Konvention von Artlenburg

Mit der Konvention von Artlenburg, auch Elbkonvention[1] oder Elbekonvention[2] genannt, kapitulierte das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg am 5. Juli 1803 in Artlenburg gegenüber der Armee Napoleons.

Vorgeschichte: die Konvention von SulingenBearbeiten

Nur gut 13 Monate, nachdem am 27. März 1802 der Friede von Amiens geschlossen worden war, erklärte Großbritannien am 16. Mai 1803 Frankreich erneut den Krieg.[3] Dadurch zogen die Briten das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, das Großbritannien in Personalunion verbunden war, in den Krieg hinein. Schon am 26. Mai drangen französischen Truppen aus der Batavischen Republik bei Emlichheim in das Kurfürstentum ein.[4] Sowohl König Georg III. als auch Ernst Ludwig Julius von Lenthe, der Minister der Deutschen Kanzlei am englischen Königshof, hatten die Lage völlig falsch eingeschätzt. Der Befehlshaber der kurhannoverschen Armee, Feldmarschall Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn, war überfordert und meinte, der napoleonischen Armee nicht gewachsen zu sein.[5] Er befahl, keinen Widerstand zu leisten. Kurfürstliche Unterhändler zogen dem französischen Generalleutnant Adolphe Édouard Casimir Joseph Mortier entgegen, dessen Heer von der Weser gegen Hannover vorrückte. Sie sahen sich genötigt, am 3. Juni 1803 in Sulingen eine Konvention mit Mortier abzuschließen, durch die die kurhannoversche Armee verpflichtet wurde, sich für die Dauer des Kriegs auf das Ostufer der Elbe, in das Herzogtum Sachsen-Lauenburg, zurückzuziehen.[6] Daraufhin besetzten am 5. Juni 1803 die französischen Truppen die Hauptstadt Hannover, wo Mortier das Hardenbergsche Haus zu seinem Quartier bestimmte.[7]

Der Weg zur Konvention von ArtlenburgBearbeiten

Die Konvention von Sulingen war lediglich paraphierten worden.[8] Napoleon suchte – und fand – einen Vorwand, um die Ratifizierung der Konvention zu verweigern, denn er war auf eine vollständige Unterwerfung des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg aus. Die französischen Truppen rückten weiter vor. Daraufhin unterzeichnete Wallmoden-Gimborn am 5. Juli 1803 in Artlenburg die weitergehende Konvention über die Kapitulation des Kurfürstentums Hannover, die Auflösung der kurhannoverschen Armee und die Übergabe ihrer Waffen an die Franzosen.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jörg Walter: Personengeschichtliche Quellen in den Militaria-Beständen des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1979, S. 261.
  2. Heinrich Daniel Andreas Sonne: Beschreibung des Königreichs Hannover, Bd. 5: Topographie des Königreichs Hannover. J. G. Cotta, München 1834, S. 25.
  3. Eckart Kleßmann: Napoleon. Ein Charakterbild. Hermann Böhlaus Nachf., Weimar 2000, ISBN 3-7400-1128-9, S. 31–32.
  4. William von Hassell: Das Kurfürstentum Hannover vom Baseler Frieden bis zur preußischen Occupation im Jahre 1806. Nach archivalischen und handschriftlichen Quellen. Meyer, Hannover 1894, S. 221.
  5. Friedrich Thimme: Die inneren Zustände des Kurfürstentums Hannover unter der Französisch-Westfälischen Herrschaft 1806–1813, Bd. 1. Hahn, Hannover 1893, S. 55–56.
  6. Zu den einzelnen Bestimmungen der Konvention von Sulingen siehe William von Hassell: Das Kurfürstentum Hannover vom Baseler Frieden bis zur preußischen Occupation im Jahre 1806. Nach archivalischen und handschriftlichen Quellen. Meyer, Hannover 1894, S. 244–245.
  7. Klaus Mlynek: Mortier, Edouard Adolphe Casimir Joseph. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 260 (digitalisierte Seite). Anmerkung: Klaus Mlynek datiert die Konvention von Sulingen in diesem Lexikonartikel irrtümlich auf den 5. Juni 1803.
  8. Klaus Mlynek: Wallmoden-Gimborn, Johann Ludwig Graf von. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 375.