Karl Demeter

deutscher Archivar, Historiker und Soziologe

Karl Demeter (* 17. Januar 1889 in Marktoberdorf; † 2. Januar 1976 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Archivar, Historiker und Soziologe. Er wirkte als Leiter der Bundesarchiv-Außenstelle in Frankfurt am Main. Seine Studie über das deutsche Offizierkorps gilt bis heute als Grundlagenwerk.

LebenBearbeiten

Demeter wurde 1889 als Sohn eines Volksschullehrers und seiner Frau geboren. Von 1899 bis 1908 besuchte er das Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg. Nach der Reifeprüfung hörte er für ein Jahr am Lyzeum in Augsburg. Ab 1909 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München, 1911 wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (u. a. bei Hans Delbrück).[1] 1914 wurde er bei Gustav Roethe[2] in Berlin mit der Dissertation Studien zur Kurmainzer Kanzleisprache (c. 1400–1550). Ein Beitrag zur Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache zum Dr. phil. promoviert.[3]

Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Demeter von 1916 bis 1918 im Kriegspresseamt in Berlin.[4] 1915 wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica.[5] 1920 trat er als Volontär in das Preußische Geheime Staatsarchiv ein und wechselte noch im selben Jahr in das Reichsarchiv,[4] wo er als erster Zivilist wissenschaftlicher Mitarbeiter wurde.[6] 1921 wurde er zum Archivrat ernannt.[3] 1933 beauftragte man ihn mit der Leitung der Abteilung Frankfurt des Reichsarchivs Potsdam.[3] Während des Krieges war er Honorarmitarbeiter am Arbeitswissenschaftlichen Institut der Deutschen Arbeitsfront.[7] Von 1944 bis 1947 war er außerdem als Referent am Soziographischen Institut in Frankfurt am Main tätig.[4]

1952 erfolgte die Umbenennung des Archivs in Bundesarchiv-Außenstelle Frankfurt.[8] 1954 trat er als Leiter in den Ruhestand.[3] Demeter war darüber hinaus ab 1957 Lehrbeauftragter für Heeresgeschichte und zuletzt Honorarprofessor[5] an der Universität Frankfurt am Main.[9] Er war Mitglied der Frankfurter Historischen Kommission und Wissenschaftlicher Beirat im Vorstand des Frankfurter Vereins für Geschichte und Landeskunde.[8] Sein Nachlass befindet sich in den Beständen des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte.[8]

Demeter war katholischen Glaubens, seinen Vater vertrat er als Chorregent.[1]

WerkBearbeiten

Demeter publizierte zu den Themen Archivwesen, Wirtschafts- und Sozialgeschichte[3] sowie zur preußisch-deutschen Militärgeschichte.[7] Er steuerte auch biographische Beiträge zur Neuen Deutschen Biographie (NDB) bei.[10]

Demeters Hauptwerk ist eine Sozialgeschichte des deutschen Offizierskorps. Mit ihrer Methodik und Fragestellung stellte diese 1930 erstmals veröffentlichte Studie, die Themen wie Herkunft, Bildung, Ehrvorstellungen und Auffassungen des Offizierkorps behandelte und kritische Fragen nicht aussparte, zu ihrer Zeit eine Ausnahme in der deutschen Geschichtswissenschaft dar. 1962 neu aufgelegt, wurde sie ein Standardwerk der Militärgeschichtsschreibung.[11] Demeters Darstellung des Reichsarchivs von 1969 thematisierte die antirepublikanischen Tendenzen innerhalb des Archivs vorsichtig kritisch, aber überwiegend apologetisch.[6]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • 4., überarbeitete und erweiterte Auflage: Das deutsche Offizierkorps in Gesellschaft und Staat 1650–1945. Bernard & Graefe, Frankfurt am Main 1965.
  • englische Übersetzung von Angus Malcolm: The German Officer-Corps in society and state 1650–1945. Mit einer Einführung von Michael Howard, Praeger, New York u. a. 1965.
  • (Hrsg.): Großdeutsche Stimmen 1848/49. Briefe, Tagebuchblätter, Eingaben aus dem Volk. Klostermann, Frankfurt am Main 1939.
  • Die Frankfurter Loge zur Einigkeit 1742–1966. Ein Beitrag zur deutschen Geistes- und Sozialgeschichte. Kramer, Frankfurt am Main 1967.
  • Das Reichsarchiv. Tatsachen und Personen. Bernard & Graefe, Frankfurt am Main 1969.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Karl Demeter: Studien zur Kurmainzer Kanzleisprache (c. 1400–1550). Ein Beitrag zur Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. Darmstadt 1916, S. 111.
  2. Karl Demeter: Studien zur Kurmainzer Kanzleisprache (c. 1400–1550). Ein Beitrag zur Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. Darmstadt 1916, S. 5.
  3. a b c d e Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2. Ausgabe, K. G. Saur Verlag, München 2005, ISBN 3-598-25032-0, S. 547.
  4. a b c Karl Heinz Roth: Intelligenz und Sozialpolitik im „Dritten Reich“. Eine methodisch-historische Studie am Beispiel des Arbeitswissenschaftlichen Instituts der Deutschen Arbeitsfront. K. G. Saur Verlag, München 1993, ISBN 3-598-11166-5, S. 205.
  5. a b Herbert Grundmann: Zur Geschichte der MGH/Monumenta Germaniae Historica 1819–1969. Nachdruck von 1969, Monumenta Germaniae Historica, München 1986, ISBN 3-921575-90-7, S. 33.
  6. a b Markus Pöhlmann: Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung 1914–1956 (= Krieg in der Geschichte. Bd. 12). Schöningh, Paderborn u. a. 2002, ISBN 3-506-74481-X, S. 27.
  7. a b Karl Heinz Roth: Intelligenz und Sozialpolitik im „Dritten Reich“. Eine methodisch-historische Studie am Beispiel des Arbeitswissenschaftlichen Instituts der Deutschen Arbeitsfront. K. G. Saur Verlag, München 1993, ISBN 3-598-11166-5, S. 303.
  8. a b c Institut für Stadtgeschichte Karmeliterkloster, Frankfurt am Main, Beständeübersicht der Abteilung „Sammlungen“, Signatur: S 1/83.
  9. siehe Verzeichnis der Autoren: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne preussische Geschichte, 1648–1947. Eine Anthologie (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin. Band 52). Band 1, de Gruyter, Berlin u. a. 1981, ISBN 3-11-008324-8, S. xv.
  10. vgl. NDB.
  11. Markus Pöhlmann: Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung 1914–1956 (= Krieg in der Geschichte. Bd. 12). Schöningh, Paderborn u. a. 2002, ISBN 3-506-74481-X, S. 228 f.