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Kleptokratie

Herrschaftsform, bei der die Herrschenden willkürliche Verfügungsgewalt über Besitz und Einkünfte der Beherrschten haben

Als Kleptokratie (altgr. κλέπτειν kléptein ‚stehlen‘ und -kratie: κρατία kratía ‚Herrschaft‘, also etwa „Herrschaft der Plünderer“, „Diebesherrschaft“) wird im engeren Sinn eine Herrschaftsform bezeichnet, bei der die Herrschenden willkürliche Verfügungsgewalt über Besitz und Einkünfte der Beherrschten haben und entweder sich oder ihre Klientel auf Kosten der Beherrschten bereichern.

BeispieleBearbeiten

Geprägt wurde der Begriff von Patrick Meney, der die Zustände in der Sowjetunion am Ende der sozialistischen Ära und in Russland zu Beginn der Jelzin-Ära beschreibt.[1] Kleptokratien sind zumeist Diktaturen, häufig in Verbindung mit Vetternwirtschaft.

Als Beispiele für Kleptokratien werden die Herrschaft von Anastasio Somoza in Nicaragua, von Mobutu Sese Seko in Zaire, das Marcos-Regime auf den Philippinen und die fünfjährige Herrschaftszeit Sani Abachas angesehen, der in Nigeria dem größten Teil der Bevölkerung die Teilhabe an den Gewinnen des Erdölexportes verwehrte und die Einnahmen außer Landes schaffen ließ. Nach der Veröffentlichung der Malta Files wurde auch Erdoğans Herrschaft in der Türkei dazugezählt.[2]

Ausweitung des BegriffsBearbeiten

Der Politologe Götz Aly verwendet in seinem Buch Hitlers Volksstaat ausdrücklich den Begriff kleptokratisch[3] und vertritt die These, der NS-Staat habe die Loyalität einer breiten Mittelschicht von 95 % der Deutschen mit Mitteln erkauft, die aus exzessiver Besteuerung der Reichen sowie aus der Beraubung der Juden und der Bevölkerung der besetzten Staaten stammten.

Einordnung in der heutigen ZeitBearbeiten

Der Börsenmakler Dirk Müller schreibt in einem seiner Bücher, dass durch die Wahl des Milliardärs Donald Trump zum US-Präsidenten das aktuelle politische System in den USA durch eine Kleptokratie ersetzt werde, in der Reiche sich durch Steuersenkungen am Gemeinwohl vergriffen.

Der Professor für Volkswirtschaft Hans-Hermann Hoppe von der Universität Nevada führt in seinem Buch Der Wettbewerb der Gauner. Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft (2012) aus, dass durch Massenwahlen eine institutionalisierte Kleptokratie begünstigt werde, die „kaum oder keine Hemmungen“ habe, „das Eigentum anderer Menschen zu entwenden“. Der demokratische Staat operiere „als ultimativer Rechtsmonopolist in einem vertragslosen rechtlichen Vakuum“, denn eine vertragliche Unterwerfung aller unter den Staat habe nie existiert. Infolge übergroßer Schuldenmacherei auf Kosten anderer sei die Zeit der großen Demokratien in naher Zukunft abgelaufen. Sie könnten in einem neuen Totalitarismus oder in einer Privatrechtsgesellschaft enden.

LiteraturBearbeiten

  • Karen Dawisha: Putin’s Kleptocracy, Who Owns Russia? Simon & Schuster, New York 2014, ISBN 978-1-4767-9519-5.

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Kleptokratie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Patrick Meney: La kleptocratie: La delinquance en URSS. 1982
  2. Craig Shaw, Peter Zink: Erdogans geheimer Schiffsdeal. In: Spiegel Online, 27. Mai 2017.
  3. Götz Aly: Hitlers Volksstaat, S. 386 der Taschenbuchausgabe