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Die Kriegsvorträge der Universität Bonn (offizielle Bezeichnung Kriegsvorträge der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn a. Rh.) wurden während des Zweiten Weltkrieges zu Themen aus einer großen Bandbreite verschiedener Fachbereiche in öffentlicher Vorlesung gehalten und größtenteils in einer eigens aufgelegten Schriftenreihe publiziert.

Vortragsreihen und -hefteBearbeiten

Die Mehrzahl der Vorträge wurde im Kontext einer speziellen Vortragsreihe vom 1. Trisemester 1939 bis zur Schließung der Universität 1944 mit einem gemeinsamen Oberthema gehalten. Autoren waren Professoren und Dozenten der Universität Bonn, einige kamen als Gastvortragende von anderen Universitäten (z. B. Leipzig, Groningen) sowie aus NSDAP-Organisationen und der Wehrmacht.

Herausgeber der gleichnamigen Schriftenreihe war der Gaudozentenführer Karl F. Chudoba, zugleich Rektor der Universität Bonn. Verlegt wurden die Hefte über die Bonner Universitäts-Buchdruckerei Gebr. Scheur, GmbH.

Chudoba führt 1942 in einem Vorwort im Band 100 zu den Hintergründen der Vorträge aus: ... gleichzeitig der entscheidenden geistigen und weltanschaulichen Auseinandersetzung um den neuen Sinn der Geschichte ... und der Neuordnung Europas angeordnet sein.[1] Im Tone ähnlich 1943: Die Kriegsvorträge ... stellen nicht nur eine Gemeinschaftsarbeit, sondern zugleich einen Kriegseinsatz der Dozentenschaft der Bonner Alma mater dar; sie wurden zu Beginn des jetzigen, unseres Volkes Größe oder Vernichtung bestimmenden Weltkrieges aufgenommen, ... , als die Hochschulen ... aus militärpolitischen Gründen in ihrem Vorlesungsbetrieb ... stillgelegt wurden.[2]

Die Vortragsthemen und -inhalte zeigen den deutlichen Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie auch auf das Wissenschaftsbild der Zeit. Allerdings waren nicht alle Autoren Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Organisationen, zum Beispiel wurde Zycha (Vortrag 1940: Der Kampf der Deutschen um ihr Recht in Böhmen, Heft 9) bereits 1933 wegen seiner kritischen Haltung als Rektor der Universität abgelöst. Kern (2 Vorträge, Hefte 11, 39) schloss sich 1944 einer Widerstandsgruppe an. Andere, wie zum Beispiel Chudoba, Feldmann, Obenauer, Tackenberg oder Schiedermair waren überzeugte Nationalsozialisten.

 
Liste der Kriegsvorträge Uni Bonn
 
Liste der Kriegsvorträge Uni Bonn

Die Reihenfolge der Vortragshefte ist nicht streng chronologisch. Manche Hefte, auch aus Vortragsreihen, erschienen später als andere Hefte der Reihe. Für die Hefte 48, 50–53, 111–114, 121–128, 137–150 findet sich heute kein Nachweis: wahrscheinlich sind sie nicht mehr in Druck gegangen.

Insgesamt wurden 129 Vortragshefte veröffentlicht: 1940 erschienen 29 Hefte, 1941 21, 1942 31, 1943 26 und 1944 22 Hefte. 1943 erschien zusätzlich ein Sammelband aller Vorträge der Reihe Der Kampf um den Rhein.

Thema der Reihe Heftnummern Jahr der Publikation
Was sollen wir vom Gegner wissen? 1–9 1940
Allgemeine Vorträge 10–20a,90 1940–1942
Wissenschaft im Kampf für Deutschland 21–29,37,41,44 1940–1941, 1944
Der Kampf um den Rhein 31–40 1940–1941
Europa und die Kolonien 45–47,49,54 1941–1942
Griechenland 55–64 1941–1942
Holland und Flandern 65–72 1942
Kunst und Wissenschaft 81–86,89 1942–1944
Führungsformen der Völker 91–97 1942
Das Mittelmeer als europäischer Schicksalsraum 101–108 1942
Europas Nordland 115–120 1943
Berühmte Bonner Professoren 129–136 1944
Europäischer Geist – Europäische Kultur 151–159 1944

Vortragende (Auswahl)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ralf Forsbach: Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im "Dritten Reich". Ouldenburg, München 2006, ISBN 3-486-57989-4, S. 675.
  • Michael F. Feldkamp: Reichskirchengeschichtsschreibung und Grenzlandforschung. Zum wissenschaftlichen und publizistischen Werk des Bonner Historikers Leo Just (1901–1964). In: B. Dietz, H. Gabel, U. Tiedau (Hrsg.): Griff nach dem Westen: die "Westforschung" der völkisch-nationalen Wissenschaften zum nordwesteuropäischen Raum (1919–1960) Band II (= Studien zur Geschichte und Kultur Nordwesteuropas). Band 6. Waxmann, Münster 2003, ISBN 3-8309-1144-0, S. 1027 ff.
  • Fabian Sösemann: Richard Thoma. In: Mathias Schmoeckel (Hrsg.): Die Juristen der Universität Bonn im "Dritten Reich" (= Rechtsgeschichtliche Schriften). Band 18. Böhlau, Köln 2004, ISBN 3-412-12903-8, S. 576.
  • Thomas Mittmann: Vom 'Günstling' zum 'Urfeind' der Juden. K+N, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3273-X, S. 111 f.
  • Eckart Mentzler-Trott: Gentzens Problem: Mathematische Logik im nationalsozialistischen Deutschland. Birkhäuser, Basel 2001, ISBN 3-7643-6574-9, S. 166 ff.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans Naumann: Das Nibelungenlied. In: Karl F. Chudoba (Hrsg.): Kriegsvorträge der Rheinischen Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn a.Rh. Band 100. Gebr Scheur - Universitätsdruckerei Bonn, Bonn 1942, DNB 361933223.
  2. Vorwort des Herausgebers. In: Karl F. Chudoba (Hrsg.): Kriegsvorträge der Rheinischen Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn a.Rh. Gebr Scheur - Universitätsdruckerei Bonn, Bonn 1943, DNB 580331385.