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Die Klettenburg, auch Clettenburg und später Augustusburg genannt, war eine Burganlage der Herren von Praunheim nach Niederursel zu in dem damals sumpfigen Steinbachtal unmittelbar nordöstlich an die Ortslage von Praunheim angrenzend, der heute ein Stadtteil von Frankfurt am Main ist. Die vermutlich schon im 17. Jahrhundert baufällige Anlage wurde abgetragen, so dass keine Reste mehr vorhanden sind. Nach dem Aussterben der Praunheimer (mehrere Linien, 1618 oder 1714 erloschen) und Abriss der Burg in Teilen wurde sie zu einem Hofgut der Grafen von Solms-Rödelheim umgebaut.

Klettenburg / Augustusburg
Alternativname(n): Clettenberg (1339)[1], Altes Schloss, Augustusburg (1676)
Entstehungszeit: um 1200
Burgentyp: Niederungsburg, verm. Wasserburg
Erhaltungszustand: keine Reste
Ständische Stellung: niederer Adel
Ort: Frankfurt am Main-Praunheim
Geographische Lage 50° 9′ 11,6″ N, 8° 37′ 29,4″ OKoordinaten: 50° 9′ 11,6″ N, 8° 37′ 29,4″ O
Höhe: 105 m ü. NN
Klettenburg (Stadtteile von Frankfurt am Main)
Klettenburg
Die Lage der Burg auf einer Kartenskizze, die Praunheim um etwa 1775 darstellt.

Die Klettenburg ist nicht zu verwechseln mit dem alten Königshof in Praunheim, der sogenannten Alten Burg, die das heutige Gebiet zwischen Graebestraße und Alt-Praunheim und die heutige Kirche einschloss und später ebenfalls ein Lehenshof der Herren von Praunheim (jüngere Linie) war.

LageBearbeiten

Es sind keine Baustrukturen mehr sichtbar. Nur noch alte Flur- bzw. Straßennamen wie Augustenburgstraße, Im Burgfeld und Am Alten Schloß erinnern an die Burg. Sie lag am Osthang des Steinbachtales zwischen den heutigen Straßen Am Alten Schloß und Am Stockborn. Der alte Flurname lautete Clettenberg und gab der Burg seinen Namen.[2]

GeschichteBearbeiten

Im Jahre 1189 wird mit Wolfram das Geschlecht der Ritter von Praunheim erstmals erwähnt. Er war Schultheiß (scultetus) von Frankfurt. 1194 werden die Praunheim als Reichsministeriale erwähnt, die königlichen Grundbesitz bewirtschaften und die Erbauer der Klettenburg sind. Heilmann von Praunheim ist 1380 in einer Huldigung an die Stadt Frankfurt nachzuweisen.

In Regesten (Rotulus aus vier Urkunden) der Reichsburg Friedberg, datiert von Januar bis April 1441, werden Henne von Prumheim, genannt von Clettenberg (Henne von Praunheim gen. Klettenburg) (Beschuldigter) und Cune von Prumheim (Kuno von Praunheim) als einer der Schlichter im Streit mit Philipp v. Rudinckeim dem Älteren (Rüdigheim) um das Erbe der Henne von Rüdigheim genannt, und liefern zumindest einen Hinweis, dass die Burg schon bestanden haben muss und im Besitz der Praunheimer war.[3] Ihm und seinem Bruder hat König Wenzel 1387 um der Dienste und Treue willen das bisherige Lehensgut gnediglich geeignet. Henne von Praunheim gen. Klettenburg wird der Bau der Klettenburg zugeschrieben.[2]

Zum Verständnis weiterer Geschichte ist zu bemerken, dass 1478 die Grafen von Solms einen Teil von Praunheim erwarben, so dass Praunheim je zur Hälfte zu Solms-Rödelheim und zunächst zur Grafschaft Hanau-Münzenberg, ab 1642 zur Grafschaft Hanau, ab 1736 zur Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörte.

1618 stirbt das Praunheimer Rittergeschlecht mit Philip Wolf aus, der noch ab 1584 wenige Hundert Meter östlich die schon im Dreißigjährigen Krieg wieder zerstörte Burg Philippseck erbauen ließ. Ein knappes halbes Jahrhundert später, nämlich 1676[4] (nach anderen Angaben 1658) erwirbt Graf Johann August von Solms-Rödelheim die Klettenburg von Johann Erasmus Seif(f)art von Klettenberg und nennt sie fortan Augustenburg. Man kann annehmen, dass die Ursache des Verkaufs in den Geldsorgen der von Praunheim liegen, denn zwischen 1650 und 1672 gibt es einige Gesuche der Mittelrheinischen Reichsritterschaft sowie der Burg Friedberg um Pfändungsmaßnahmen gegen mehrere ihrer zu Praunheim begüterten und verschuldeten Genossenschaftsmitglieder, besonders gegen die Junker von Praunheim.[5]

Auf dem Boden der Klettenburg entsteht das neue Hofgut, worauf der Graf 1766 die alleinige Gerichtsbarkeit in Anspruch nahm. Um 1760 sind die Reste der Burg so baufällig, dass sie abgebrochen werden. 1791 werden wegen Baufälligkeit auch die letzten Reste der alten Burg abgebrochen.[6]

1806 fällt der Ort Praunheim zur Hälfte an das Großherzogtum Hessen. Sieben Jahre später bemüht sich ein Philipp Nikolaus Schmidt aus Frankfurt in einem Gesuch um die Genehmigung zur Ausgrabung der Fundamente der ehemaligen Klettenburg.[7] Noch auf der Niveaukarte des Kurfürstenthums Hessen 1840–1861, Blatt 105, wird die Klettenburg oberhalb Praunheims vermerkt.[8] 1921 wird das Gebiet Das Oberfeld am Alten Schloss baulich erschlossen und das Gelände überbaut.

BaugeschichteBearbeiten

Die erste Burganlage wird als Wasserburg mit Wassergraben und Zugbrücke bezeichnet. Dabei war wohl nur ein großer Palas oder Burgfried vorhanden, erst später kamen Wirtschaftsgebäude dazu. Diese wurden später zum Ausbau als Hofgut benutzt, während das Hauptgebäude verfallen ist. Noch um 1746 sollen über dem Tor des Hauptgebäudes zwei (unkenntliche) Wappendarstellungen mit der Jahreszahl 1670 angebracht gewesen sein. Ob die alte Burg auf den Resten einer römischen villa rustica erbaut worden ist, kann nicht mehr exakt belegt werden, auch wenn römische Steine und Ziegel in den Mauerresten der Klettenburg gefunden wurden.[6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klettenburg, Stadt Frankfurt am Main. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 3. September 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 7. März 2018.
  2. a b Alfred Hansmann: 1200 Jahre Praunheim. 804-2004. Eine Reise in Praunheims Vergangenheit, Pollinger Schnelldruck, Hrsg.: Vereinsring Praunheim e. V. und A. Hansmann, Frankfurt am Main 2004, S. 46
  3. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: HStAD Bestand B5 Nr. 92 (Urkunden der Reichsburg Friedberg)
  4. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: HStAD Best. F 24 C Nr. 474/1 (Ortsakten Solms-Rödelheim: Ort Praunheim)
  5. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: HStAD Best. F 24 C Nr. 481/8 (Ortsakten Solms-Rödelheim: Ort Praunheim)
  6. a b Annalen S. 63
  7. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: HStAD Best. F 24 C Nr. 477/5 (Ortsakten Solms-Rödelheim: Ort Praunheim)
  8. Kurfürstentum Hessen 1840–1861 – 105. Bockenheim / 105a. Taunus. Historische Kartenwerke. (Stand: 15. April 2011). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 402.
  • Reimer, Heinrich: Historisches Ortslexikon für Kurhessen, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen; Reihe 14, 1926, S. 282
  • Nassauer, Siegfried: Burgen und befestigte Gutshöfe um Frankfurt a. M. Geschichte und Sage, Frankfurt a. M. 1917
  • Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung, Band 1, Wiesbaden 1830, S. 63
  • Marianne Schalles-Fischer: Pfalz und Fiskus Frankfurt, Vandenhoeck & Ruprecht, Frankfurt a. M. 1969, S. 413 ff.

WeblinksBearbeiten