Hauptmenü öffnen

Kurt Goldammer

deutscher Religionswissenschaftler und Paracelsus-Forscher

WirkenBearbeiten

Kurt Goldammer studierte von 1935 bis 1939 evangelische Theologie, Kunstgeschichte und Archäologie, allgemeine Religionsgeschichte und Philosophie in Leipzig, Marburg, Tübingen und Zürich. Er promovierte 1939 bei Friedrich Heiler und habilitierte 1946.

ReligionswissenschaftBearbeiten

Nach jahrelanger Tätigkeit im Kirchendienst avancierte er seit Heilers Rückkehr zur Theologie zu dessen indirektem Nachfolger als Religionswissenschaftler an der Philipps-Universität Marburg. Er führte durch universitätspolitische Veränderungen hindurch Heilers religionswissenschaftliche Arbeit fort und etablierte das Fach, als er während der Hochschulreform der 1970er Jahre zum Professor ernannt wurde. Goldammer betrieb Religionswissenschaft viel deutlicher als Heiler als theologieunabhängige Kulturwissenschaft.[1]

Mit Rudolf Otto, Friedrich Heiler und Gustav Mensching zählt Goldammer zu den bedeutenden deutschen Religionsphänomenologen des 20. Jahrhunderts. Neben wichtigen Arbeiten zur Symbolik und Kunst sowie zur antiken Religiosität, richtete sich sein religionswissenschaftliches Interesse vor allem auf systematische, phänomenologische und methodologische Fragen.

Paracelsus-ForschungBearbeiten

Goldammer veröffentlichte viele Aufsätze zu Paracelsus in den unterschiedlichsten Publikationen. Bereits 1941 wurde er Assistant in der Ausgabe der Theologischen Schriften von Paracelsus des Herausgebers Heinrich Bornkamm und übernahm 1953 als Hauptherausgeber, unterstützt durch den Germanisten Karl-Heinz Weimann (1922–2006). Seit 1953 war Goldammer Editionsleiter und Vorsitzender der Paracelsus-Kommission und für die Gesamtausgabe der theologischen und religionsphilosophischen Werke verantwortlich. Von den geplanten 14 Bänden erschienen im Steiner Verlag nur 6, ein Supplement und ein Registerband (1995).

AuszeichnungenBearbeiten

1988 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

LiteraturBearbeiten

  • Art. Kurt Goldammer. In: Udo Tworuschka: Religionswissenschaft. Wegbereiter und Klassiker, UTB 3492, Köln-Weimar-Wien 2011, S. 303–317 (Lit!)
  • Rosemarie Dilg-Frank (Hrsg.): Kreatur und Kosmos : internationale Beiträge zur Paracelsusforschung ; Kurt Goldammer zum 65. Geburtstag, Fischer 1981

SchriftenBearbeiten

  • Paracelsus-Studien, Klagenfurt 1954
  • Die Formenwelt des Religiösen, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1960
  • Paracelsus in neuen Horizonten. Gesammelte Aufsätze, Wien 1986
  • Herausgeber: Paracelsus, Vom Licht und der Natur des Geistes. Eine Auswahl, Reclam 1984
  • Der göttliche Magier und die Magierin Natur : Religion, Naturmagie und die Anfänge der Naturwissenschaft vom Spätmittelalter bis zur Renaissance ; mit Beiträgen zum Magie-Verständnis des Paracelsus, Stuttgart: Steiner 1991
  • Herausgeber von Friedrich Heiler: Religionen der Menschheit, Reclam, 6. Auflage 1999

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Pye: Friedrich Heiler (1892 – 1967), in: Axel Michaels (Hg.): Klassiker der Religionswissenschaft, München 1997, 3. Aufl. 2010, Verlag C. H. Beck, S. 288