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Kommission Reinhaltung der Luft

Die Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) ist eine seit 1957 bestehende Fachgesellschaft des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) sowie seit 1990 zusätzlich ein externer Normenausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN) mit dem Arbeitsschwerpunkt Luftqualität. Der Sitz der Kommission Reinhaltung der Luft ist das VDI-Haus in Düsseldorf.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der VDI-Fachausschuss für Staubtechnik wurde am 13. Februar 1928 mit den Arbeitsschwerpunkten Staubbeseitigung, Stauberzeugung, hygienische Staubfragen, Staubtechnologie, Staubbrände/-explosionen sowie Prüf- und Messwesen gegründet.[1] Mit der durch die Zugehörigkeit des VDI zum NS-Bund Deutscher Technik ausgelösten Vereinsauflösung vom 22. November 1945 auf Basis des Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945, erlassen durch den Alliierten Kontrollrat, endete auch die fachliche Arbeit des Vereins.[2] Nach der Genehmigung durch die Militärregierung wurde der VDI am 12. September 1946 in der Britischen Zone und schließlich im September 1949 für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin neu gegründet.[3] Der Fachausschuss für Staubtechnik wurde 1947 neu gegründet[1] und 1955 in VDI-Fachgruppe Staubtechnik umbenannt.

In Deutschland reagierte man, ähnlich wie auch in anderen Industrieländern, erst in den 1950er Jahren mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt auf die Luftverschmutzung, die sich insbesondere im städtischen Bereich dramatisch verschlechtert hatte. Im Juni 1955 machte der VDI, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als 20 Jahren intensiv mit dem Thema Luftqualität beschäftigte, die Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft (IPA) darauf aufmerksam, dass gesetzliche Regelungen nur dann erfolgreich sein könnten, wenn vorher ein fundiertes Regelwerk an technischen Grundlagen geschaffen würde.[3][4][5][6][7]

Der Deutsche Bundestag beschäftigte sich aufgrund eines Antrags der SPD-Fraktion vom 4. Juli 1956 mit dem Titel "Verunreinigung der Luft durch Industriebetriebe" zum ersten Mal mit dem Thema Luftreinhaltung.[8] In der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages am 11. Januar 1957 wurde die Einsetzung einer unabhängigen Kommission zur Ausarbeitung eines Abwehrplanes gegen die Luftverunreinigung beantragt.[6] Der Beschluss des Deutschen Bundestags vom 11. Januar 1957 beinhaltet auch eine Antwort der Bundesregierung u. a. mit dem Vorschlag zur Aufstellung zeitgemäßer technischer Regeln in Selbstverantwortung der Beteiligten.[9]

Die IPA empfahl daraufhin Anfang 1957 die Umwandlung des interdisziplinär zusammengesetzten und am 7. November 1955 gegründeten Ausschusses Reinhaltung der Luft der VDI-Fachgruppe Staubtechnik in eine selbstständige und eigenverantwortlich arbeitende Kommission Reinhaltung der Luft.[5] Da sich die Bundesregierung zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher mit den Problemen des Umweltschutzes beschäftigt hatte, war sie auf die Vorarbeit sachverständiger Gremien dringend angewiesen und stimmte der Gründung der Kommission Reinhaltung der Luft zu.[6][10]

Am 15. März 1957 wurde vom Beirat der VDI-Fachgruppe Staubtechnik beschlossen, den ihr zugehörigen Ausschuss Reinhaltung der Luft in eine selbstständige Kommission zu erheben (Ausgründung), welche sich am 2. Mai desselben Jahres zur ihrer konstituierenden Sitzung traf und als Kommission Reinhaltung der Luft mit der Aufgabe gegründet wurde, technische Regeln zu erarbeiten, die dem Gesetzgeber als Grundlage für gesetzliche Vorschriften dienen sollten.[3][7][11] In die neu gegründete Kommission Reinhaltung der Luft gingen die inhaltlichen Aufgaben des Ausschusses Reinhaltung der Luft der VDI-Fachgruppe Staubtechnik über.[3] Die erste von der KRdL herausgegebene VDI-Richtlinie mit dem Titel „VDI 2091 Staubauswurf von Dampferzeugern über 10 t/h Leistung“ erschien im Januar 1958.[12] Bis zum Jahr 1960 konnten bereits 15 VDI-Richtlinien (Stand April 1960), darunter ein Katalog der Quellen für die Luftverunreinigung (VDI 2090) und eine Sammlung von Begriffsbestimmungen (VDI 2104), veröffentlicht werden.[13] Der Fokus der inhaltlichen Arbeit in der damaligen Zeit lag allerdings auf der Erstellung von VDI-Richtlinien zum Thema Staub- und Gasauswurf aus verschiedenen Industriebereichen (VDI 2091 bis VDI 2103).[13]

Der Zusammenschluss der Kommission Reinhaltung der Luft mit dem DIN-Normenausschuss Luft (NLuft) im März 1990 beendete die bis dahin laufende Parallelarbeit und führte zur notwendigen Harmonisierung des Regelwerks im Inland mit dem Ziel einer mit dem einheitlichen nationalen Konsens abgesicherten, strategisch stärkeren Teilhabe Deutschlands an der europäischen (CEN) und internationalen (ISO) Normungsarbeit.

AuftragBearbeiten

Der Auftrag der Kommission Reinhaltung der Luft lautet:

„Die Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN unterstützt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bei der Durchführung der Aufgaben auf dem Gebiet der Reinhaltung der Luft im Sinne von §1 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Die Kommission stellt den Stand von Wissenschaft und Technik in freiwilliger Selbstverantwortung und gemeinsam mit allen Beteiligten (Behörden, Wissenschaft und Industrie) fest und setzt diese in Richtlinien und technischen Normen um. Diese fließen in die Gesetzgebung und die Tätigkeit der Exekutive ein und werden als DIN-Normentwürfe in die europäische und die internationale Normungsarbeit eingebracht.“

Bundeshaushaltsplan für das Haushaltsjahr 2017[14]

Zur Erfüllung dieses Auftrags werden die Arbeiten der Kommission Reinhaltung der Luft seit ihrer Gründung staatlich gefördert.[7] Die Fördersumme liegt aktuell bei 1.423.000 € pro Jahr.[14] Vor- und Nachteile sowie ordnungspolitische Schwierigkeiten dieser Lösung werden andernorts ausführlich diskutiert.[15][16][17]

Inhaltliche SchwerpunkteBearbeiten

EmissionsminderungBearbeiten

Die technische Regelsetzung ist fokussiert auf die Beschreibung des Stands der Technik von Verfahren, Einrichtungen und Betriebsweisen zur Emissionsminderung und Energieumwandlung in Industrie und Gewerbe, Produktion und Dienstleistung sowie auf die Abscheidung von festen und flüssigen Partikeln, aber auch von Gasen und Geruchsstoffen.

UmweltmeteorologieBearbeiten

Die Umweltmeteorologie ist sowohl grundlagen- als auch anwendungsbezogen, hat einen ausgeprägt interdisziplinären Charakter und umfasst die Disziplinen Meteorologie und Klimatologie im Allgemeinen und die Physik der atmosphärischen Grenzschicht, die Atmosphärenchemie, die numerische Modellierung, Stadtklimatologie, Humanbiometeorologie und Luftreinhaltung im Speziellen.[18] Die technische Regelsetzung ist fokussiert auf die Ausbreitung und den Transport von gas- und partikelförmigen Emissionen in der unteren Atmosphäre. Der Arbeitsbereich beginnt beim Übertritt von Stoffen in die Atmosphäre und endet beim Übergang dieser Stoffe in andere Medien.[19]

UmweltqualitätBearbeiten

In diesem Themenfeld wird die Wirkung von Luftverunreinigungen auf Mensch, Tier, Pflanze, Boden, Atmosphäre sowie auf Werkstoffe und Kulturgüter behandelt. Die technische Regelsetzung ist fokussiert auf wirkungsbezogene Mess- und Erhebungsverfahren (Biomonitoring), maximalen Immissions-Werte, die Umweltsimulation, geruchsintensive Stoffe sowie Bioaerosole.

UmweltmesstechnikBearbeiten

Die Umweltmesstechnik behandelt alle relevanten Messtechniken in der Luftreinhaltung und Anforderungen an Probenahme, Analytik und Auswertung sowie Festlegungen von Definitionen und Kriterien, die die Qualität von Messverfahren beschreiben. Die technische Regelsetzung ist fokussiert auf Messtechnik für einzelne Komponenten oder Stoffgruppen von Luftverunreinigungen sowie für klimarelevante Gase.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Robert Meldau: 25 Jahre Fachausschuß für Staubtechnik im VDI. In: VDI-Zeitschrift. Band 95, Nr. 10, 1953, S. 281–282.
  2. Verein Deutscher Ingenieure: Festschrift 140 Jahre VDI. Düsseldorf 1996.
  3. a b c d Verein Deutscher Ingenieure: 125 Jahre Verein Deutscher Ingenieure. Düsseldorf 1981.
  4. H. Kotthaus: 100 Jahre Verein Deutscher Ingenieure – Gemeinschaftsarbeit in den Fachgliederungen. In: VDI-Z. 98, Nr. 14, 1956, S. 669–684.
  5. a b F. Spiegelberg: Reinhaltung der Luft im Wandel der Zeit. VDI-Kommission Reinhaltung der Luft, Düsseldorf 1984, ISBN 3-18-419088-9.
  6. a b c J. Krämer: Ursprung, Wege und Ziele der VDI-Kommission Reinhaltung der Luft. In: Staub Reinhaltung der Luft. 37, Nr. 11, 1977, S. 401–406.
  7. a b c K. Mauel: Die technisch-wissenschaftliche Arbeit des VDI 1946 bis 1981. In: K.-H. Ludwig (Hrsg.): Technik, Ingenieure und Gesellschaft – Geschichte des Vereins Deutscher Ingenieure 1856–1981. VDI-Verlag, Düsseldorf 1981.
  8. Deutscher Bundestag, Drucksache 2598, 1956: Antrag der SPD Fraktion betr. Verunreinigung der Luft durch Industriebetriebe. Deutscher Bundestag, 2. Wahlperiode 1953.
  9. Deutscher Bundestag, Drucksache 3757, 1957: Beschluß des Deutschen Bundestages vom 11. Januar 1957 – Drucksache 2598. Deutscher Bundestag, 2. Wahlperiode 1953.
  10. A. Hanning: Umweltschutz und überbetriebliche technische Normung. (= Recht – Technik – Wirtschaft. Band 9). Carl Heymanns Verlag, 1976, ISBN 3-452-18002-6.
  11. R. Neuroth: Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN – 50 Jahre Standardsetzung im Bereich der Luftreinhaltung. In: Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft. 64, Nr. 5, 2007, S. 175–180.
  12. NN: Meilensteine der KRdL. In: Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN – Normenausschuss KRdL (Hrsg.): 50 Jahre KRdL – Aktiv für saubere Luft. 2007, ISBN 3-931384-59-4, S. 39.
  13. a b Werner Gründer: Staubtechnik. In: VDI-Z. Band 102, Nr. 15, 1960, S. 629–633.
  14. a b bundesfinanzministerium.de: Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2017 (Haushaltsgesetz 2017). abgerufen am 25. April 2017, PDF (16,5 MB)
  15. V. M. Brennecke: Normsetzung durch private Verbände – Zur Verschränkung von staatlicher Steuerung und gesellschaftlicher Selbstregulierung im Umweltschutz. (= Umweltrechtliche Studien. Band 20). Werner-Verlag, Düsseldorf 1996, ISBN 3-8041-4234-6.
  16. J. Helbig, J. Volkert: Freiwillige Standards im Umweltschutz. Springer Verlag, 1999, ISBN 3-7908-1236-6.
  17. R. Wolf: Der Stand der Technik – Geschichte, Strukturelemente und Funktion der Verrechtlichung technischer Risiken am Beispiel des Immissionsschutzes. (= Beiträge zur Sozialwissenschaftlichen Forschung. Band 75). Westdeutscher Verlag, 1986, ISBN 3-531-11779-3.
  18. A. Helbig: Zur Geschichte der Umweltmeteorologie. In: promet. Jahrgang 30, Nr. 1/2, 2003, S. 2–14.
  19. O. Schwarz, K. Grefen: Die Richtlinienarbeit der VDI-Kommission Reinhaltung der Luft – Inhalte und Perspektiven. In: Staub Reinhaltung der Luft. 47, Nr. 3/4, 1987, S. 49–57.