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Ihme
Ihme in der Nähe der südlichen Stadtgrenze von Hannover

Ihme in der Nähe der südlichen Stadtgrenze von Hannover

Daten
Gewässerkennzahl DE: 48876
Lage Region Hannover, Niedersachsen (Deutschland)
Flusssystem Weser
Abfluss über Leine → Aller → Weser → Nordsee
Quelle bei Evestorf aus Wennigser Mühlbach und Bredenbecker Bach
52° 16′ 30″ N, 9° 37′ 16″ O
Quellhöhe ca. 68 m ü. NHN [1]
Mündung in Hannover in die LeineKoordinaten: 52° 22′ 38″ N, 9° 42′ 45″ O
52° 22′ 38″ N, 9° 42′ 45″ O
Mündungshöhe ca. 48 m ü. NHN[1]
Höhenunterschied ca. 20 m
Sohlgefälle ca. 1,3 ‰
Länge 16 km
Einzugsgebiet 111,11 km²[2]
Linke Nebenflüsse Weetzener Graben, Hirtenbach
Rechte Nebenflüsse Holtenser Bach, Hemminger Maschgraben, Seniebach, Schneller Graben
Großstädte Hannover
Mittelstädte Ronnenberg
Gemeinden Wennigsen (Deister)
Einwohner im Einzugsgebiet 500.000
Schiffbar Schneller Graben bis Leine
Flussläufe im inneren Stadtgebiet von Hannover

Flussläufe im inneren Stadtgebiet von Hannover

Die Ihme ist ein etwa 16 km langer linker Nebenfluss der Leine in Niedersachsen. Von der Einmündung des Schnellen Grabens in Hannover (Leinekilometer 17,31) bis zur Mündung in die Leine (km 20,89)[3] ist die Ihme eine Bundeswasserstraße,[4] für die das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Braunschweig zuständig ist.

Flusslauf bis zum Schnellen GrabenBearbeiten

Die Ihme bildet sich im östlichen Deistervorland nahe der Ortschaft Evestorf. Das Fließgewässer erhält Zufluss vom von Westen kommenden Wennigser Mühlbach und vom von Südwesten kommenden Bredenbecker Bach, der Beeke. Von dort fließt die Ihme zunächst in Richtung Ost-Nordost. Am Zusammenfluss der beiden Bäche wurde 2009 vom Ortsrat Evestorf und vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Wennigsen v. 1896 der „Ihmestein“ als touristische Landmarke errichtet. Das Ortswappen von Evestorf zeigt die Ihme mit ihren beiden Quellflüssen. Vor dem Bau der Kalkbahn entlang des Bredenbecker Bachs Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Zusammenfluss noch deutlich östlich der Hamelner Chaussee gelegen.[5]

Die Ihme gibt dem südwestlich von Hannover liegenden Dorf Ihme seinen Namen, das zusammen mit dem Dorf Roloven den Ronnenberger Ortsteil Ihme-Roloven bildet.

Nach sechs Kilometern erreicht die Ihme den hannoverschen Stadtteil Ricklingen. Dort fließt sie teilweise an steilen Ufern entlang in mehreren Windungen durch das Ricklinger Holz und dann an den Ricklinger Kiesteichen und dem Freibad Ricklingen vorbei. Hier im Nordteil des Großen Ricklinger Teichs entwässert der Seniebach die Ricklinger Kiesteiche in die Ihme. Ein Flussdeich schützt Ricklingen vor Überschwemmungen. In Ricklingen wird die Ihme traditionell als „Beeke“ bezeichnet (siehe die hiesige Beekestraße).

Von der Einmündung des Holtenser Bachs bis zum Ricklinger Holz markierte die Ihme die Grenze der Ämter Koldingen und Calenberg. Der Gewässerabschnitt trug den Namen Landwehr.[5] An der Landwehr, beziehungsweise der Ihme, lagen vier Wassermühlen bei Vörie, Bettensen, Kückenmühle und Ricklingen.[6]

Die Unterhaltung der Ihme obliegt bis zur Einmündung des Schnellen Grabens dem Unterhaltungsverband 52 „Mittlere Leine“.

Die Ihme in Bereich Calenberger Neustadt und LindenBearbeiten

In Höhe der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken (am Schnittpunkt der hannoverschen Stadtteile Ricklingen, Linden-Süd und Calenberger Neustadt) mündet der Schnelle Graben in die Ihme, deren Abfluss dadurch um ein Vielfaches vergrößert wird. Der Schnelle Graben beginnt in Höhe der Mitte des Maschsees und entnimmt der Leine einen erheblichen Teil ihres Wassers. Er wurde bereits 1449 als Snellegrave urkundlich erwähnt.[7][8]

Bei Hochwasser wird der größte Teil des Leinewassers in die Ihme geleitet, um die Innenstadt von Hannover vor Überschwemmungen zu bewahren. Dazu liegt das Flussbett der Ihme zwischen Schneller Graben und Mündung innerhalb eines Flutgrabens (an mindestens einer, meist an beiden Seiten des normalen Flussbettes erstreckt sich eine große Freifläche), über dessen Kapazität selbst sehr starke Hochwässer abgeführt werden können.

Mit dem Bau des Maschsees wurde von 1934 bis 1937 auch eine Ihme-Begradigung verwirklicht. Der bisherige Bogen um die Lindener Aue[9] verschwand und auf dem gewonnenen Gelände entstand der neue Schützenplatz.[10] Die Ihme zwischen Einmündung des Schnellen Grabens und Brücke am Schwarzen Bären wurde leicht nach Westen versetzt begradigt und erhielt höhere Deiche. Auch die Legionsbrücke und die Stadionbrücke wurden damals gebaut. Die im Ihmebogen gelegenen Badeanstalten Schröder und Thießler, die Militärbadeanstalt und der Hannoversche Ruderclub von 1880 verloren ihre Plätze.[11] Der Flusslauf wurde in diesem Bereich um 600 m auf 1.700 m verkürzt und die Abflussgeschwindigkeit im Hochwasserfall verdreifacht.[12]

Um den Hochwasserschutz bei Jahrhunderthochwassern weiter zu verbessern, wurde von 2008 bis 2012 die Benno-Ohnesorg-Brücke abgerissen und durch eine 20 m längere Konstruktion ersetzt. Durch Abgrabungen der Uferbereiche unter- und oberhalb der Brücke, aber jeweils nur am östlichen Ufer, wurde die mögliche Abflussmenge der Ihme bei Hochwasser deutlich vergrößert.[13] Gegen die mit dieser Baumaßnahme verbundene Fällung zahlreicher Bäume am Ostufer zwischen Benno-Ohnesorg-Brücke und Leinertbrücke protestierten in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossene Anwohner. Die neu gestaltete Grünfläche wird heute stark genutzt.

Im Stadtteil Linden-Mitte wurde am Ufer der Ihme in den 1970er Jahren im Stil des Brutalismus das Ihme-Zentrum errichtet. Nördlich davon befindet sich das Heizkraftwerk Linden, welches Strom und Fernwärme erzeugt. Nördlich der Stadtteile Linden-Nord und Calenberger Neustadt mündet die Ihme am so genannten „Leinedreieck“ in die Leine. Diese Stelle ist vor allem in Hannover als Fährmannseck bekannt, auf dem regelmäßig das Fährmannsfest Hannover stattfindet.

SchifffahrtBearbeiten

Durch den Zufluss des Leinewassers über den Schnellen Graben wird die Ihme von einem Kleinfluss zu einer schiffbaren Wasserstraße. In Verbindung mit der Leine, dem Verbindungskanal zur Leine und dem Stichkanal Hannover-Linden besteht eine Verbindung zum Mittellandkanal. Diese landschaftlich reizvolle Strecke durch Hannover wird hauptsächlich von Ausflugsschiffen und der Sportschifffahrt genutzt.

Die Ihme ist unterhalb des Zuflusses des Schnellen Grabens ein beliebtes Revier für Hannovers Rudersport. Das Gewässer wird von drei Rudervereinen (Angaria, DRC, Ruderverein Linden) befahren. Mehrere kommerzielle Anbieter bieten einen Kanuverleih ab dem Schnellen Graben an, von dem aus auch die Ihme häufig befahren wird. Der Oberlauf der Ihme oberhalb dieses Grabens ist nicht befahrbar.

LiteraturBearbeiten

  • Hochwasserschutz in Hannover (Broschüre), Baudezernat Hannover (in Zusammenarbeit mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Büro Oberbürgermeister), Hannover, Mai 2008
  • Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Der Maschsee in Hannover. Seine Entstehung und Geschichte, mit Beiträgen von Ernst August von der Haar u. a., Hannover: Schlüter, 1986, ISBN 3-87706-046-3.
  • Waldemar R. Röhrbein: Schneller Graben. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 547 f.
  • Julie Schröder: "Der Nutzungs- und Strukturwandel der Leineaue südlich von Hannover im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert", Magisterarbeit im Fach Geschichte, Universität Hannover, 2001.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ihme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Ihme, Beschreibung auf hannover.de
  • Leine- und Ihmeufer, Informationen über Hannovers Grün- und Parkanlagen entlang der Ihme, auf hannover-park.de

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Flächenverzeichnis zur Hydrographischen Karte Niedersachsen. Fortschreibung Stand 13. Juli 2010 (PDF; 599,8 KB). www.umwelt.niedersachsen.de, abgerufen am 8. Januar 2016.
  3. Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes (Memento des Originals vom 21. Januar 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wsv.de, in Längen der Bundeswasserstraßen, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, auf wsv.de
  4. Wasserläufe, die ganz oder zum Teil eine dem allgemeinen Verkehr dienende Binnenwasserstraße des Bundes sind (Grundlage: Verz. E), Lfd. Nr. 28 (Memento des Originals vom 16. September 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wsv.de in Chronik über den Rechtsstatus der Reichswasserstraßen/Binnenwasserstraßen des Bundes im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach dem 3. Oktober 1990, S. 115, Bl. 5 (Stand: Februar 2013), Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, auf wsv.de (PDF; 1,32 MB)
  5. a b Topographischer Atlas des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig von August Wilhelm Papen Blatt PA048, JPG (5´3,51 MB) in reduzierter Auflösung gratis im LGLN Internet-Shop; abgerufen am 26. November 2016
  6. Günter Gebhardt: Militärwesen, Verkehr und Wirtschaft in der Mitte des Kurfürstentums und Königreichs Hannover 1692-1866. ibidem-Verlag / ibidem Press, ISBN 978-3-8382-6184-3 (google.de).
  7. Waldemar R. Röhrbein: Schneller Graben. In: Stadtlexikon Hannover, S. 547f.
  8. Die Broschüre Hochwasserschutz in Hannover (s. Literatur) gibt auf S. 8 das 17. Jahrhundert an: {Zitat|Bereits im 17. Jahrhundert wurde der "Schnelle Graben" gebaut}
  9. Stadtplan Hannover vom März 1931. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  10. Julie Schröders Magisterarbeit S. 72
  11. Waldemar R. Röhrbein "Der Maschsee", S. 70–71
  12. Julie Schröders Magisterarbeit S. 82–83
  13. Benno-Ohnesorg-Brücke. Für mehr Durchfluss. hannover.de, archiviert vom Original am 26. Mai 2011; abgerufen am 26. Mai 2011.