Klaus Dörre

deutscher Soziologe
Klaus Dörre, 2017

Klaus Dörre (* 31. Juli 1957 in Külte) ist ein deutscher Soziologe.

LebenBearbeiten

Klaus Dörre wurde 1957 in Volkmarsen-Külte geboren.[1]

Er studierte von 1976 bis 1982 Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Volkswirtschaftslehre an der Philipps-Universität Marburg,[1] wo er 1992 promoviert wurde. Er war seit 2001 Geschäftsführender Direktor des Forschungsinstituts Arbeit, Bildung, Partizipation an der Ruhr-Universität Bochum. Dörre habilitierte sich 2002 an der Universität Göttingen, und anschließend war er dort als Privatdozent tätig. Seit 2005 ist er Professor für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Am 3. Dezember 2009 hat Dörre das Jenaer Zentrum für interdisziplinäre Gesellschaftsforschung initiiert.[2]

Der parteilose Klaus Dörre war bereits zweimal Wahlmann in der Bundesversammlung, die den deutschen Bundespräsidenten wählt. Er wurde dabei jeweils von der Thüringer LINKEN benannt. In einem Interview erklärte er, 2010 im dritten Wahlgang – entgegen der Fraktionsmeinung – für Joachim Gauck gestimmt, diesem jedoch 2012 nicht seine Stimme gegeben zu haben.[3]

Regelmäßig nimmt Dörre medial Stellung, so in den Tageszeitungen Frankfurter Rundschau, junge Welt,[4] Neues Deutschland oder taz.

MitgliedschaftenBearbeiten

Dörre ist ein Gründungsmitglied des Institut Solidarische Moderne.[5] Des Weiteren ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac[6] und des Beirats der 2012 gegründeten wissenschaftlichen Open-Access-Zeitschrift Momentum Quarterly. Seit 2018 gehört er zu den Mitherausgebern des Berliner Journals für Soziologie.

ArbeitsgebieteBearbeiten

Seine Arbeitsgebiete sind: Kapitalismustheorie, Finanzmarktkapitalismus, soziale Konstitution von Marktbeziehungen, Räume der Globalisierung, regionale Industrie- und Arbeitsmarktpolitik, flexible und prekäre Beschäftigung, Berufswahlverhalten, Manager-Eliten, Personalwirtschaft in kleinen und mittleren Unternehmen, Innovative Unternehmenskulturen, Innovation durch Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Partizipation in Unternehmen, Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaften, Soziale Desintegration und Rechtspopulismus. Im Fokus steht bei Dörre in theoretischer Hinsicht vor allem die Weiterentwicklung und Aktualisierung des Landnahme-Theorems, wie es u. a. von Rosa Luxemburg argumentativ entwickelt worden ist. Seit 2011 arbeitet er mit Hartmut Rosa und Stephan Lessenich in der DFG KollegforscherInnengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Dynamik und (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“.[1]

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • Kampf um Beteiligung. Arbeit, Partizipation und industrielle Beziehungen im flexiblen Kapitalismus, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002, ISBN 3-531-13658-5 (zugleich Habilitationsschrift 2001).
  • gemeinsam mit Robert Castel (Hg.): Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung: Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt/New York: Campus 2009, ISBN 978-3-593-38732-1.
  • zusammen mit Stephan Lessenich und Hartmut Rosa: Soziologie – Kapitalismus – Kritik: Eine Debatte, Frankfurt/Main: Suhrkamp 2009, ISBN 978-3-518-29523-6.
  • als Hrsg. et al.: Kapitalismustheorie und Arbeit. Neue Ansätze soziologischer Kritik, Frankfurt/New York: Campus 2012, ISBN 978-3-593-39657-6.
  • als Hrsg. et al.: Arbeit in Europa. Marktfundamentalismus als Zerreißprobe, Frankfurt/New York: Campus 2014, ISBN 978-3-593-50178-9.
  • als Hrsg. et al.: Streikrepublik Deutschland? Die Erneuerung der Gewerkschaften in Ost und West, Frankfurt/New York: Campus 2016, ISBN 978-3-593-50561-9.
  • als Hrsg. et al.: Leistung und Gerechtigkeit. Das umstrittene Versprechen des Kapitalismus, Beltz Juventa, Weinheim 2017, ISBN 978-3-7799-3051-8.
  • als Hrsg. et al.: Capitalism and Labor. Towards Critical Perspectives, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-593-50897-9.
  • gemeinsam mit Christine Schickert (Hrsg.): Neosozialismus. Solidarität, Demokratie und Ökologie vs. Kapitalismus, oekom, München 2019, ISBN 978-3-96238-119-6.
  • als Hrsg. et al.: Im gesellschaftlichen Interesse. Potenziale einer Öffentlichen Soziologie, VSA Verlag, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96488-032-1.
  • Was stimmt nicht mit der Demokratie? Eine Debatte mit Klaus Dörre, Nancy Fraser, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa, herausgegeben von Hanna Ketterer und Karina Becker, Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-29862-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Was kommt nach dem Kapitalismus? (Memento vom 14. Oktober 2014 im Internet Archive) mdr.de vom 26. Januar 2014.
  2. Jenaer Zentrum für interdisziplinäre Gesellschaftsforschung@1@2Vorlage:Toter Link/www.uni-jena.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Uni-Website, 23. Dezember 2009.
  3. „Lieber Frau Göring-Eckhardt oder Frau von der Leyen als Gauck“, Interview mit dem Jenaer Studentenmagazin unique, März 2012.
  4. Blinde Macht. Thesen zum Zustand der Klasse der Lohnabhängigen, in: junge Welt. 25. Oktober 2019.
  5. Institut Solidarische Moderne: Gründungsmitglieder
  6. Mitglieder Wissenschaftlicher Beirat Attac (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.attac-netzwerk.de (Stand Januar 2016)