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Kerstin Andreae

deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), MdB
Kerstin Andreae

Kerstin Andreae (* 21. Oktober 1968 in Schramberg) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und Lobbyistin. Sie war von 2002 bis 2019 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit Ende Februar 2012 eine der fünf stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Grünen.[1][2] Seit dem 1. November 2019 ist sie Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.

LebenBearbeiten

Ausbildung und BerufBearbeiten

Kerstin Andreae war als Jugendliche im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Schwarzwald aktiv. Nach dem Abitur 1988 am Gymnasium Schramberg studierte Andreae Politische Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 1996 wurde sie Diplom-Volkswirtin. Danach nahm sie eine Tätigkeit beim Unternehmen mediKUR – Agentur für Gesundheits- und Kurtechnologie in Hamm auf. 1998 wirkte sie als Pressereferentin und Wahlkampfkoordinatorin für Wilfried Telkämper (Telkämper war 1987 im Rahmen der Rotation der grünen Parlamentarier ins Europaparlament nachgerückt). Anschließend wechselte sie als Projektmanagerin an das Sozialwissenschaftliche Frauenforschungsinstitut der Evangelischen Fachhochschule Freiburg. Von 2001 bis 2002 arbeitete sie beim Projektentwickler „Das Grüne Emissionshaus“.

ParteilaufbahnBearbeiten

Nachdem sie schon 1990 in die Partei Die Grünen eingetreten war, gehörte Andreae von der Verbandsgründung 1991 bis 1993 dem Landesvorstand der Grün-Alternativen Jugend Baden-Württemberg an. Von 1992 bis 1999 amtierte sie als Mitglied des Kreisvorstands der Grünen in Freiburg im Breisgau und von 1999 bis 2001 im Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg.

AbgeordnetentätigkeitBearbeiten

Von 1999 bis 2002 war sie Stadträtin in Freiburg im Breisgau.

Ab der Bundestagswahl 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Andreae ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag eingezogen. Auf den Landesparteitagen im Oktober 2008 und im Dezember 2012 wurde sie zur Spitzenkandidatin gewählt. Außerdem trat sie als Direktkandidatin im Wahlkreis Freiburg an.

Bis Februar 2007 war sie Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen für Kommunalpolitik und von 2005 bis 2007 Obfrau der Fraktion im Finanzausschuss. Von März 2007 bis März 2012 wirkte sie als Sprecherin der Fraktion für Wirtschaftspolitik und Obfrau im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie.[3]

Nach Fritz Kuhns Rücktritt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender wurde die als Realo-Politikerin geltende Andreae am 28. Februar 2012 mit 41 von 58 Stimmen zu dessen Nachfolger gewählt.[4]

Nach der Bundestagswahl 2013 kandidierte Andreae für den Fraktionsvorsitz der Grünen im Bundestag. In einer Abstimmung am 8. Oktober 2013 unterlag sie mit 20 von 61 Stimmen der ebenfalls dem Realo-Lager zugerechneten Katrin Göring-Eckardt (41 Stimmen).[5]

Am 31. Oktober 2019 legte sie ihr Bundestagsmandat nieder, um zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zu wechseln. Für sie rückte Charlotte Schneidewind-Hartnagel nach.[6]

LobbyistinBearbeiten

Am 5. August 2019 wurde bekannt, dass das Präsidium des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft Andreae zur Vorsitzenden der Hauptgeschäftsführung nominiert hat.[7][8][9] Am 13. August 2019 wurde sie durch den Vorstand berufen, sie trat dieses Amt am 1. November 2019 an.[10]

Politische PositionenBearbeiten

Kerstin Andreae steht für eine wirtschaftsfreundliche Politik. Sie fordert u. a. eine steuerliche Forschungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen[11] und eine gerechte Erbschaftsteuer.[12] Zudem wirbt sie für eine neue Gründungskultur in Deutschland[13] und will dazu u. a. ein zinsfreies Gründungsdarlehen sowie regulatorische Erleichterungen für Gründer.

Am 8. Juli 2015 hat sie zusammen mit ihren Kollegen Anton Hofreiter und Oliver Krischer sowie den beiden Gutachtern Hans Diefenbacher (FEST Heidelberg) und Roland Zieschank (FU Berlin) den Jahreswohlstandsbericht vorgestellt. Dies ist eine neue Form der Wirtschaftsberichterstattung, bei dem nicht nur das reine Wachstum, sondern auch soziale und ökologische Potentiale eine zentrale Rolle spielen.[14]

Andreae ist eine Befürworterin der Frauenquote[15] und unterstützt den ESM.[16]

PrivatesBearbeiten

Andreae hat einen Sohn aus erster Ehe sowie eine Tochter und einen Sohn aus ihrer gegenwärtigen Ehe mit Volker Ratzmann, dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Ihre Schwester Susanne Andreae ist Ärztin und Autorin medizinischer Fachbücher.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. www.gruene-bundestag.de Andreae rückte für Fritz Kuhn nach; die anderen vier wurden am 18. Oktober 2011 gewählt: Bärbel Höhn, Josef Winkler, Frithjof Schmidt, Ekin Deligöz
  2. Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Kerstin Andreae. Sprecherin für Wirtschaftspolitik
  3. [1]@1@2Vorlage:Toter Link/www.politik-kommunikation.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., politik-kommunikation.de, 12. April 2012, abgerufen am 1. März 2013
  4. Grünen-Bundestagsfraktion: Kerstin Andreae folgt Fritz Kuhn als Fraktionsvize, spiegel.de, 29. Februar 2012, abgerufen am 16. November 2012
  5. Christina Hebel, Christoph Sydow: Fraktionsspitze: Göring-Eckardt gewinnt Kampfabstimmung bei Grünen. In: Spiegel Online, 8. Oktober 2013, abgerufen am 4. März 2014
  6. Deutscher Bundestag - Ausgeschiedene Abgeordnete der 19. Wahlperiode. In: bundestag.de. Abgerufen am 1. November 2019.
  7. Daniel Wetzel: Eine Grüne wird oberste deutsche Energie-Lobbyistin, WeltN24, 5. August 2019
  8. Robin Alexander: Die vernünftigen Grünen fliehen bereits in die Wirtschaft, WeltN24, 9. August 2019.
  9. Angebot aus der Wirtschaft: Grünenabgeordnete Andreae soll Energielobbyistin werden, Spiegel online, 5. August 2019.
  10. BDEW: Kerstin Andreae ab 1. November 2019 neue Hauptgeschäftsführerin des BDEW. 13. August 2019, abgerufen am 1. November 2019.
  11. Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: Forschungsförderung für KMU - Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. 29. September 2016 (gruene-bundestag.de [abgerufen am 2. Oktober 2017]).
  12. Erbschaftssteuer-Reform - "Das ist ein Konjunkturprogramm für Steuerberater". In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 2. Oktober 2017]).
  13. Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: Für eine neue Gründungskultur in Deutschland. Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, abgerufen am 17. Mai 2017.
  14. Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: Bundestagsfraktion stellt neues Wohlstandsmaß vor - Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. 8. Juli 2015 (gruene-bundestag.de [abgerufen am 2. Oktober 2017]).
  15. Verfechterin der Frauenquote: Kerstin Andreae (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kerstin-andreae.de abgerufen am 4. März 2014
  16. Günther Lachmann: Euro-Rettungsschirm: Politiker wollen ESM gegen alle Kritik beschließen. In: welt.de. 16. April 2012, abgerufen am 7. Oktober 2018.