Jotapata

antike Stätte nördlich Nazaret in Israel

Koordinaten: 32° 49′ 55″ N, 35° 16′ 41,3″ O

Karte: Israel
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Jotapata
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Israel

Jotapata (altgriechisch Ἰωτάπατα Iōtápata, neuhebräisch יוֹדְפַת Jodfat) ist eine archäologische Stätte in Israel. Sie befindet sich im Nordbezirk. Jotapata war ein Schauplatz des Jüdischen Krieges. Flavius Josephus verteidigte die Festung im Sommer des Jahres 67 n. Chr. gegen die römische Armee unter Vespasian. Er konnte aber die Einnahme Jotapatas nicht verhindern, ergab sich Vespasian und wurde später zum Historiker des Krieges.

LageBearbeiten

Die antike Stätte[1] liegt etwa 1 km südöstlich vom modernen Jodfat (1960 gegründet und nach dem antiken Ort benannt) entfernt auf einem über 400 m hohen Gelände (Tell Jafat, auch Dschebel Dschefat oder Khirbet Djefat), das sich ca. 100 m über den Tälern erhebt. In der Nähe steht der Berg Atzmon (547 m). Flavius Josephus beschreibt die Lage im 7. Kapitel des 3. Buches seiner Geschichte des jüdischen Krieges. Danach liegt Jotapata auf einem von Schluchten umgebenen Felsen, den andere Berge überragen, so dass sich der befestigte Ort nicht leicht entdecken lässt. Nur im Norden senkt sich der Bergrücken flacher als in anderen Richtungen. Hier war der Ort am besten zugänglich und Angriffen am meisten ausgesetzt.

GeschichteBearbeiten

 
Tell Jafat

Jotapata ist berühmt als befestigter Ort des Widerstandes im Jüdischen Krieg, dem ersten jüdischen Aufstand gegen die Römer. Flavius Josephus, Befehlshaber der Insurgenten in Galiläa, ließ dort die Städte befestigen und leitete selbst die Verteidigung Jotapatas, der am stärksten befestigten Stadt. Nero übertrug Vespasian das Oberkommando in Syrien und befahl die Niederschlagung des Aufstandes in Galiläa. Vespasian und sein Sohn Titus belagerten Jotapata im Sommer 67 (im 13. Regierungsjahr Neros) und eroberten die Stadt nach 47 Tagen. Zum Heeresaufgebot Vespasians gehörte die 15. Legion (Legio XV Apollinaris), die Titus kommandierte, und die 10. (Legio X Fretensis) unter dem Befehl von Marcus Ulpius Traianus, dem Vater des späteren Kaisers Trajan. Josephus schildert die Belagerung, Angriffe und Ausfälle, Taktik und Waffentechnik im 7. Kapitel des 3. Buches seines Werks Jüdischer Krieg. Das 8. Kapitel handelt von den Umständen seiner Gefangennahme und dem Wohlwollen, das ihm Titus entgegenbrachte. Josephus erzählt, dass er nach der Erstürmung der Wälle durch die Römer und ihre mazedonischen Hilfstruppen in eine Zisterne gesprungen sei, um sich zu verstecken. In der Höhle habe er 40 Aufständische getroffen, die sich in ihrer hoffnungslosen Lage gegenseitig umbringen wollten. Das Los sollte über die Reihenfolge der Todeskandidaten entscheiden. Josephus, so seine Erzählung, habe widerwillig in das Verfahren eingewilligt. Als einziger habe er kein Todeslos gezogen. Er und ein weiterer Kämpfer, den er vereinbarungsgemäß hätte umbringen müssen, ließen sich gefangen nehmen.[2]

ArchäologieBearbeiten

Ausgrabungen belegen, dass Tell Jafat bereits in der späten Bronzezeit bewohnt war. Das in der Bibel (2 Kön 21,19 EU) erwähnte Jotba als Herkunftsort des Großvaters von Amon, dem König des Reiches Juda (7. Jahrhundert v. Chr.), wird mit Jotapata identifiziert. Auguste Parent, der den Ort besucht hat, schreibt im Vorwort seines Buches Belagerung von Jotapata (vgl. Literatur): „Das Tell Jafat (le tell Djephtah) entspricht exakt der Beschreibung, die Josephus gab; es ist ein felsiger Hügel, gänzlich isoliert, allseits umgeben von hohen Bergen, welche die Sicht auf ihn versperren. Man muss wirklich ganz nahe sein, um ihn zu sehen.“

Im Jahr 1847 identifizierte der preußische Konsul Ernst Gustav Schultz Jotapata.[3] Ausgrabungen fanden erst seit 1992 unter der Leitung Mordechai Aviams von der israelischen Behörde für Altertümer statt. Die Siedlung auf dem Hügel wird von Aviam als jüdisch identifitziert (Steingefäße, Mikwen, eine Inschrift, hasmonäische Münzen); sie wurde in frührömischer Zeit mit einer hastig errichteten, später nochmals verstärkten Mauer umgeben. Am nördlichen Abhang fand Aviams Team ein römisches Erdwerk. Von den Kämpfen zeugen Pfeilspitzen und Ballistasteine. Die Stadt wurde niedergebrannt, Skelette von Gefallenen wurden in Zisternen geworfen. Die letzten Fundmünzen stammen aus der Regierungszeit Neros.

Nach der Schleifung Jotapatas wurde die Stadt teilweise wieder aufgebaut und besiedelt. Sie nahm Flüchtlinge aus dem im Jahre 70 zerstörten Jerusalem auf. Während des Bar-Kochba-Aufstandes soll die Priesterfamilie Mijamin[4] in Jotapata gelebt haben. Der um 200 n. Chr. niedergeschriebene Text von Mischna Arakin IX 6 enthält eine Liste „ummauerter Städte“, nämlich: „die alte Festung von Sipporim, die Burg von Gusch Ḥalaḇ, das alte Joḏfaṯ (=Jotapata), Gamla, Gador, Ḥaḏiḏ, Ono, Jerusalem und andere wire diese.“[5]

QuellenBearbeiten

  • Flavius Josephus: De bello Iudaico. Griechisch–deutsch, hrsg. und mit einer Einleitung sowie mit Anmerkungen versehen von Otto Michel und Otto Bauernfeind, 3 Bde., 1959–1969.
  • Flavius Josephus: Aus meinem Leben (Vita). Kritische Ausgabe, Übersetzung und Kommentar hrsg. von Folker Siegert, Heinz Schreckenberg, Manuel Vogel. Mohr Siebeck, Tübingen 2001. ISBN 978-3-16-147407-1.

LiteraturBearbeiten

  • Eric M. Meyers, James F. Strange, Dennis E. Groh: The Meiron Excavation Project: Archeological Survey in Galilee and Golan, 1976. In: Bulletin of the American Schools of Oriental Research 230 (April 1978), S. 1–24.
  • David Adan-Bayewitz, Mordechai Aviam, Douglas R. Edwards, Bryant G. Wood: Yodefat, 1992. In: Israel Exploration Journal 45, 2/3 (1995), S. 191–197.
  • David Adan-Bayewitz, Mordechai Aviam: Iotapata, Josephus, and the Siege 67: preliminary report on the 1992-94 seasons. In: Journal of Roman Archaeology 10, 1997.
  • Mark A. Chancey: The myth of a Gentile Galilee, Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2002
  • Haim Goren: Zieht hin und erforscht das Land: die deutsche Palästinaforschung im 19. Jahrhundert, Wallstein-Verlag, Göttingen 2003
  • Mordechai Aviam: Jews, Pagans and Christians in the Galilee: 25 Years of Archaeological Excavations and Surveys, Hellenistic to Byzantine Periods. University of Rochester Press, Rochester (New York) 2004

ForschungsgeschichtlichesBearbeiten

  • Georg Beer: Jotapata. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IX,2, Stuttgart 1916, Sp. 2002.
  • Johann Matthias Schröckh: Allgemeine Biographie, Teil 2, Kapitel I: Leben des Kaysers Titus, Verlag August Mylius, Berlin 1769
  • Ernst Gustav Schultz: Mittheilungen über eine Reise durch Samarien und Galiläa, nebst Anmerkungen von H. Groß, Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Band III, 1849.
  • Carl Ritter: Vergleichende Erdkunde der Sinai-Halbinsel, von Palästina und Syrien, Verlag von G. Reimer, Berlin 1852
  • Auguste Parent: Siège de Jotapata, épisode de la révolte des juifs, Librairie Académique, Paris 1866

FußnotenBearbeiten

  1. Nicht zu verwechseln mit Jotbata, das in 4 Mos 33,33 EU und 5 Mos 10,7 EU genannt wird.
  2. Diese Geschichte, deren einziger Zeuge Josephus ist, dient als Einkleidung für ein mathematisches Rätsel, das nach Cardano als Josephsspiel (Ludus Josephi) oder Josephus-Problem bezeichnet wird.
  3. Kurze Biografie bei Haim Goren, vgl. Literatur.
  4. Priester des Namens Mijamin werden einige Male in der Bibel erwähnt: im ersten Buch der Chronik sowie in den Büchern Esra und Nehemia.
  5. Die Mischna, ins Deutsche übertragen, mit einer Einleitung und Anmerkungen von Dietrich Correns, Marix, Wiesbaden 2005, S. 711f.