Joachim Tancke

deutscher Mediziner, Poet, Astronom und Rektor der Leipziger Universität

Joachim Tancke (auch Tanck[1], latinisiert Joachimus Tanckius, * 9. Dezember 1557 in Perleberg; † 17. November 1609 in Leipzig) war ein deutscher Mediziner, Alchemist, gekrönter Poet, Astronom und Rektor der Leipziger Universität. Er war Professor für Anatomie und Chirurgie, Iatrochemiker (χυμιατρός) und ein „kämpferischer Paracelsist“, der die antike griechisch-römische Naturkunde geringschätzte.

LebenBearbeiten

Tancke studierte ab 1582 an der Artistenfakultät, ab 1586 Medizin in Leipzig. 1591 wurde er Lizentiat und 1592 zum Doctor medicinae promoviert. Am 31. Dezember 1594 wurde er zum Professor für Chirurgie und Anatomie in Leipzig ernannt, wo er dem großen Fürstenkolleg angehörte. Durch seine eigenen Arbeiten zur Astronomie wurde er mit Johannes Kepler bekannt, von dessen Schriften er den Druck in Leipzig 1607/1608 überwachte und mit dem er in Prag im Briefaustausch stand. Weitere Korrespondenzen führte er mit Naturforschern wie Joseph Duchesne,[2] Jakob Zwinger[3] und Martin Ruland.[4] Den Gelehrten Johannes Hartmann bezeichnete er 1610 als „günstigen Herrn“ und guten Freund.[5] Er polemisierte in einigen Vorworten[6][7][8] gegen die aristotelische Physica sowie die galenistische Medizin und verstand die Alchemie als Fortführung der Lehren des Paracelsus. Er war wie Hartmann, Daniel Sennert und Andreas Libavius ein früher akademischer Vertreter der Chemiatrie[9] und Herausgeber alchemistischer Schriften, aber eigenständige Publikationen Tanckes mit alchemischem Inhalt sind (entgegen der Annahmen und Angaben etwa von James Riddick Partington[10] oder Lynn Thorndike[11]) nicht greifbar.

In den Sommersemestern 1593 und 1599 bekleidete er das Amt des Rektors an der Leipziger Universität.

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SchriftenBearbeiten

als Herausgeber:

  • Bernhardus Trevisanus: Chymische Schriften von der Hermetischen Philosophie. Vier Teile. Leipzig 1605.
  • Paul Eck von Sulzbach: Clavis philosophorum.
  • [Christoph von Hirschenberg]: [Instructio.] Von den Particular- und Universaltincturen. (1538). In: Johann Thölde (Hrsg.): Basilius Valentinus, TriumphWagen Antimonii. J. Popporeich für J. Apel, Leipzig 1604, S. 297–397 (Anhang).[12]
  • [Christoph von Hirschenberg]: Succincta et brevis artis chemiae instructio. Das ist: Volkommner gründlicher Bericht der rechten und waren Alchimey / aus wahrhafftigem Fundament und Schrifften der Philosophen beydes Particulariter und Universaliter Philosophischer weise erkleret. J. Rose, Leipzig 1605.
  • Alchimistisch Waitzenbäumlein, Das ist: Vom Stain der Weisen. J. Rose, Leipzig 1605.
  • Roger Bacon: Medulla alchimiae […] Das ist: Vom Stein der Weisen, und von den vornembsten Tincturen des Goldes, Vitriols und Antymonij. J. Gaubisch (Eisleben) für J. Apel (Leipzig) 1608.
  • Promptuarium Alchemiae, Das ist: Vornehmer gelarten Philosophen und Alchimisten Schriffte und Tractat, von dem Stein der Weisen, sammt künstlichen Alchimistischen Handgriffen, und bewerten schönen bereittungen allerley Artzneyen. Zwei Teile. J. Popporeich für H. Grosse d. Ä., Leipzig 1610; auch 1612, 1614 und 1616.[13]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. K. C. Schmieder: Die Geschichte der Alchemie.
  2. Vgl. Nilüfer Krüger (Hrsg.): Supellex epistolica Uffenbachi et Wolfiorum. Katalog der Uffenbach-Wolfschen Briefsammlung. Hauswedell, Hamburg 1978 (= Katalog der Handschriften der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Band 8), S. 1015 (Brief von Tancke, Leipzig 1604, an Duchesne).
  3. Vgl. Theodor Zwinger (Hrsg.): De Chrysopoeia Variae Literatorum Epistolae. In: Appendix ad Annum V.&VI. Decuriae III. Ephemeridum medico-physicarum Academiae Caesareo-Leopoldinae naturae curiosorum in Germania. Ch. S. Froberg, Nürnberg 1700, S. 16–41, hier: S. 35–37 (Brief Jakob Zwingers, Basel 1606, an Tancke).
  4. Martin Ruland: Propugnaculum chymiatriae: Das ist: Beantwortung und beschützung der Alchymistischen Artzneyen / Etlicher Spuriogalenisten verleumbdungen / und der Vortrefflichen hochnutzbarlichen Chymiatriae, unchristlichem und unbillichem verdammen entgegen gesatzt. J. Apel, Leipzig 1608, Korrespondenz mit Tancke im Anschluss an Rulands Vorrede.
  5. Joachim Telle: Zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Alchemia medica unter besondere Berücksichtigung von Joachim Tanck. 1984, S. 157.
  6. Vgl. etwa Joachim Tanck: Vorrede von dem unterschied der Hermetischen und Galenischen Medicin. In: Michael Reuden: Bedencken Ob und wie die Artzneyen, so durch die Alchimistische Kunst bereitet werden, sonderlich vom Vitriol, Schwefel, Antimonio, Mercurio, und dergleichen fruchtbarlich zu gebrauchen sein. J. Rose, Leipzig 1605. S. Av–Biiij.
  7. Vgl. etwa auch Joachim Tanck: Praefatio. In: Fidejustus Reinneccerus: Thesaurus chymicus experimentorum certissimorum collectorum usuque probatorum. Hrsg. von Janus Baccerus. Th. Schurer, Leipzig 1609, S. a8v–c7v.
  8. Vgl. auch Joachim Tanck: Von der Alchimey würden und nutz (Leipzig 1609). In: Joachim Tanck (Hrsg.): Promptuarium Alchemiae, Das ist: Vornehmer gelarten Philosophen und Alchimisten Schriffte und Tractat, von dem Stein der Weisen, sammt künstlichen Alchimistischen Handgriffen, und bewerten schönen bereittungen allerley Artzneyen. Zwei Teile. J. Popporeich für H. Grosse d. Ä., Leipzig 1610, S. 1–5 (Zweitfassung einer Vorrede Tancks in: Joachim Tanck (Hrsg.): Alchimistisch Waitzenbäumlein, Das ist: Vom Stain der Weisen. J. Rose, Leipzig 1605.
  9. Joachim Telle: Zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Alchemia medica unter besondere Berücksichtigung von Joachim Tanck. 1984, S. 157.
  10. James Riddick Partington: A history of chemistry. Band 2. London / New York 1961, S. 188 f.
  11. Lynn Thorndike: A History of Magic and Experimental Science. New York, Band 7, 1958, S. 154 und 160 f., und Band 8, 1958, S. 105 f.
  12. Vgl. auch Joachim Telle: Der Alchemist im Rosengarten. Ein Gedicht von Christoph von Hirschenberg für Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und Graf Wilhelm von Zimmern. In: Euphorion. Band 71, 1977, S. 283–305, hier: S. 284 und 305.
  13. Vgl. auch K. C. Schmieder: Die Geschichte der Alchemie. S. 235 und 350.