 21. März 2013 erste konkrete Entscheidungen zur Sanierung angeschlagener Geschäftsbanken. Damit solle die Laiki Bank vor dem Zusammenbruch bewahrt werden, sagte der Chef der zyprischen Zentralbank, Panikos Demetriades.

Die Laiki Bank werde in eine funktionsfähige und eine „Bad Bank“ aufgespalten, sagte eine Sprecherin der Bank. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll die „good Bank“ alle Geldeinlagen bis zu 100.000 Euro sowie einen Teil der Gebäude und die Kredite beinhalten, die normal bedient werden. Dieser Teil soll mit der Bank of Cyprus zusammengelegt werden. Die Bad Bank soll die unsicheren Kredite und die nicht benötigten Gebäude umfassen. Ein Insolvenzverwalter soll dann versuchen, aus dem Verkauf der Gebäude und der Erfassung der unsicheren Kredite Geld zu erlösen und Gläubiger mit höheren Einlagen zu bedienen.[14]

Am Freitag, 21. März 2013 beschloss das Parlament der Republik Zypern eine gesetzliche Grundlage zur Schließung von Banken.[15]

Am 25. März wurde nach einem Sondergipfel der EU-Finanzminister bekannt, dass im Rahmen der Restrukturierung des Finanzsektors der Republik Zypern die Laiki Bank vollständig abgewickelt werden soll.[16]

Die Europäische Zentralbank deckelte daraufhin die ELA-Notfallkredite. Obwohl die Laiki Bank bereits 9,5 Milliarden von den die Republik Zypern insgesamt 11 Milliarden gewährten ELA-Mitteln erhalten hatte, bedeutete das den Konkurs.[17]

Der überlebensfähige Teil der Laiki Bank samt allen Einlagen unter 100.000 Euro wurde auf die Bank of Cyprus übertragen, die auch den Anteil der Laiki Bank aus insgesamt 9,5 Milliarden Euro Schulden von Notkrediten der Zentralbank übernahm[18]. Gläubiger, Großkunden und Anteilseigner mussten auf Forderungen in Höhe von geschätzt 4,2 Milliarden Euro verzichten.

SonstigesBearbeiten

Die Laiki Bank war Mitglied in der Euro Banking Association.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Laiki Bank - ANNOUNCEMENT (29. März 2013)
  2. Bankgeschichte auf der offiziellen Webseite
  3. www.marfinbank.ee
  4. Marfin Popular Bank acquires bank in Estonia (15. Juni 2007) (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  5. Marfin Bank (MARINE TRANSPORT BANK)
  6. Jahresbericht 2011, pdf
  7. a b Zyprer stehen bereits vor den Bank-Filialen
  8. Trotz Sonderregel für Kleinsparer: Zyperns Parlament will Zwangsabgabe stoppen
  9. "Zyprisches Parlament lehnt Rettungspaket ab", FAZ.net, 19. März 2013
  10. spiegel.de 20. März 2013: Drohender Staatsbankrott Zyperns: Im Griff der Banken
  11. FAZ 20. März 20123: Schäuble: Zypern muss sein Geschäftsmodell ändern
  12. Video heute journal: Schäuble – „Zypern ist selbst schuld“ (19. März 2013, 21:145 Uhr, 4:55 Min.) in der ZDFmediathek, abgerufen am 3. Februar 2014
  13. www.centralbank.gov.cy
  14. handelsblatt.com: Zyprische Nationalbank spaltet Geschäftsbank auf
  15. spiegel.de 25. März 2013: Staatspleite abgewendet: EU-Finanzminister stimmen Rettungsplan für Zypern zu
  16. Carsten Volkery Rettungspaket für Zypern: Bye Bye Bankeninsel, Spiegel Online, 25. März 2013
  17. Hans-Werner Sinn: „Die EZB betreibt [[Insolvenzverschleppung|Konkursverschleppung]]“. Der Münchner Ökonom Hans Werner Sinn warnt vor einer gewaltigen Kapitalflucht aus Griechenland. Die Vermögenden, so sein Vorwurf, nutzen dazu die Notfallkredite der Europäischen Zentralbank. (Print). In: Nr. 33. Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2015, S. 18, abgerufen am 12. Februar 2015.
  18. Staatspleite abgewendet: Minister beschließen Rettungsplan für Zypern, Spiegel Online, 25. März 2013