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Die zivile Nutzung der Kernenergie in Belgien geht auf die Initiative von Pierre Ryckmans und den Atomic Energy Act der USA von 1946 zurück.[1][2]

1952 wurde das belgische Nuklearforschungszentrum gegründet, das später in Studienzentrum für Kernenergie umbenannt wurde. In den Jahren 1954 bis 1956 wurde der erste belgische Forschungsreaktor gebaut.[3]

1962 erfolgte die Inbetriebnahme des allerersten Druckwasserreaktors auf europäischem Boden. Der BR-3 in Mol war ein amerikanischer Lizenzbau und wies nur eine geringe thermische Reaktorleistung auf; er diente von Beginn an zu Forschungszwecken, produzierte aber auch bereits Strom.[4]

1967 bis 1974 wurde in Mol auch eine Wiederaufarbeitungsanlage betrieben. 1969 begann der Bau des ersten kommerziellen Reaktorblocks des Kernkraftwerks Doel.[5]

Als Beginn der kommerziellen Kernenergie-Produktion gilt die Inbetriebnahme der Blöcke 1 und 2 des Kernkraftwerk Doel und des Blocks 1 des Kernkraftwerk Tihange in den Jahren 1974 und 1975. Ihnen folgten in den 1980er Jahren noch vier weitere Kraftwerks-Blöcke an denselben Standorten.

Weitere EntwicklungBearbeiten

1986 wurde in Dessel eine Fabrik zur Produktion von MOX-Brennelementen für kommerzielle Kernkraftwerke in Betrieb genommen, welche auch das Ausland bedient.

Für Schlagzeilen sorgten in den 2000er Jahren zwei Unfälle bzw. Störfälle (INES 3 und 4) in einer nukleartechnischen Radiochemischen Industrieanlage in Fleurus.

Als Reaktion auf die Nuklearkatastrophe von Fukushima hatten sich 2011 die Regierungsparteien darauf geeinigt, dass alle sieben belgischen Kernkraftwerks-Blöcke ab 2015 sukzessive abgeschaltet werden sollen, wie bereits in einem Gesetz von 2003 zum Atomausstieg festgeschrieben worden war. Wegen des massiven Ausfalls von Strom wurde dieser Ausstiegstermin später aber wieder in Frage gestellt.[6][7]

Laut Spiegel-Bericht vom 15. August 2014 ist innerhalb von wenigen Monaten wegen Reaktorproblemen die Hälfte der Produktion von Atomstrom ausgefallen. Die seit 2014 im Amt befindliche liberal-konservative Regierung unter Charles Michel hielt am Ausstieg aus der Atomkraft fest. Allerdings bekamen die Blöcke 1 und 2 des Kernkraftwerks Doel eine Laufzeit-Verlängerung: Es ist vorgesehen, sie bis 2025 zu betreiben; dasselbe gilt für Doel 4 sowie Tihange 1 und 3. Doel 3 und Tihange 2, die Schwachstellen im Reaktorbehälter-Stahl aufweisen, müssen bereits 2022 und 2023 definitiv vom Netz. Definitiver Zeitpunkt des Kernenergie-Ausstiegs in Belgien wäre also aus heutiger Sicht 2025.[8] Zwischen 2002 und 2015 mussten die Reaktoren in Doel und Tihange aus unterschiedlichen Gründen mehrmals abgeschaltet werden.[9][10]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten