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Logo der Katholischen Militärseelsorge

Die Katholische Militärseelsorge ist die Militärseelsorge der römisch-katholischen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Militärseelsorge ist die älteste kirchliche Gruppenseelsorge. Bereits ab der Mailänder Vereinbarung von 313 kann von einer geordneten christlichen Militärseelsorge gesprochen werden. Im 6. Jahrhundert belegt das Decretum Gratiani, dass Geistliche mit der Genehmigung des Papstes Pelagius I. mit der ständigen Seelsorge von Soldaten betraut wurden. 742 wurde auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz Bonifaz auf dem Deutschen Nationalkonzil (Concilium Germanicum) Klerikern das Waffentragen und die Teilnahme an Kriegen untersagt. Ausgenommen von dieser Regelung waren jene Priester, die dazu ausersehen waren, das Heer zu begleiten und die Gottesdienste abzuhalten sowie die Bußsakramente zu spenden. 769 in einem Kapitulare Karls des Großen werden diese Bestimmungen wiederholt; sie dürften für das gesamte Mittelalter Gültigkeit besessen haben.

Mit dem Aufkommen von stehenden Heeren in der frühen Neuzeit wurde auch die Militärseelsorge eine ständige Einrichtung. Die Feldkapläne waren jedoch keine freiwilligen Begleiter des Heeres mehr, sondern standen unter Eid und waren der militärischen Disziplin unterworfen. Im 16. Jahrhundert begann mit der Errichtung eigener Generalvikariate für die Armee die Institutionalisierung der Militärseelsorge.

KirchenrechtBearbeiten

Im Dekret Christus Dominus des Zweiten Vatikanischen Konzils (1965) wurde die Errichtung von Militärvikariaten (→Vikariat) angeordnet, „da auf die geistliche Betreuung der Soldaten wegen ihrer besonderen Lebensbedingungen eine außerordentliche Sorgfalt verwandt werden muß.“[1]

Kirchenrechtlich ist die Militärseelsorge in „Militärvikariate“ gegliedert, die einer Diözese vergleichbar sind. Mit der Apostolischen Konstitution Spirituali militum curae (1986) wurden die zu errichtenden Militärvikariate, jetzt Militärordinariate genannt, rechtlich den Diözesen gleichgestellt und werden nach vom Heiligen Stuhl entworfenen Statuten geführt. An der Spitze steht der Militärordinarius, der einem Diözesanbischof gleichgestellt ist. In Deutschland wird das Amt nebenamtlich von einem Diözesanbischof ausgeübt. Zu seinem Jurisdiktionsbezirk gehören alle Soldaten sowie deren Familienangehörige.

Eine weitere Untergliederung der Militärordinariate ist gesamtkirchlich nicht festgelegt und wird unterschiedlich gehandhabt. Militärgeistliche sind keine wirklichen Pfarrer und leiten keine Pfarrei, sondern einen Seelsorgebezirk; dieser wird in Österreich „Militärpfarre“ genannt.[2]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Alfred E. Hierold, Ernst Josef Nagel (Hrsg.): Kirchlicher Auftrag und politische Friedensgestaltung. Festschrift für Ernst Niermann, Militärgeneralvikar 1981–1995 (= Theologie und Frieden. Band 11). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1995, ISBN 3-17-013724-7.
  • Katholisches Militärbischofsamt (Hrsg.): Kirche unter Soldaten. 50 Jahre katholische Militärseelsorge in der Deutschen Bundeswehr. Cordier, Heiligenstadt 2006, ISBN 3-929413-94-9.
  • Katholisches Militärbischofsamt (Hrsg.): Katholische Militärseelsorge in der Bundeswehr. Ein Neubeginn (1951–1957). Bachem, Köln 1986, ISBN 3-7616-0843-8.
  • Dagmar Pöpping: Kriegspfarrer an der Ostfront. Evangelische und katholische Wehrmachtseelsorge im Vernichtungskrieg 1941–1945, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017, ISBN 978-3-525-55788-4.
  • Matthias Pulte: Der ständige Diakon als Militärgeistlicher. Kirchenrechtliche und staatskirchenrechtliche Aspekte für ein neues Dienstamt in der katholischen Militärseelsorge Deutschlands (= Münsterisches Kommentar zum Codex iuris canonici. Beiheft 33). Ludgerus Verlag, Essen 2001, ISBN 3-87497-240-2.
  • Martin Röw: Militärseelsorge unter dem Hakenkreuz. Die katholische Feldpastoral 1939-1945, Paderborn: Ferdinand Schöningh 2014, ISBN 978-3-506-77848-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dekret Christus Dominus, Kapitel III, III, 43.
  2. Alfred E. Hierold: Art. Militärseelsorge. In: Joseph Listl, Heribert Schmitz, H. Müller (Hrsg.): Handbuch des katholischen Kirchenrechts. 2. grundlegend neubearb. Auflage. Pustet, Regensburg 1999, ISBN 3-7917-1664-6, S. 557.