Karl Drechsler (Historiker)

deutscher Historiker

Karl Drechsler (* 17. Oktober 1932 in Annaberg) ist ein deutscher Historiker. Er gehörte in der DDR zu den wenigen Historikern, die sich mit Außenpolitik in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigten. Er arbeitete außerdem zur amerikanischen Außenpolitik seit Franklin Delano Roosevelt. Von 1986 bis 1990 amtierte er als Direktor des Instituts für Allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Leben und WirkenBearbeiten

Nach dem 1951 abgelegten Abitur studierte Drechsler zunächst vier Semester Evangelische Theologie an der Universität Halle. Aus „weltanschaulichen Gründen“ brach er dieses Studium ab und immatrikulierte sich für ein Studium der Geschichte.[1] Er schloss sein Studium 1956 als Diplom-Historiker ab und wurde wissenschaftlicher Assistent in der Abteilung „Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ am Institut für Geschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Außenstelle Halle.

Drechsler promovierte im April 1962 an der Universität Halle bei Leo Stern und Heinz Tillmann über „Die Beziehungen Hitlerdeutschlands zu China und Japan 1936–1939“. Ab 1965 war er als Leiter der Forschungsgruppe „Geschichte der imperialistischen Hauptländer“ am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR in Ost-Berlin tätig. Im Dezember 1973 erfolgte seine Promotion B mit „Untersuchungen zur Geschichte Deutschlands und der internationalen Beziehungen im Zweiten Weltkrieg“. Im September 1976 wurde er zum Professor am Zentralinstitut für Geschichte ernannt, als dessen stellvertretender Direktor er bis Juni 1986 amtierte. Hier war er an der Forschung und Editionsarbeit für das sechsbändige Werk Deutschland im zweiten Weltkrieg (1975–1985) beteiligt. 1982 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze.

Im Juli 1986 wurde Drechsler zum Direktor des Instituts für Allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften ernannt. Diese Position hatte er bis Juli 1990 inne. Er gehörte dem Rat für Geschichtswissenschaft, als Leiter der Kommission für Geschichte der USA dem Rat für USA-Forschung und dem Nationalkomitee der Historiker der DDR an. Nachdem Drechsler auf der Mitarbeitervollversammlung des Instituts für Allgemeine Geschichte im Januar 1990 die Vertrauensfrage gestellt und das erbetene Vertrauen mehrheitlich nicht ausgesprochen bekommen hatte, bat er um Abberufung, blieb aber auf Bitten des Akademiepräsidenten Werner Scheler bis zum regulären Ende seiner Amtsperiode im Amt.[2]

Von 1988 bis 1990 gehörte Drechsler den Redaktionskollegien der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft und des Jahrbuchs für Geschichte an. Von Februar 1989 bis Februar 1990 amtierte er als Vizepräsident der Historiker-Gesellschaft der DDR. 1992 trat er in den Vorruhestand.

PublikationenBearbeiten

  • Deutschland-China-Japan, 1933–1939. Das Dilemma der deutschen Fernostpolitik. Akademie-Verlag, Berlin 1964.
  • (Hrsg.): 1917 – 1945. Neue Probleme der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in Forschung und Lehre ; [Protokoll der konstituierenden Tagung der Fachgruppe Geschichte der Neuesten Zeit 1917–1945 am 31. Okt. und 1. Nov. 1964 in Brandenburg (Havel)]. Akad.-Verl, Berlin 1965.
  • (Hrsg.): Monopole und Staat in Deutschland. 1917 – 1945 ; Protokoll der 2. Tagung der Fachgruppe Geschichte der neuesten Zeit 1917–1945 am 20. und 21. März 1965 in Berlin im Rahmen des 3. Kongresses der Deutschen Historiker-Gesellschaft. Akad.-Verl, Berlin 1966.
  • u. a. (Hrsg.): Deutschland von 1939 bis 1945. Deutschland während des zweiten Weltkrieges. 1. Auflage. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1969.
  • mit Hans Dress, Gerhart Hass: Europapläne des deutschen Imperialismus im zweiten Weltkrieg. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 19, Nr. 7 (1971), S. 916–931.
  • Karl Drechsler: Die Ost- und Südostasienpolitik Hitlerdeutschlands und das Bündnis mit Japan (1939–1943). Berlin 1972.
  • Karl Drechsler u. a.: Zwangsaussiedlung und Germanisierung in den Kriegszielplanungen der faschistischen deutschen Monopolbourgeoisie. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 22, Nr. 2 (1974), S. 208–218.
  • u. a. (Hrsg.): Die USA und Europa 1917–1945. Studien zur Geschichte der Beziehungen zwischen den USA und Europa von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Akad.-Verl, Berlin 1975.
  • mit Wolfgang Schumann, Gerhart Hass (Hrsg.): Deutschland im zweiten Weltkrieg. Akademie-Verlag/Pahl-Rugenstein, Berlin/Köln 1975–85, ISBN 978-3-7609-0573-0.
  • (Hrsg.): Das Bündnis der Rivalen. Der Pakt Berlin – Tokio ; neue Dokumente zur Ost- u. Südostasienpolitik d. faschist. dt. Imperialismus im 2. Weltkrieg. Deutscher Verlag d. Wiss., VEB, Berlin 1978.
  • Die USA zwischen Antihitlerkoalition und Kaltem Krieg. Akad.-Verl, Berlin 1986.
  • (Hrsg.): Alternative concepts of United States foreign policy. 1943 – 1947 ; European and global aspects of postwar relations with the Soviet Union ; documents. Akad.-Verl, Berlin 1992, ISBN 3-05-001806-2.
  • GegenSpieler. John F. Kennedy – Nikita Chruschtschow. Fischer-Taschenbuch-Verl, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14158-3.
  • Aus dem Erzgebirge nach New York, Moskau und Peking. Ernstes, Heiteres und Kurioses aus dem Leben eines Historikers oder wie meine Karriere als Geheimagent endete, bevor sie begann. 1. Auflage. trafo, Berlin 2011, ISBN 978-3-86465-003-1.

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Küttler, Walter Schmidt: Der Ost-West-Konflikt und sein Ende. Beiträge eines Kolloquiums zum 65. Geburtstag von Karl Drechsler. Trafo Verlag Dr. W. Weist, Berlin 1998, ISBN 3-89626-192-4.
  • Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 186.
  2. Werner Röhr: Abwicklung. Das Ende der Geschichtswissenschaft der DDR. Edition Organon, Berlin 2012, ISBN 978-3-931034-16-0, S. 324.