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Karl Hermann Franz Scharping (* 13. Juli 1908 in Kallies; † nach 1969[1]) war ein deutscher Journalist und Funktionär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda sowie Rundfunkkommentator. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er noch einmal kurz durch die Affäre um den Naumann-Kreis in die Nachrichten.

LebenBearbeiten

Scharping absolvierte nach dem Abitur am Stettiner Stadtgymnasium am 1927 ein Studium der Philosophie, Pädagogik und Geschichte an den Universitäten München, Berlin, Riga sowie Greifswald und wurde zum Dr. phil promoviert. Nach Studienende war er ab 1931 als Journalist tätig.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges war er Regierungsrat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, zunächst ab Dezember 1939 in dessen Presseabteilung, anschließend von Dezember 1942 an bis 1945 in der Rundfunkabteilung als Stellvertreter Hans Fritzsches.[2] Er war neben Fritzsche der wichtigste politische Kommentator des Rundfunks. Scharping scheute in seinen Vorträgen nicht vor dem kritischen Thema der NS-Zwangsarbeit zurück, die der Gesundung der europäischen Nationen diene. Das Ausscheiden Italiens aus dem Kreis der Achsenmächte im Jahr 1943 kommentierte er mit den Worten „Wer nicht mit uns marschieren will, mag verschwinden, wohin er will. Wer nicht mit uns arbeitet, mag verhungern, wo es ihm passt.“ Aus Reaktionen und Beobachtungen der NSDAP und des Sicherheitsdienstes zu Scharpings Vorträgen lässt sich jedoch ableiten, dass diese wohl nur bei denen verfingen, die am Nationalsozialismus festhielten. Die Diskrepanz zwischen Propaganda und Wirklichkeit war nicht länger zu überbrücken.[3]

Während seiner Zeit in der Presseabteilung schrieb Scharping Artikel, die in deutschen Besatzungszeitungen erschienen (Brüsseler Zeitung, Deutsche Zeitung in den Niederlanden, Deutsche Zeitung im Ostland).[4] Er war Mitglied der Fernseh-Division des RMVP und eng verbunden mit der NSDAP (AO) sowie der Südafrikanischen Studiengesellschaft.[5] Der NSDAP trat er erst 1940 bei (Mitgliedsnr. 7.547.104).

Nach dem Krieg arbeitete er in Hamburg als Herausgeber von Heftromanen und anderen Publikationen.[6] Während der Nürnberger Prozesse äußerte er sich über seinen früheren Vorgesetzten Fritzsche, dieser habe ein stilles, zurückgezogenes Leben geführt, auch wenn dessen Einkünfte nicht gerade bescheiden ausfielen.[7][8] Scharpings Name kam noch einmal Anfang 1953 in die Öffentlichkeit, als ihm eine Zugehörigkeit zum Naumann-Kreis, der unter anderem in den Jahren 1952/53 insbesondere die nordrhein-westfälische FDP nationalsozialistisch zu unterwandern versuchte, angelastet und er deswegen verhaftet wurde. Seine Anwälte ließen verlauten, dass den Briten bei seiner Verhaftung ein Fehler unterlaufen sei. Scharping sei lediglich damit beschäftigt gewesen, seine beiden Firmen Stern-Verlag und ILA-Pressedienstzentrale aufzubauen und die Existenz seiner Familie zu sichern. Zudem unterstütze er, der zum zweiten Mal verheiratet sei, noch seine Frau und seine beiden Kinder aus erster Ehe. Ihn gut kennende Personen könnten bestätigen, dass Scharping seit 1945 keine politische Tätigkeit ausgeübt habe.[9] Auch wenn er zum „Inneren Kreis“ zählte, hatte er nur ein sehr begrenztes Wissen zu Plänen und Aktivitäten. Eine Eigenständigkeit der letzteren wurde von Naumann, der sich die alleinige Führerschaft zu sichern suchte, nur gefördert, wenn sie ihm neue Kontakte einbrachten.[10] Nachdem zunächst seine Habeas-Corpus-Petition am 19. März 1953 abgelehnt worden war, wurde Scharping bereits zwei Wochen später, sofort im Anschluss an seine Übergabe an die deutschen Behörden, aus der Haft entlassen.[11]

Scharping hat sich anschließend vermutlich wieder seiner Verlegertätigkeit gewidmet, worauf diverse in seinem Stern-Verlag erschienene Werke hindeuten. 1970 wurde er von Heinz-Werner Eckhardt für dessen Werk Die Frontzeitungen des deutschen Heeres 1939–1945 (1975 erschienen) befragt.[12]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinz-Werner Eckhardt: Die Frontzeitungen des deutschen Heeres 1939–1945. (= Schriftenreihe des Instituts für Publizistik der Universität Wien. Band 1). Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien/ Stuttgart 1975, S. 2, Fußnote 2.
  2. Max Bonacker: Goebbels' Mann beim Radio. Der NS-Propagandist Hans Fritzsche (1900–1953). (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 94). Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58193-5, S. 127. (Zugleich Dissertation Hamburg 2006)
  3. Max Bonacker: Europa den Europäern! In: Rundfunk und Geschichte. Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte. Informationen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv. 27. Jahrgang, Nr. 3/4, Juli/Oktober 2001, S. 124–125. (PDF)
  4. Brüsseler Zeitung nach Rolf Falter: De Brüsseler Zeitung (1940–1944). In: Historica Lovaniensia. 137, Katholieke Universiteit Leuven (Departement geschiedenis), Löwen 1982, S. 69 (etwa 15 Artikel). Deutsche Zeitung in den Niederlanden 21. August und 3. Oktober 1940. Deutsche Zeitung im Ostland 3. Juni und 20. Juli 1942.
  5. Beate Baldow: Episode oder Gefahr? Die Naumann-Affäre. Dissertation. Berlin 2012, S. 320. (PDF)
  6. Nazi-Verschwörung – Nau-Nau. In: Der Spiegel. 21. Januar 1953, S. 6.
  7. Max Bonacker: Goebbels' Mann beim Radio. Der NS-Propagandist Hans Fritzsche (1900–1953). (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 94). Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58193-5, S. 78. (Zugleich Dissertation Hamburg 2006)
  8. Publication Number: M-1019, Publication Title: Records of the United States Nuernberg War Crimes trials Interrogations, 1946–1949, Date Published: 1977 (PDF; 186 kB)
  9. Beate Baldow: Episode oder Gefahr? Die Naumann-Affäre. Dissertation. Berlin 2012, S. 213. (PDF)
  10. Beate Baldow: Episode oder Gefahr? Die Naumann-Affäre. Dissertation. Berlin 2012, S. 85–87 (Innerer Kreis und dessen Aktivitäten) u. 242 (Wissen Scharpings). (PDF)
  11. Beate Baldow: Episode oder Gefahr? Die Naumann-Affäre. Dissertation. Berlin 2012, S. 246–247. (PDF)
  12. Heinz-Werner Eckhardt: Die Frontzeitungen des deutschen Heeres 1939–1945. (= Schriftenreihe des Instituts für Publizistik der Universität Wien. Band 1). Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien/ Stuttgart 1975, Einleitung, S. XI und bspw. S. 2, Fußnote 2 u, S. 3, Fußnote 5.