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Hystricognathi

Teilordnung der Ordnung Nagetiere (Rodentia)
Hystricognathi
Die Stachelschweine (hier Hystrix leucuta) gehören zu den Hystricognathi.

Die Stachelschweine (hier Hystrix leucuta) gehören zu den Hystricognathi.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Hystricognathi
Wissenschaftlicher Name
Hystricognathi
Tullberg, 1899

Hystricognathi ist eine Teilordnung der Nagetiere (Rodentia).[1]

Bis heute sind 230 rezente Arten in 68 Gattungen beschrieben worden. Die Hystricognathi werden in drei Gruppen unterteilt: die Stachelschweine (Hystricidae) und die Phiomorpha, welche beide auf die Alte Welt beschränkt sind, sowie die Caviomorpha (Meerschweinchenverwandte) der Neuen Welt. Die altweltlichen Phiomorpha umfassen vier rezente Familien: die Sandgräber (Bathyergidae), die Nacktmulle (Heterocephalidae), die Felsenratte (Petromus typicus) sowie die Rohrratten (Thryonomys). Die neuweltlichen Caviomorpha dagegen sind diverser und umfassen 13 rezente Familien, die in vier Überfamilien klassifiziert werden: die Baumstachlerartigen (Erethizontoidea), die Meerschweinchenartigen (Cavioidea), die Chinchillaartigen (Chinchilloidea) sowie die Trugrattenartigen (Octodontoidea). Die nächsten Verwandten (Schwestergruppe) der Hystricognathi sind die Gundis (Ctenodactylidae), eine auf Nordafrika beschränkte Nagetier-Familie.[1]

Inhaltsverzeichnis

MerkmaleBearbeiten

Die Hystricognathi unterscheiden sich von anderen Nagetieren durch verschiedene anatomische Merkmale des Unterkiefer- und Schädelbaus. Das namensgebende Merkmal ist der hystricognathe Unterkiefer: Der vom Hinterende des Unterkiefers auswachsende Angularfortsatz steht nicht in einer Linie mit dem Rest des Kiefers, wie es bei anderen Nagetieren mit sciurognathem Kieferbau der Fall ist, sondern ist seitlich abgewinkelt.[2] Der Massetermuskel (Musculus masseter medialis), ein Kiefermuskel, verläuft dabei teilweise durch das Foramen infraorbitale („Unteraugenloch“). Zudem fehlt bei Vertretern dieser Teilordnung die Infraorbital-Platte.

VerbreitungsgeschichteBearbeiten

Ursprung und Verbreitungsgeschichte der Hystricognathi sind umstritten. Einige der ältesten Vertreter wurden aus dem frühen Obereozän (etwa 37 Mya) aus der Oase Fayum im nördlichen Ägypten beschrieben.[2] In Südamerika taucht die Gruppe im frühen Oligozän (31 Mya) auf. Südamerika war während des gesamten Tertiärs von Afrika und Nordamerika isoliert; Fossilien der Hystricognathi wurden jedoch ausschließlich in Südamerika, Afrika und Eurasien gefunden. Auf welchem Weg die Hystricognathi Südamerika erreichten ist daher unbekannt.[1] Nordamerika erreichte die Gruppe erst, nachdem vor drei Millionen Jahren mit dem Isthmus von Panama eine Landbrücke gebildet wurde; diese Landbrücke führte zu einem breiten Faunenaustausch zwischen Nord- und Südamerika.[3]

FamilienBearbeiten

Die Teilordnung Hystricognathi besteht aus 17 Familien, die die Stachelschweine (Hystricidae) sowie die Vertreter der Phiomorpha und Caviomorpha umfassen. Die Stachelschweine gelten nach genetischen Untersuchungen als Schwestergruppe der beiden anderen Untergruppen.[2] Die Nutria gehört nach molekularen Analysen zu den Stachelratten.[4] Abweichend von der hier vorgestellten Aufteilung werden die Hystricognathi auch nur in die zwei Untertaxa Phiomorpha und Caviomorpha aufgeteilt und die Nutria in eine eigene Familie Myocastoridae gestellt.

  • Sandgräber (Bathyergidae Waterhouse, 1841)
  • Nacktmulle (Heterocephalidae Landry, 1957) mit der
  • einzige rezente Gattung Heterocephalus Rüppell, 1842 mit dem
  • Nacktmull (Heterocephalus glaber Rüppell, 1842) als einzige Art
  • Petromuridae Wood, 1955
  • einzige rezente Gattung Petromus A. Smith, 1831 mit der
  • Felsenratte (Petromus typicus A. Smith, 1831) als einzige Art
  • Meerschweinchenartigen (Cavioidea Fischer, 1817)
  • mit der einzigen Gattung Cuniculus Brisson, 1762 mit zwei Arten
  • Chinchillaartige (Chinchilloidea Bennett, 1833)
  • einzige rezente Gattung Dinomys Peters, 1873 mit der
  • Pakarana (Dinomys branickii Peters, 1873) als einzige Art
  • Trugrattenartige (Octodontoidea Waterhouse, 1837)
  • mit der einzigen Gattung Ctenomys Blainville, 1826
  • Gattung Myocastor Kerr, 1792 und der
  • Baumstachlerartige (Erethizontoidea Bonaparte, 1845)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Dorothée Huchon, Emmanuel J. P. Douzery: From the Old World to the New World: A Molecular Chronicle of the Phylogeny and Biogeography of Hystricognath Rodents. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 20, Nr. 2, August 2001, S. 238–251. doi:10.1006/mpev.2001.0961.
  2. a b c Hesham M. Sallam, Erik R. Seiffert, Michael E. Steiper, Elwyn L. Simons: Fossil and molecular evidence constrain scenarios for the early evolutionary and biogeographic history of hystricognathous rodents. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 106, Nr. 39, 29. September 2009, S. 16722–16727. doi:10.1073/pnas.0908702106. PMID 19805363.
  3. Michael J. Benton: Vertebrate Paleontology. 3rd ed., Blackwell Science Ltd., Oxford 2005. ISBN 0-632-05637-1. S. 320–323.
  4. Thomas Galewski, Jean-François Mauffrey, Yuri L. R. Leite, James L. Patton, Emmanuel J. P. Douzery: Ecomorphological diversification among South American spiny rats (Rodentia; Echimyidae): a phylogenetic and chronological approach. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Bd. 34, Nr. 3, March 2005, ISSN 1055-7903, S. 601–615, doi:10.1016/j.ympev.2004.11.015.

LiteraturBearbeiten

  • Wilson, D. E. (Ed.) (2005): Mammal Species of the World: A Taxonomic and Geographic Reference. (Vol. 2). JHU Press.

WeblinksBearbeiten