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Johannes Krause (2019)

Johannes Krause (* 17. Juli 1980 in Leinefelde) ist ein deutscher Biochemiker mit Forschungsschwerpunkt zu historischen Infektionskrankheiten und der menschlichen Evolution. Seit 2010 war er Professor für Archäo- und Paläogenetik an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seit Mitte 2014 ist Krause Direktor am neuen Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena.

KarriereBearbeiten

Krause studierte von 2000 bis 2005 Biochemie in Leipzig und am University College Cork in Irland. Mit der Arbeit Das mitochondriale Genom des Mammuts am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie erlangte er 2005 sein Diplom, 2008 wurde er unter Svante Pääbo mit der Dissertation From genes to genomes: Applications for Multiplex PCR in Ancient DNA Research über genetische Untersuchungen am Neandertaler und an Höhlenbären promoviert.[1]

2010 erhielt er für seine Dissertation den Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie[2] und als Mitautor des Science-Artikels A draft sequence and preliminary analysis of the Neandertal genome den Newcomb Cleveland Prize der American Association for the Advancement of Science, den Preis für den besten Artikel des Jahres.[3] Im Oktober desselben Jahres trat er eine Juniorprofessur am Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie in Tübingen an.[4] Dort leitet er seither die Arbeitsgruppe Archäo- und Paläogenetik des Instituts für Naturwissenschaftliche Archäologie. Im Oktober 2013 erhielt Krause eine W3-Vollprofessur.[5]

Im Sommer 2014 wurde bekannt gegeben, dass das Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena neu ausgerichtet wird.[6][7] Zusammen mit dem Neuseeländer Russell Gray wurde Johannes Krause im Juni 2014 auf den Direktorenposten des neuen Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte berufen, den er ab 1. Februar 2014 antrat. Gleichzeitig bleibt Krause weiterhin Honorarprofessor der Tübinger Universität.[8] Krause ist einer der Hauptautoren der Jenaer Erklärung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft.

ForschungsarbeitBearbeiten

Krauses Schwerpunkt ist die Genanalyse mit Hilfe der DNA-Sequenzierung. Zu seinen Forschungsgebieten zählen unter anderem historische Krankheitserreger und Epidemien sowie die menschliche Evolution.

2010 gelang es Krause, anhand von 30 Milligramm pulverisierten Materials aus den Fingerknochen eines Denisova-Menschen die mitochondriale DNA zu rekonstruieren. Dadurch konnte er belegen, dass der Denisova-Mensch eine eigenständige Population der Gattung Homo darstellte, die sich vor 640.000 Jahren vom Zweig des Neandertalers abtrennte.[9][10][11] Er wirkte ebenfalls mit an der Entschlüsselung des Erbguts des Neandertalers. Unter anderem wies Krause mit seinen Forschungen nach, dass der Neandertaler und der moderne Mensch dasselbe „Sprachgen“ (FOXP2) teilen und daher davon auszugehen ist, dass der Neandertaler ebenfalls die Fähigkeit zum Sprechen besaß.[12][13]

Krauses Abteilung gehörte zum internationalen Forscherteam, das 2011 anhand von DNA-Proben aus dem East Smithfield Pestfriedhof in London eine Verbindung zwischen der mittelalterlichen Epidemie des Schwarzen Tods und dem Bakterium Yersinia pestis, dem Erreger der Beulenpest, nachweisen konnte.[14][15]

Im September 2012 erhielt Krause vom Europäischen Forschungsrat im Rahmen der Starting Grants eine Förderung für sein Projekt Ancient Pathogen Genomics of Re-emerging Infectious Disease, in dem anhand der DNA entsprechender Krankheitserreger die Evolution verschiedener historischer Infektionskrankheiten und Pandemien untersucht werden sollen.[16] In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie wurde im Mai 2013 eine Arbeit veröffentlicht, wonach die Erreger, die die Große Hungersnot in Irland auslösten (HERB-1), nicht mit dem heute verbreiteten Stamm des Eipilzes Phytophthora infestans (US-1) identisch sind. Beide Erregerstämme gehen demnach auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück, entwickelten sich jedoch getrennt voneinander. Mit dem Aufkommen resistenter Kartoffelsorten verschwanden die HERB-1-Stämme und wurden durch US-1 abgelöst.[17][18]

Im Juni 2013 veröffentlichte Krauses Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Forschern der Technischen Hochschule Lausanne Forschungsergebnisse, wonach sich das Lepra-Bakterium seit dem Mittelalter genetisch kaum verändert habe und alle Lepra-Bakterien weltweit auf einen gemeinsamen Stamm aus der Zeit 4000 v. Chr. zurückgeführt werden können.[19][20]

AuszeichnungenBearbeiten

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

VideoBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Bolus: Laudatio: Dr. Johannes Krause, Preisträger des zwölften Tübinger Förderpreises für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive) (pdf; 155 kB), In: Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte, Band 19, 2010, S. 7–10.
  2. Über die Erbgutanalyse der Neandertaler. In: Reutlinger Nachrichten. 11. Februar 2010. Archiviert vom Original am 21. Oktober 2013. Abgerufen am 13. September 2013.
  3. AAAS Awards: Newcomb Cleveland Prize Recipients (englisch) In: Offizielle Website. American Association for the Advancement of Science. Abgerufen am 18. September 2013.
  4. Angelika Bachmann: Knochen markiert neue Linie im menschlichen Stammbaum. In: Schwäbisches Tagblatt. 23. Dezember 2010. Abgerufen am 13. September 2013.
  5. Krause hat jetzt Lehrstuhl. In: Zeitungsgruppe Thüringen GmbH & Co.KG (Hrsg.): Thüringische Landeszeitung. 11. Oktober 2013, S. 13.
  6. Meldung "Jenaer Institut neu ausgerichtet" auf www.mpg.de
  7. Homepage der Abteilung Archäogenetik von Krause am MPI für Geschichte und Naturwissenschaften
  8. Angelika Bachmann: Auf dem Sprung nach Jena: Die Uni verliert mit dem Paläogenetiker Johannes Krause einen ihrer bekanntesten Forscher. In: Schwäbisches Tagblatt GmbH (Hrsg.): Schwäbisches Tagblatt. 1. Juli 2014.
  9. Sonja Kastilan: Sieh an, Miss Denisova!. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Dezember 2010. Abgerufen am 13. September 2013.
  10. Thorwald Ewe: IN DER EVOLUTIONSGESCHICHTE des [Homo sapiens.] In: Bild der Wissenschaft. Mai 2012, S. 22. Abgerufen am 21. Oktober 2013.
  11. Johannes Krause et al.: The complete mitochondrial DNA genome of an unknown hominin from southern Siberia. In: Nature, Band 464, Nr. 7290, 2010, S. 894–897. doi:10.1038/nature08976 Volltext (PDF; 298 kB)
  12. Johannes Krause et al.: The derived FOXP2 variant of modern humans was shared with Neandertals. In: Current Biology. Band 17, Nr. 21, 2007, S. 1908–1912. doi:10.1016/j.cub.2007.10.008
  13. M. Inman: Neandertals Had Same „Language Gene“ as Modern Humans. In: National Geographic News, 18. Oktober 2007.
  14. Hanna Hauck: Wissenschaftler knacken die DNA des Pesterregers. In: Die Welt. Axel Springer AG. 12. Oktober 2011. Abgerufen am 13. September 2013.
  15. V. J. Schuenemann, K. Bos, S. DeWitte, S. Schmedes, J. Jamieson, A. Mittnik, S. Forrest, B. K. Coombes, J. W. Wood, D. J. D. Earn, W. White, J. Krause, H. N. Poinar: Targeted enrichment of ancient pathogens yielding the pPCP1 plasmid of Yersinia pestis from victims of the Black Death. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, Band 108, Nr. 38, S. E746–E752. doi:10.1073/pnas.1105107108
  16. Marina Boose: ERC Starting Grants 2012: Baden-Württemberg überdurchschnittlich erfolgreich. In: BIOPRO Baden-Württemberg. Land Baden-Württemberg. 15. Oktober 2012. Abgerufen am 13. September 2013.
  17. Nach 160 Jahren überführt– Herbarien geben Genom des Verursachers der Irischen Hungersnot preis. In: Pressemitteilung. Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. 21. Mai 2013. Abgerufen am 21. Oktober 2013.
  18. K. Yoshida, L. Cano, M. Pais, B. Mishra, R. Sharma, C. Lanz, F. Martin, S. Kamoun, J. Krause, M. Thines, D. Weigel & H. Burbano: The rise and fall of the Phytophthora infestans lineage that triggered the Irish potato famine. In: eLife, 28. Mai 2013. doi:10.7554/elife.00731
  19. Angelika Franz: Ursprünge der Lepra: Die unverwüstliche Seuche. In: Spiegel Online. 14. Juni 2013. Abgerufen am 21. Oktober 2013.
  20. Verena J. Schuenemann, Pushpendra Singh, Thomas A. Mendum, Ben Krause-Kyora, Günter Jäger, Kirsten I. Bos, Alexander Herbig, Christos Economou, Andrej Benjak, Philippe Busso, Almut Nebel, Jesper L. Boldsen, Anna Kjellström, Huihai Wu, Graham R. Stewart, G. Michael Taylor, Peter Bauer, Oona Y.-C. Lee, Houdini H.T. Wu, David E. Minnikin, Gurdyal S. Besra, Katie Tucker, Simon Roffey, Samba O. Sow, Stewart T. Cole, Kay Nieselt, Johannes Krause: Genome-Wide Comparison of Medieval and Modern Mycobacterium leprae. In: Science, Band 341, S. 179–183. doi:10.1126/science.1238286