Kawauso

fiktives Wesen aus der japanischen Folklore und gehört zur Gruppe der Yōkai

Der Kawauso (japanisch Flussotter) ist ein fiktives Wesen aus der japanischen Folklore und gehört zur Gruppe der Yōkai. Er gilt als Trickster mit ambivalentem Charakter.

Ein Kawauso, wie er in Sekiens Gazu Hyakki Yagyō erscheint.

BeschreibungBearbeiten

Der Kawauso erscheint als großer, aufrecht gehender Otter, der sich gerne mit Menschenkleidung ausstaffiert. Er soll dann zum Yokai werden können, wenn er ungewöhnlich alt geworden ist und das gewöhnliche Alter von ca. 14 Jahren weit überschritten hat. Nun erscheint er als eine Art großer Ottermensch in Kimono, Reishut und Gēta (oder Zōri). Er soll oft Sakeflaschen mit sich führen. Er ist der menschlichen Sprache mächtig und kann sich bei Bedarf auch unsichtbar machen. Ansonsten erweist er sich als begnadeter Gestaltwandler, Trickster und Stimmenimitator. Er soll sich oft in menschlicher Gestalt auf Fischmärkten herumtreiben, um seinen Sake gegen Fisch einzutauschen. Manche Kawauso zeigen sich gern als junge Frauen, um von Lust getriebene junge Männer zu foppen. Wieder andere sollen sich einen Spaß daraus machen, ausgesuchte Opfer mit deren eigener Stimme (alternativ mit der Stimme einer nahestehenden Person) zu irritieren und zu provozieren. Oder sie mischen sich in fremde Gespräche ein und bringen sie durch Stimmenimitation dreist durcheinander.

HintergrundBearbeiten

Die Gestalt des Kawauso geht ursprüngilch auf den Japanischen Fischotter (Lutra nippon) zurück, der mittlerweile sehr wahrscheinlich ausgestorben ist. Heute bezeichnet der Begriff Kawauso fast jede Art von Otter. Im japanischen Volksglauben spielt der Flussotter seit Jahrhunderten eine tragende Rolle. In seiner Yōkai-Form ist er als Kawauso-bake (獺化け; „Kobold-Otter“ oder „Otter-Kobold“) bekannt und gefürchtet. Kawauso nehmen dem Menschen gegenüber eine ambivalente Haltung ein. Es heißt, dass sie dem Menschen einerseits nur ungern trauen und sich lieber von ihm fernhalten. Andererseits erfreuen sie sich gleichwohl an den Streichen, die sie den Menschen spielen. Erst in moderneren Erzählungen treten auch freundlich gesinnte Kawauso auf.

Eine bekannte und beliebte (weil putzig wirkende) Abbildung eines Kawauso findet sich im Sammelband Gazu Hyakki Yagyō (画図百鬼夜行; Bilderbuch der Nachtparade der 100 Dämonen) von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1776. Sekien stellt den Kawauso mit Kimono und Reishut, aber barfuß dar. Laut dem Begleittext war der Handelstag des Otters erfolgreich – nun spaziert der Kawauso zufrieden lächelnd heimwärts, den Fisch im Gepäck und einen Rest von Sake in der Flasche.

Siehe auchBearbeiten

  • Kitsune: Yōkai in Gestalt eines manchmal mehrschwänzigen Fuchses, der dem Menschen vorgeblich mal Glück, mal Unglück beschert.
  • Tanuki: Yōkai in Gestalt eines Marderhundes, der Menschen angeblich gerne narrt und Irrlichter beschwören kann.
  • Mujina: Yōkai in Gestalt eines Dachses, der seine Verwandlungskünste gern dazu benutzt, bei Menschen zu schnorren.

LiteraturBearbeiten

  • U. A. Casal: The Goblin Fox and Badger and Other Witch Animals of Japan. In: Folklore Studies, 18. Band. Nanzan Press, Nagoya 1959, ISSN 1177429, S. 61–63.
  • Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6, S. 17.
  • Murakami Kenji: 妖怪事典. Mainichi shinbun, Tokio 2000, ISBN 978-4-620-31428-0, S. 78.