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Kunsthalle Schweinfurt

Kunstmuseum in Schweinfurt

Die Kunsthalle Schweinfurt ist ein Museum und Ausstellungshaus für moderne und zeitgenössische Kunst in Schweinfurt. Das Gebäude wurde von 1931 bis 1933 nach Plänen von Roderich Fick erbaut und vom Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs als Ernst-Sachs-Bad den Bürgern seiner Heimatstadt geschenkt. Seit dem Jahre 2009 wird das innen umgebaute und außen unveränderte historische Gebäude als Kunsthalle der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt genutzt.

Kunsthalle Schweinfurt
Schweinfurt, Rüfferstraße 4-002.jpg
Vorhof mit Eingangsportal
Daten
Ort Schweinfurt
Rüfferstraße 4 Welt-IconKoordinaten: 50° 2′ 37,4″ N, 10° 13′ 36,2″ O
Art
Architekt Roderich Fick & Prof. Hartwig N. Schneider
Eröffnung 2009
Leitung
Andrea Brandl
Website
ISIL DE-MUS-415516

Die Kunsthalle versteht sich als Kompetenzzentrum für Deutsche Kunst nach 1945 bei der Dauerpräsentation wie bei den Wechselausstellungen.

LageBearbeiten

 
Kunsthalle in den Wallanlagen (2010)

Die Kunsthalle liegt an der Nahtstelle zwischen der Schweinfurter Altstadt, die heute in diesem Bereich ein modernes Citygebiet ist und dem Gründerzeitviertel. Die Kunsthalle liegt fast unmittelbar an der Stadtmauer, in den westlichen Wallanlagen, im Châteaudun-Park, wo sich auch die öffentliche Parkgarage Kunsthalle und das Theater der Stadt Schweinfurt befinden.

GeschichteBearbeiten

Ernst-Sachs-BadBearbeiten

 
Rossbändiger-Brunnen (1934) vor Arkadenbau (1933) (Foto: 2014)

Roderich Fick, dessen Schwager Oberbaurat der Stadt Schweinfurt war, galt als einer der anfänglichen Lieblingsarchitekten Adolf Hitlers und war an den Planungen am Obersalzberg und den nur in Ansätzen verwirklichten Ausbau von Linz zur europäischen Kulturmetropole und Jugendstadt des Führers beteiligt. Das einzige, größere verwirklichte Projekt stammt von ihm, die heute noch das Linzer Stadtbild prägenden Brückenkopfgebäude (1940–43). Zuvor baute er in Schweinfurt am Kiliansberg das Wohnhaus am Löhlein 4 (1928) und sein erstes größeres Werk, das Ernst-Sachs-Bad (1931–33), in einem Übergangsstil zwischen Historismus und Moderne. Dazu fertigte er Planzeichnungen bis ins letzte Detail, so dass von Türen, Fenstern, Möbeln bis zu Leuchtkörpern und Beschlägen alles aufeinander abgestimmt wurde und seine Handschrift trägt. Auf dem Vorplatz vor dem Haupteingang steht der Rossbändiger-Brunnen (1934) von Josef Wackerle im Neoklassizismus.

Im Südflügel, dem Arkadenbau, befand sich von 1951 bis 1956 das Amerika-Haus Schweinfurt.

Das Hallenbad aus der Zwischenkriegszeit hätte nach der Jahrtausendwende als Badehaus umfassend und kostenaufwendig saniert werden müssen. Die damalige Oberbürgermeistern Gudrun Grieser hatte die Idee, stattdessen das städtische Freibad durch ein zusätzliches Badehaus zum Hallenfreibad bzw. Freizeitbad auszubauen, da das Ernst-Sachs-Bad eine ideale Hülle für eine neue Kunsthalle darstelle.

Darauf erinnerte man sich der Worte zur Einweihung des Bades 1933, als der Stifter Ernst Sachs sagte: „Die Sache sähe halt eigentlich nicht wie ein Hallenbad aus, sondern wie eine Festhalle, in der auch Kunstausstellungen stattfänden“, worauf Roderich Fick antwortete, das sei gerade beabsichtigt.[1]

Umbau zur KunsthalleBearbeiten

Von 2007 bis 2009 liefen die Umbauarbeiten und im Mai wurde die Kunsthalle eröffnet.

Unveränderte HülleBearbeiten

Nach dem von Prof. Hartwig N. Schneider geplanten Umbau werden auf 2.200 Quadratmetern in zwei Geschossen die städtischen Kunstsammlungen, die Exponate des Kunstvereins Schweinfurt und die Sammlung Joseph Hierling ausgestellt. Diese Dauerpräsentationen werden durch Wechselausstellungen ergänzt. Die historisch geprägte Außenansicht blieb erhalten. Der Haupteingang mit seiner Freitreppe und dem Portal mit Stiftungskartusche geleitet den Besucher auch heute wieder in das etwas erhöht stehende Gebäude.

Große HalleBearbeiten

 
Große Halle

Kernstück der Kunsthalle ist die einstige Schwimmhalle im Erdgeschoss, mit einer 500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche und einer Raumhöhe von rund 11 Metern.

InnenhofBearbeiten

   
Untergeschoss mit Schanze
Innenhof,
mit Lichtraupe über der Schanze

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurde die veraltete, mittelalterliche Stadtmauer vom Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel, der sein Hauptquartier am nahegelegenen Roßmarkt hatte, zu einer modernen Befestigungsanlage mit Schanzen ausgebaut. Als der große Innenhof des Bades für einen weiteren Ausstellungsraum unterkellert wurde, rechnete man deshalb mit Resten einer Bastion. Tatsächlich kam ein Teil der sogenannten Naturheilschanze zu Tage, die Wrangel 1648 anlegen ließ. Das gut erhaltene Mauerstück wurde in den Ausstellungsraum integriert, mit einer aufgesetzten Lichtraupe im darüber liegenden Innenhof, als Oberlicht.[1]

Der Innenhof ist für die Besucher in den Sommermonaten frei zugänglich.

AusstellungenBearbeiten

Ständige AusstellungenBearbeiten

Deutsche Kunst nach 1945Bearbeiten

Ihre Wurzeln hat die städtische Sammlung im regionalen Kunstschaffen mit Künstlern, die durch ihre Herkunft oder ihren Lebensweg mit Franken verbunden sind. Dazu zählen auch der Kölner Georg Meistermann, der informelle Maler Conrad Westpfahl ebenso wie der Bildhauer Fritz Koenig. Bereits seit den 1980er Jahren konzentrieren sich Sammlungskonzept und Wechselausstellungen der städtischen Sammlung auf deutsche Kunstäußerungen der Nachkriegszeit, wie Quadriga, ZEN 49, Junger Westen, SPUR, bis hin zur Gegenwart. Diese werden im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration, Informel und Expressionismus, klassischer Bildhauerei und Objektkunst präsentiert. Nach 30-jähriger Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit wird nun das Blickfeld auch auf das internationale Kunstschaffen gerichtet.

KunststreitBearbeiten

 
Albert Schiestl-Arding Selbstbildnis 1932

Joseph Hierling trug seit Jahrzehnten eine umfangreiche Sammlung zur Kunst der Verschollenen Generation zusammen. Diese vom Expressionismus angeregten Künstler kamen als Jugendliche in den Ersten Weltkriege. Während der Nationalsozialismus wurden sie ins Abseits gedrängt und verfemt, manche emigrierten, viele erhielten in Deutschland Ausstellungsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Kunst des expressiven Realismus der inzwischen Fünfzigjährigen bald in den Schatten ungegenständlicher Strömungen jüngerer Künstler und der Popart. Erst verspätet entdeckte die Kunstgeschichte diese Maler als Verschollenen Generation.

Mit der Übernahme der rund 350 Gemälde umfassenden Sammlung Joseph Hierling bei Eröffnung der Kunsthalle 2009 bot sich die Möglichkeit, ein wichtiges aber weithin vergessenes Kapitel deutschen Malerei zwischen beiden Weltkriegen zeigen zu können.[2][3]

Der auf zehn Jahre befristete Leihvertrag zwischen Hierling und der Stadt Schweinfurt lief 2018 aus und die Stadt wollte ihn, zur völligen Überraschung von Joseph Hierling, nicht verlängern. Bei der Eröffnung der Kunsthalle wurde betont, dass die Sammlung Hierling die zeitliche Lücke schließe, zwischen dem Bestand des Schweinfurter Museums Georg Schäfer, mit Arbeiten des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts und dem der Kunsthalle, mit der Zeit nach 1945. Joseph Hierling ist weiterhin dieser Auffassung, im Gegensatz zur inzwischen neuen Leitung der Kunsthalle durch Andrea Brandl. Sie betonte, dass die Besucher diesen Zusammenhang nie richtig verstanden haben.[4]

NeukonzeptionBearbeiten

Nach Renovierung der Räume und der Sonderausstellung der fotografischen Sammlung von Gunter Sachs (siehe: Gunter Sachs – Kamerakunst. Fotografie, Film und Sammlung) feiert die Kunsthalle am 13. und 14. Juli 2019 die Wiedereröffnung mit einem Museumsfest und einer kompletten Neukonzeption. Brandl will die Kunsthalle, ohne einen Schwerpunkt Expressiver Realismus, neu und internationaler aufstellen. Statt Kunst aus Deutschland wird ab Juli 2019 die neue Dauerausstellung Kunst nach 1945 in Deutschland auf zwei Geschossebenen gezeigt. Die zeitliche Lücke zwischen dem Museum Georg Schäfer und der Nachkriegszeit will Brandl aus eigenen Beständen und nicht auf eine Künstlergruppe fokussiert schließen, etwa mit Arbeiten von Leo Putz, Willi Kohlhoff oder Modersohn-Becker.[4][5]

WechselausstellungenBearbeiten

Vier Präsentationen jährlich finden in der großen Halle im Erdgeschoss und im Untergeschoss unter dem Innenhof statt. So waren es z. B. Werkausstellungen zu Herman de Vries, Herbert Mehler und Fred Thieler.

Bayerische LandesausstellungBearbeiten

Von Mai bis Oktober 2013 beherbergte die Kunsthalle die Bayerische Landesausstellung 2013 Main und Meer.

Sammlung Gunter SachsBearbeiten

Vom November 2013 bis März 2014 wurde die Sammlung Gunter Sachs gezeigt. Im Gegensatz zur Premiere in der Villa Stuck in München stellte aus der Schweinfurter Industriellendynastie der älteste Sohn von Gunter Sachs, der in Lausanne geborene Rolf Sachs, gemeinsam mit der Familie für die Ausstellung in der Kunsthalle 70 zusätzliche Exponate zur Verfügung.[6] Die Ausstellung wurde zu einem Who's who der internationalen Kunstgeschichte und Pop Art, mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dali, Max Ernst und anderen. 64.744 Besucher kamen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. 858 gebuchte Führungen zählten insgesamt 17.000 Teilnehmer. Wegen des unerwartet großen Andrangs, an einigen Tagen mit langen Warteschlangen vor dem Eingang, wurden die Öffnungszeiten erweitert.[7] Die Ausstellung verstand sich als „eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“. Gunter Sachs selbst hatte jedoch ein distanziertes Verhältnis zu seiner Heimatstadt.[6]

Gunter Sachs – Kamerakunst. Fotografie, Film und SammlungBearbeiten

Den Auftakt zum Jubiläumsjahr der Kunsthalle, die 2009 eröffnete, machte Anfang 2019 die Ausstellung Gunter Sachs – Kamerakunst. Fotografie, Film und Sammlung. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturaustausch in Tübingen gab die Ausstellung, die erstmals und exklusiv gezeigt wurde, neue Einblicke in die Gedankenwelt von Gunter Sachs, der nicht nur Kunstsammler und Mäzen, sondern auch Fotograf und Filmemacher war. Das Besondere an der in dieser Form bisher noch nicht zu sehenden Ausstellung ist das Verweben der von Sachs gesammelten Werke bekannter Fotografen wie Richard Avedon, Irving Penn, Andreas Feininger oder Andy Warhols fotografisches Werk mit seinen eigenen fotografischen Arbeiten.[8][9]

Geplante AusstellungenBearbeiten

Ab 19. Juli 2019 ist eine Sonderausstellung mit großen Plastiken des Bildhauers Werner Pokorny zu sehen.[9]

Eine Ausstellung mit dem Designer Rolf Sachs in Planung.[9]

WeiteresBearbeiten

Kunstverein SchweinfurtBearbeiten

Der 1986 gegründete Kunstverein Schweinfurt e. V. ist der Förderverein der städtischen Museen und Galerien am Ort. Er richtet in seinen eigenen Räumen, dem „Kunstsalong“ im Obergeschoss, thematische Ergänzungen zu Ausstellungen in der Kunsthalle sowie Werkschauen von Künstlermitgliedern aus. Zudem unterstützt er mäzenatisch Ausstellungen, Ankäufe und Katalogproduktionen.

MuseumspädagogikBearbeiten

Der Museumsdienst Schweinfurt MuSe widmet sich seit über zehn Jahren der Kunstvermittlung in den Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt und im Museum Otto Schäfer an die Besucher, besonders an Kinder und Jugendliche.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Otto Letze, Wilfried Dickhoff, Rose-Maria Gropp: Die Sammlung Gunter Sachs – Katalogbuch zu den Ausstellungen in München 2013 und Schweinfurt 2013–2014. Hirmer Verlag, München 2012, ISBN 978-3777454511

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Schweinfurt Stadt-Kultur-Themen. Eine Publikation des Schweinfurter Tagblatts und Sonderausgabe für das Handelsblatt und Die Zeit: Nach dem Bade. 20. Mai 2009, S. 10 f.
  2. Expressiver Realismus. Die Sammlung Hierling
  3. Rainer Zimmermann: Die Sammlung Joseph Hierling. Expressiver Realismus. Faltblatt der Kunsthalle Schweinfurt, um 2016.
  4. a b mainpost.de: Kunst-Streit: Schweinfurt trennt sich von Hierling-Sammlung, 29. Januar 2019. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  5. Kunsthalle Schweinfurt/Wir über uns. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  6. a b schweinfurter. Bürgermagazin der Stadt Schweinfurt, 3. Ausgabe, S. 16.
  7. Schweinfurter Anzeiger: Ausstellungsende der Sammlung Gunter Sachs. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 17. April 2016; abgerufen am 17. April 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sw-anzeiger.de
  8. mainpost.de: Gunter Sachs: Fotograf und Filmemacher, 14. März 2019. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  9. a b c mainpost.de: Sachs-Fotos in Kunsthalle: 30 000 wollten Ausstellung sehen , 17. Juni 2019. Abgerufen am 17. Juni 2019.