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Ein jüdisches Museum dokumentiert die Geschichte und Kultur des Judentums nach musealen Gesichtspunkten.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

19. JahrhundertBearbeiten

Eine Präsentation sakraler Objekte etwa zu Schauzwecken galt dem Judentum ursprünglich als Profanierung, unbrauchbar gewordene heilige Schriften wurden nicht vernichtet, sondern in einer Geniza verborgen oder auf dem Friedhof bestattet.

Im 19. Jahrhundert erfolgte in Europa eine allgemeine Verschiebung der Bedeutung religiöser Objekte vom Ritual- zum Kunstgegenstand. Im Zuge der jüdischen Emanzipation und Säkularisierung begannen auch jüdische Gemeinden mit der Präsentation ihrer profanierten „Altertümer“ im Museum oder kleineren Ausstellungen. Französische Juden beteiligten sich 1878 mit Exponaten jüdischer Kultur und Religion an der Pariser Weltausstellung, britische Juden 1886 an der Colonial and Indian Exhibition.

Zur Konzeption eigenständiger Museen gründete sich 1895 die Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst und historischen Denkmälern des Judentums in Wien, woraufhin mit dem Wiener Jüdischen Museum das weltweit erste jüdische Museum (mit etwa 400 Objekten) eröffnet wurde. Dem schloss sich die Gründung zahlreicher jüdischer Museen an, zumeist unter Federführung jüdischer Gemeinden. Judaika gelangten fortan auch in die Ausstellungsbestände von Heimat-, Kunst- und Volkskundemuseen.

20. JahrhundertBearbeiten

In den Novemberpogromen 1938 wurden neben vielen Synagogen auch jüdische Museen verwüstet oder beraubt. Objekte des Wiener Jüdischen Museums wurden 1939 in das Naturhistorische Museum verbracht und dort für eine antisemitische Ausstellung instrumentalisiert. Das 1906 gegründete Jüdische Museum in Prag[1] funktionalisierte die SS nach seiner Schließung 1943 mit geraubtem jüdischen Inventar aus Böhmen und Mähren zum "Jüdischen Zentralmuseum der SS" um. Nach dem Zweiten Weltkrieg staatlich grundlegend erneuert zählt es heute zu den meistbesuchten Museen der Stadt. Ähnliches gilt für das jüdische Museum in Budapest (Magyar Zsidó Múzeum).[2] Das Jüdische Museum Berlin geht auf eine Museumsgründung am 24. Januar 1933 wenige Tage vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zurück und ist derzeit das größte jüdische Museum Europas.

In vielen Städten mit jüdischer Tradition haben sich weltweit jüdische Museen etabliert, nicht ohne Kritik von jüdischer Seite.[3] Kritik geübt wurde von orthodoxen Juden, die eine illegitime Profanierung jüdischen Zeremonialgeräts beklagen, zum anderen von assimilierten Juden, die in der Auswahl und Präsentation der Exponate eine erneute Ausgrenzung, Stereotypisierung oder Reduzierung der jüdischen Kulturgeschichte auf religiöse Inhalte befürchten.

Seit 1988 besteht mit der Association of European Jewish Museums (AEJM) ein Dachverband, dem der überwiegende Teil der jüdischen Museen in Europa angehört. Präsident ist seit 2017 Emile Schrijver, Direktor des Joods Historisch Museum in Amsterdam.[4] Seit 2004 besteht zudem die Organisation Jewish Heritage Europe, die sich dem Austausch zwischen jüdischen Museen und anderen Einrichtungen jüdischen kulturellen Erbes widmet.[5]

Eine besondere Bedeutung als Gedenkort kommt den Holocaustmuseen zu.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Website (Memento des Originals vom 14. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jewishmuseum.cz (Englisch)
  2. Website (Englisch)
  3. Sally Berkovic: Jewish Museums: Are They Good for the Jews? Veröffentlicht am 5. April 2013. Abgerufen am 27. Januar 2015.
  4. Homepage der Organisation
  5. Jewish Heritage Europe: WHAT IS “JEWISH HERITAGE EUROPE”? (Memento des Originals vom 28. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jewish-heritage-europe.eu Abgerufen am 27. Januar 2015.