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Kernkraftwerke in Schweden:
Red pog.svg In Betrieb
Purple pog.svg stillgelegt

Derzeit (Stand Dezember 2017) werden in Schweden an drei Standorten acht Reaktorblöcke mit einer installierten Bruttogesamtleistung von 8.545 MW betrieben. Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1971 in Betrieb. Die Kernenergie trug 2018 über 40 %[1] zur Gesamtstromerzeugung in Schweden bei.

GeschichteBearbeiten

In Schweden wurde der Reaktorblock Ågesta am 1. Mai 1964 als erster in Betrieb genommen. Das Kernkraftwerk Ringhals ist mit seinen vier Reaktorblöcken und einer installierten Bruttoleistung von 3.697 MW das leistungsstärkste. Der Reaktorblock Forsmark 3 ist mit einer Bruttoleistung von 1.212 MW der leistungsstärkste.

Nach der partiellen Kernschmelze im US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island 2 im Jahr 1979 folgte in Schweden im März 1980 eine Volksabstimmung über die Zukunft der Kernenergie. Mit 58,1 Prozent sprachen sich die Wähler für einen weiteren begrenzten Ausbau von Kernkraftwerken aus. Infolgedessen beschloss das schwedische Parlament 1980, dass keine weiteren Kernkraftwerke gebaut werden sollen. Die damals im Bau befindlichen sechs Reaktoren wurden dennoch fertiggestellt. Der Ausstieg aus der Kernenergie sollte bis 2000 abgeschlossen sein. Diese Frist wurde auf 2010 verlängert und im Jahr 2009 ganz aufgehoben.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 wurde erneut über die Risiken von Kernenergie diskutiert. Der schwedische Reichstag beschloss 1997, einen der beiden Reaktoren des Kernkraftwerkes Barsebäck bis zum 1. Juli 1998 abzuschalten und den zweiten noch vor dem 1. Juli 2001, jedoch unter der Bedingung, dass die Energieproduktion bis dahin ausgeglichen ist. Der Block 1 im Kernkraftwerk Barsebäck wurde am 30. November 1999 abgeschaltet und Block 2 folgte am 1. Juni 2005.

1998 beschloss die Regierung, keine weiteren Wasserkraftwerke zu bauen, um die inländischen Wasserressourcen zu schützen.

Der Ausstieg aus der Kernenergie wird in Schweden weiterhin kontrovers diskutiert. Als 2006 die konservative Regierung unter Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt ihr Amt antrat, versuchte diese, den Ausstieg abzubrechen, musste zunächst jedoch nach Protesten davon ablassen.

Am 5. Februar 2009 verabschiedete die Regierung dann ein Energieprogramm, das neben dem massiven Ausbau der Windenergie und einer Senkung des gesamten Energieverbrauchs auch den Neubau von Atomkraftwerken wieder erlauben soll. Neue Reaktoren dürfen dabei nur als Ersatz für stillgelegte Kraftwerke an bestehenden Standorten gebaut werden. Anders als in einigen deutschen Medien[2][3] gemeldet, gibt es jedoch keine konkreten Neubaupläne. Mit dem Programm schloss die Regierung auch staatliche Unterstützung für den Neubau von Atomkraftwerken aus.[4][5] Am 17. Juni 2010 bestätigte der schwedische Reichstag den Beschluss.[6]

Im Juni 2014 kündigte Schweden die Erhöhung der von Kernkraftwerksbetreibern zu entrichtende Gebühr für die Endlagerung von Atommüll an. Diese soll nach den Plänen um 73 % steigen. Hintergrund ist, dass die Kosten für die Endlagerung bisher deutlich unterschätzt worden waren.[7] Seit Oktober 2014 wird das Land durch eine Koalition der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens und der Umweltpartei/Die Grünen regiert. Zwar hat diese Partei den Atomausstieg noch nicht politisch wieder eingeführt, jedoch wurde die sogenannte "Effektsteuer", die Atomreaktoren nach ihrer theoretischen und nicht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit besteuert, um ein Sechstel erhöht. Nachdem die größten schwedischen Stromanbieter Vattenfall und e.On daraufhin eine marktbedingte Abschaltung von vier Reaktoren an den Standorten Oskarshamn und Ringhals bis zum Jahr 2020 angekündigt haben, sah es aus als würden die Zeichen in Schweden wieder auf Atomausstieg stehen. 2016 hat sich die gleiche Koalitionsregierung allerdings entschlossen, die Effektsteuer 2019 wieder abzuschaffen und bis zu zehn alte Reaktoren durch neue zu ersetzen.[8]

Am 17. Juni 2017 fuhr der Betreiber des AKWs Oskarshamn Block 1 der Anlage herunter gab am 19. Juni 2017 bekannt, dass der Reaktorblock dauerhaft stillgelegt werde.[9]

Liste der Kernkraftwerke in SchwedenBearbeiten

Liste der Kernkraftwerke in Schweden (Quelle: IAEA, Stand: Juni 2019)[10]
Name Block
Reaktortyp Modell Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Baubeginn Erste Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
(geplant)
Abschal-
tung
(geplant)
Einspeisung
in TWh
Ågesta 1 PHWR Stillgelegt 10 12 1957-12-01 01.12.1957 1964-05-01 01.05.1964 1964-05-01 01.05.1964 1974-06-02 02.06.1974 0,40
Barsebäck 1 BWR AA-II Stillgelegt 600 615 1971-02-01 01.02.1971 1975-05-15 15.05.1975 1975-07-01 01.07.1975 1999-11-30 30.11.1999 93,82
2 BWR AA-II Stillgelegt 600 615 1973-01-01 01.01.1973 1977-03-21 21.03.1977 1977-07-01 01.07.1977 2005-05-31 31.05.2005 108,04
Forsmark 1 BWR AA-III, BWR-2500 In Betrieb 988 1022 1973-06-01 01.06.1973 1980-06-06 06.06.1980 1980-12-10 10.12.1980 266,40
2 BWR AA-III, BWR-2500 In Betrieb 1118 1156 1975-01-01 01.01.1975 1981-01-26 26.01.1981 1981-07-07 07.07.1981 260,78
3 BWR AA-IV, BWR-3000 In Betrieb 1172 1195 1979-01-01 01.01.1979 1985-03-05 05.03.1985 1985-08-18 18.08.1985 284,05
Oskarshamn 1 BWR AA-I Stillgelegt 473 492 1966-08-01 01.08.1966 1971-08-19 19.08.1971 1972-02-06 06.02.1972 2017-06-19 19.06.2017 110,27
2 BWR AA-II Stillgelegt 638 661 1969-09-01 01.09.1969 1974-10-02 02.10.1974 1975-01-01 01.01.1975 2016-12-22 22.12.2016 154,00
3 BWR AA-IV, BWR-3000 In Betrieb 1400 1450 1980-05-01 01.05.1980 1985-03-03 03.03.1985 1985-08-15 15.08.1985 276,07
Ringhals 1 BWR AA-I In Betrieb 882 910 1969-02-01 01.02.1969 1974-10-14 14.10.1974 1976-01-01 01.01.1976 209,66
2 PWR WH 3LP In Betrieb 907 963 1970-10-01 01.10.1970 1974-08-17 17.08.1974 1975-05-01 01.05.1975 211,01
3 PWR WH 3LP In Betrieb 1062 1117 1972-09-01 01.09.1972 1980-09-07 07.09.1980 1981-09-09 09.09.1981 244,28
4 PWR WH 3LP In Betrieb 1102 1171 1973-11-01 01.11.1973 1982-06-23 23.06.1982 1983-11-21 21.11.1983 235,75

Endlager ForsmarkBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Beitrag der Atomkraft zur Stromerzeugung in der EU nach Ländern 2018. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  2. Der Spiegel - Wende in der Energiepolitik - Schweden baut wieder Atomkraftwerke (Zugriff am 5. Februar 2009)
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung - Schweden baut neue Kernkraftwerke - Der Ausstieg aus dem Ausstieg (Zugriff am 5. Februar 2009)
  4. A sustainable energy and climate policy for the environment, competitiveness and long-term stability. Positionspapier der Regierung Schwedens, 6. Februar 2009.
  5. http://www.dn.se/nyheter/valet-2010/riksdagen-rostade-ja-till-ny-karnkraft Artikel der schwedischen Tageszeitung DN zum Gesetz, Zugriff: 10. Mai 2011
  6. Schweden steigt aus Atom-Ausstieg aus. auf: Spiegel Online. 17. Juni 2010.
  7. Sweden plans big rise in fees to nuclear decommissioning fund. In: The Economic Times. 27. Juni 2014. Abgerufen am 3. Juli 2014.
  8. Tagesschau vom 10. Juni 2016 - Schweden will doch wieder Kernenergie
  9. http://www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin/schweden-oskarshamn-1-stellt-betrieb-endgueltig-ein Oskarshamn-1 stellt Betrieb endgültig ein, Nuklearforum Schweiz, 23. Juni 2017, Zugriff: 26. Juni 2017
  10. Sweden. IAEA, abgerufen am 1. Juni 2019 (englisch).